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Aktuell Protest

Fridays for Future: Zweite Klimademo in Reutlingen

Über 100 Schülerinnen und Schüler haben bei der zweiten Klimademo der »Fridays for Future«-Bewegung in Reutlingen lautstark für eine andere Politik der Erwachsenen demonstriert. Dabei hat die Kulisse wie der Deckel auf den Topf gepasst.

Über 100 Schülerinnen und Schüler demonstrieren lautstark in Reutlingen für die Rettung unseres Planeten.
Fridays for Future: Über 100 Schülerinnen und Schüler demonstrieren lautstark in Reutlingen für die Rettung unseres Planeten. Foto: Stephan Zenke
Fridays for Future: Über 100 Schülerinnen und Schüler demonstrieren lautstark in Reutlingen für die Rettung unseres Planeten.
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. Zweistellige Temperaturen über Null im Februar auf dem Reutlinger Marktplatz und ein Brautpaar, dass vor dem Rathaus freudestrahlend in einen Porsche einsteigt, geben den jungen Menschen mehr als Recht: Der Klimawandel hat längst begonnen, und die älteren Leute machen so weiter, als ob nichts wäre.

»Es ist gerade jetzt so wichtig wie nie zuvor auf die Straße zu gehen und für unsere Zukunft zu kämpfen! Wir sind die letzte Generation, die noch etwas ändern kann und sind allen, die nach uns kommen schuldig einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen«, verkündet das Trio der Demo-Organisatoren mit einem Megafon. Meri Heistermann (18), Chiara Berger (17) und Adrian Zacke (18) sind sichtlich erfreut über mehr als 100 Mitschüler auf dem Platz. Allen hier ist der Ernst der Lage bewußt, auch wenn die Laune eher beschwingt wirkt.

»In weniger als 12 Jahren können wir den Klimawandel nicht mehr aufhalten«, sagt Meri Heistermann mit Blick auf die Beschlüsse zahlreicher Klimakonferenzen, »wenn bis dahin keine weitreichende Veränderung stattfindet, wird eine Kettenreaktion einsetzen, auf die wir dann keinen Einfluß mehr haben«. Die Erderwärmung müsse auf unter 1,5 Grad begrenzt werden, wie es auch im Pariser Klimaschutzabkommen eigentlich angestrebt wird, »doch die Maßnahmen, die die Politik bis jetzt vor hat sind nicht genug«. Das sehen auch erheblich jüngere Demonstranten an einem ganz besonderen Freitag so: Heute ist die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, mit der die Bewegung angefangen hat, erstmals zu Gast bei einer deutschen Demo - aber leider nicht in Reutlingen, sondern in Hamburg. Greta hätte aber bestimmt auch gefallen, was sich in Reutlingen tut.

Leo, neun Jahre jung, protestiert im Leopardenkostüm.
Leo, neun Jahre jung, protestiert im Leopardenkostüm gegen das Artensterben durch den Klimawandel. Foto: Stephan Zenke
Leo, neun Jahre jung, protestiert im Leopardenkostüm gegen das Artensterben durch den Klimawandel.
Foto: Stephan Zenke

»Wir lernen nicht für eine zerstörte Zukunft. Make the planet cool again«, hat der 14 Jahre junge Reutlinger Emil Neudert auf sein Pappschild geschrieben. Neben ihm sagt der 13-jährige Henry Schulzerückenkamp recht trocken: »Die Erwachsenen kriegen's ja nicht mehr so mit. Wir verweilen länger auf der Erde«. Der kleine Leo macht mit seinen neun Jahren in einem Leopardenkostum mit. Was eigentlich eher bei irgendeiner Fasnetsparty für Heiterkeit sorgen sollte, macht hier bei der Klimademo nachdenklich: »50 Prozent aller Arten sind durch den Klimawandel vom Aussterben bedroht«, hat Leo auf den Kunstpelz geschrieben.

Kundgebung auf dem Markplatz: »Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut«.
Kundgebung auf dem Markplatz: »Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut«. Foto: Stephan Zenke
Kundgebung auf dem Markplatz: »Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut«.
Foto: Stephan Zenke

Nach einer kurzen Kundgebung laufen die Demonstranten einmal die Wilhelmstraße runter, und die Metzgerstraße wieder rauf. Auch im Stadtverkehr  passt die Szenerie zum Protest: Der Stadtbus ist halb leer, dafür sitzt in den zahlreichen fetten SUV-Automobilen meistens nur ein Mensch. (GEA) 

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