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GEA-Austrägerin: Ein Leben lang für Abonnenten gelaufen

So ein Arbeitsleben ist selten geworden: 56 Jahre lang hat Sigrid Löffler den GEA ausgetragen. Was sie dabei im Guten wie im Schlechten erlebt hat.

56 Jahre lang hat Sigrid Löffler den GEA ausgetragen. Da lässt es sich prima mit dem Fotografen scherzen.
56 Jahre lang hat Sigrid Löffler den GEA ausgetragen. Da lässt es sich prima mit dem Fotografen scherzen. Foto: Stephan Zenke
56 Jahre lang hat Sigrid Löffler den GEA ausgetragen. Da lässt es sich prima mit dem Fotografen scherzen.
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. Ein Leben lang ist Sigrid Löffler gelaufen. Jeden Morgen ganz früh aufgestanden, damit die Abonnenten ihren GEA im Briefkasten haben. »Das Zeitungsaustragen hat mich gesund gehalten«, sagt sie im Alter von 77 Jahren mit einer fast schon jugendlichen Frische. Was sie im Guten wie im Schlechten in den Jahrzehnten als Zustellerin erlebt hat, bleibt einem in Erinnerung.

Das Leben der Dame, die einen beherzt in ihr Wohnzimmer bittet, war alles andere als einfach - von Beginn an. Geboren wurde Sigrid Löffler 1948 in Dänemark, wohin die Folgen des Zweiten Weltkrieges ihre Eltern als Flüchtlinge aus Pommern und Ostpreußen gebracht hatten. Noch in ihrem Geburtsjahr »sind wir auf die Alb nach Bleichstetten gekommen«, erinnert sie sich. Das kleine Mädchen besuchte die Volksschule und begann dann in jugendlichen Jahren beim Rösch in Würtingen zu arbeiten. Unterröcke und Nachtwäsche wurden damals dort gefertigt.

Mutter geht arbeiten

1965 zog die Familie nach Reutlingen. Sigrid Löffler arbeitete weiter beim Rösch, allerdings jetzt in Tübingen. Die kommenden Jahre waren voller Meilensteine in ihrer Biographie. 1967 heiratete sie ihren Mann Wolfgang, wurde Sohn Andreas geboren. Zwei Jahre später erblickte Tochter Petra das Licht dieser Welt. Um die Haushaltskasse der kleinen Familie zu füllen, muss die Mutter Geld verdienen. »Ich habe Heimarbeit gemacht. Pullover mit der Overlock-Maschine zusammengenäht. Aber weil die Maschine ständig kaputt und der Stoffstaub im ganzen Wohnzimmer war, habe ich dazu keine Lust mehr gehabt«, erzählt sie.

Ein toller Job

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Ende der 60er-Jahre liest sie im GEA eine Anzeige, die aus der Gegenwart stammen könnte: Zusteller gesucht. Die Reutlingerin bewirbt sich und arbeitet seit dem 1. Oktober 1969 für die Zeitung. Ihre Zustellbezirke haben es in sich, denn es handelt sich um lange und hügelige Straßen am Georgenberg: Steinenbergstraße, Steubenstraße, Diebsteigle sowie auch Wörthstraße und Lindachstraße. Jeder, der die Gegend kennt, kann da nur respektvoll den Hut zücken. In dieser dicht besiedelten Gegend Zeitungen auszutragen - das ist herausfordernd. Zumal Sigrid Löffler beachtliche Mengen an Papier bewegt.

Hunderte Zeitungen täglich

»Mit zwei Bezirken habe ich 350 Zeitungen täglich ausgetragen. Am Anfang alles zu Fuß, weil ich noch keinen Führerschein hatte«, erinnert sie sich an eine ganz besondere Arbeit. Die junge Mutter steht früh um 3 Uhr auf, »dann habe ich mich angezogen und bin losgegangen«. Bei jedem Wetter, versteht sich. »Im Sommer ging's, aber im Winter war's hart«. Die Zeitungsstapel für sie liegen am Pavillon der Kreissparkassen-Filiale unten an der Steinenbergstraße, die es längst nicht mehr gibt. Und wie ist es, morgens in aller Herrgottsfrühe unterwegs zu sein?

Wer so lange den GEA austrägt, bei dem bedanken sich auch Verleger Valdo Lehari Junior und der Vertriebsleiter. Den Bericht zum
Wer so lange den GEA austrägt, bei dem bedanken sich auch Verleger Valdo Lehari Junior und der Vertriebsleiter. Den Bericht zum 25-jährigen Betriebsjubiläum hat Sigrid Löffler aufgehoben. Foto: Stephan Zenke
Wer so lange den GEA austrägt, bei dem bedanken sich auch Verleger Valdo Lehari Junior und der Vertriebsleiter. Den Bericht zum 25-jährigen Betriebsjubiläum hat Sigrid Löffler aufgehoben.
Foto: Stephan Zenke

»Viele Leute sind mir nicht verkommen«, sagt sie lächelnd, »da war fast kein Mensch auf«. Höchstens einige Nachtschwärmer aus der Silberbar, die nach ausgiebigem Alkoholkonsum in Richtung Stadtmitte taumelten, aber die Zustellerin in Ruhe ließen. »Angst direkt hatte ich keine - nur manchmal ein ungutes Gefühl«, meint sie, »passiert ist mir nichts«. Unvergessen regelmäßige tierische Begegnungen. Sigrid Löffler sieht vorbeihuschende Marder oder gepflegt flanierende Füchse häufiger.

Frühstück mit den Kindern

»Dreieinhalb Stunden war ich immer unterwegs«, beschreibt sie ihre Morgenroutine auf nüchternen Magen. Denn Frühstück gibt es erst wieder Zuhause gemeinsam mit ihren Kindern. Ein tragischer Schicksalsschlag trifft die Familie 1971, als Vater Wolfgang im Alter von gerade mal 31 Jahren an einer tückischen Krankheit in kurzer Zeit verstirbt. Trauer und Schmerz darüber sind der alten Dame bis heute anzumerken. Ebenso aber auch Stolz auf und Freude über ihre Zeit als Zustellerin. Aufgehört hat sie erst in diesem Jahr, nachdem zwei Stürze auf Glatteis ihr die Zerbrechlichkeit eines alten Körpers deutlich machten. Gott sei Dank hat sie sich nichts gebrochen.

Der Beruf als Zustellerin hat, bilanziert sie, »hat in mein Leben gepasst, weil ich bei meinen Kindern sein wollte«. Die schliefen eben noch, wenn ihre Mutter Zeitungen auslieferte. Jetzt hat sie Zeit, die Früchte ihrer Arbeit im Kreise der Familie zu genießen - und auch gelegentlich ihrer Leidenschaft fürs Autofahrer zu folgen. Nicht mehr so weit wie früher, aber immer noch. Gute Fahrt! (GEA)