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Fußgänger: Mund aufmachen für den Steg-Ersatz

Demo für den Erhalt des Stegs im Dezember 2018.
Demo für den Erhalt des Stegs im Dezember 2018. Foto: Niethammer Markus
Demo für den Erhalt des Stegs im Dezember 2018.
Foto: Niethammer Markus

Allen, die nicht an Gedächtnisschwund leiden, müssen im jüngsten Bauausschuss die Ohren abgefallen sein. »Den Fußgängerüberweg braucht es nicht«, verkündete FDP-Stadträtin Regine Vohrer. Wir erinnern uns: Die FDP war die Fraktion, die den Abriss des beliebten Fußgängerstegs an der Stadthalle frühzeitig ins Gespräch gebracht und sich über Jahre engagiert für einen ebenerdigen Übergang stark gemacht hatte. Nun also die neue Ansage. So macht man nachhaltige Verkehrspolitik zulasten der Fußgänger in Reutlingen – scheibchenweise.

Einzig SPD-Rat Ramazan Selcuk ereiferte sich nennenswert gegen den Vorstoß aus der einstigen »Abrisskoalition«. Grünen-Chefin Gabriele Janz fand nur ein verschämtes: »Man muss den Übergang priorisieren.«

Die Stadt hat kein Geld für so was, ließ Baubürgermeisterin Angela Weiskopf wissen. Die Verwaltung dürfte aber auch nicht übermäßig scharf auf eine verkehrstechnisch nicht ganz triviale Neuorganisation von Reutlingens Hauptverkehrsknoten sein.

Vorsicht also: Der Steg ist schon Geschichte. Wer ein zeitgemäßes Fußgängerangebot an diesem neuralgischen Punkt wünscht, sollte sich zeitnah und hörbar artikulieren, sonst ist heimlich, still und leise vielleicht eines Tages auch der Steg-Ersatz passé, weil sich im Rat eine mehrheitsfähige Ebenerdiger-Übergang-Gegnerkoalition formiert hat.

andrea.glitz@gea.de