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Fliegende Polizisten: Verstärkung aus der Luft für die Region

Rasante Verfolgungsfahrten, vermisste Senioren oder sich schnell ausbreitende Waldbrände: Es sind sehr verschiedene Gründe, die die Hubschrauberstaffel der Polizei Baden-Württemberg in die Luft bringen. Auch über Reutlingen sind die Fluggeräte oft zu sehen. Die Besatzungen der Hubschrauber berichten dem GEA, was ihren Beruf für sie reizvoll macht, wie sie sich auf den Dienst in der Luft vorbereiten und wie ein Einsatz abläuft.

Manuel Halbisch (links) arbeitet als Operator in der Hubschrauberstaffel der Polizei Baden-Württemberg. Hannes Mondon ist angehe
Manuel Halbisch (links) arbeitet als Operator in der Hubschrauberstaffel der Polizei Baden-Württemberg. Hannes Mondon ist angehender Einsatzpilot. Foto: Berya Yildiz Inci
Manuel Halbisch (links) arbeitet als Operator in der Hubschrauberstaffel der Polizei Baden-Württemberg. Hannes Mondon ist angehender Einsatzpilot.
Foto: Berya Yildiz Inci

STUTTGART. Warum fliegt gerade ein Polizeihubschrauber über Reutlingen? Zu nahezu keinem anderen Thema bekommt der GEA mehr Anfragen von Lesern. Beim Besuch bei der Hubschrauberstaffel der Polizei Baden-Württemberg berichten fliegende Polizisten von ihrer Arbeit und wie ein Einsatz abläuft.

»Das Fliegen und die Polizeiarbeit miteinander verbinden zu können, das ist schon etwas ganz Besonderes«, sagt Martin Landgraf, stellvertretender Leiter der Hubschrauberstaffel der Polizei Baden-Württemberg. Teams der insgesamt 80-köpfigen Staffel mit Sitz am Landesflughafen in Stuttgart und einer Außenstelle in Rheinmünster-Söllingen sind Tag und Nacht im Dienst. Insgesamt stehen für das Land Baden-Württemberg sechs Polizeihubschrauber zur Verfügung. Ausgestattet mit der modernsten Technik sind die Hubschrauber H145 »das Beste, was es aktuell auf dem Markt gibt«.

Foto: nicht angegeben
Foto: nicht angegeben

»Das ist einfach die perfekte Kombination. Das sind zwei Berufe in einem«

Sechs Polizeihubschrauber für ganz Baden-Württemberg, das eine Fläche von rund 30 000 Hektar hat (das entspricht etwa der Größe von 42 000 Fußballfeldern), ist das nicht etwas wenig? »Eigentlich nicht, bisher hatten wir keine Probleme mit der Anzahl unserer Hubschrauber«, sagt Landgraf. Auch die Größe des Bundeslandes ist für die Fluggeräte kein Problem. »Wir sind in rund 30 Minuten an den verschiedenen Grenzen des Landes. Unser Vorteil ist, dass wir keine Verkehrswege nutzen.«

Such- und Fahndungseinsätze, die Unterstützung von Sondereinsatzkommandos oder Verfolgungsfahrten: Die Polizisten in der Luft können dank ihrer Vogelperspektive einen wichtigen Beitrag bei Einsätzen leisten. Seit 2020 machen sie zusätzlich auch Gewässer- und Umweltschutzflüge. »So, wie sich die Welt ändert, ändern sich auch die Gründe unserer Einsätze«, sagt Landgraf dazu. Stichwort »demografischer Wandel«: In den vergangenen Jahren haben die Sucheinsätze nach vermissten alten Personen laut Landgraf deutlich zugenommen. »Auch der Klimawandel macht sich durch vermehrte Löschflüge bemerkbar. Die Waldbrandgefahr ist in Deutschland enorm gestiegen.«

Manuel Halbich auf seinem Sitzplatz hinten im Hubschrauber. Von dort aus kann er unter anderem die Wärmebildkamera steuern.  FOT
Manuel Halbich auf seinem Sitzplatz hinten im Hubschrauber. Von dort aus kann er unter anderem die Wärmebildkamera steuern. FOTOS: INCI
Manuel Halbich auf seinem Sitzplatz hinten im Hubschrauber. Von dort aus kann er unter anderem die Wärmebildkamera steuern. FOTOS: INCI

Die Einsatzpiloten sagen über sich selbst: »Wir sind Dienstleister für unsere Kollegen und ein leistungsstarkes Einsatzmittel.« Von Arroganz à la »Top Gun« – ein amerikanischer Actionfilm über Kampfpiloten – keine Spur. Dafür sei ihnen zu sehr bewusst, dass sie eine Sicherheitsbehörde sind, die Menschen rettet und ihnen etwas Gutes tun möchte. »Das, was in Hollywood abgebildet wird, entspricht absolut nicht der Wahrheit«, sagt Hannes Mondon. Der 27-Jährige arbeitet seit 2021 als Co-Pilot bei der Staffel in Stuttgart.

»Das hier ist schon mein absoluter Traumberuf«, sagt Mondon weiter. Nach dem Abitur ist er Polizist im gehobenen Dienst geworden und hat sich dann auf eine interne Stellenausschreibung als Pilot beworben: »Das ist einfach die perfekte Kombination. Das sind zwei Berufe in einem.« Sein Kollege Manuel Halbisch kann ihm da nur zustimmen: »Fliegen hat mich schon immer interessiert, und trotz der unschönen Gründe, die uns in die Luft steigen lassen, bin ich richtig froh, diesen Weg gegangen zu sein.« Der 25-Jährige hat nach seiner Ausbildung zum Polizisten im mittleren Dienst die Weiterbildung zum Operator gemacht.

Das Cockpit des Polizeihubschraubers ist mit modernster Technik ausgestattet. Allgemein ist der Hubschrauber der Staffel einer d
Das Cockpit des Polizeihubschraubers ist mit modernster Technik ausgestattet. Allgemein ist der Hubschrauber der Staffel einer der besten auf der Welt. Foto: Berya Yildiz Inci
Das Cockpit des Polizeihubschraubers ist mit modernster Technik ausgestattet. Allgemein ist der Hubschrauber der Staffel einer der besten auf der Welt.
Foto: Berya Yildiz Inci

Ein Operator bedient vor allem die am Hubschrauber angebrachten Kameras. »Er ist das Auge des Hubschraubers«, sagt Mondon. »Wir vorne sehen auch einiges, aber der Operator hat da ganz andere Möglichkeiten, beispielsweise dank der Wärmebildkamera.« Insgesamt sitzen immer drei Menschen im Hubschrauber: ein Pilot und ein Co-Pilot, die die beiden vorderen Sitze im volldigitalen Cockpit einnehmen, und der Operator, der im hinteren Teil des Fluggerätes einen eigenen Sitz inklusive eines großen Monitors hat.

»Wir sind Dienstleister für Kollegen und ein leistungsstarkes Einsatzmittel«

»Einen Einsatzpiloten auszubilden ist zwar zeit- und kostenintensiv, lohnt sich aber auf jeden Fall«, sagt Landgraf. Die Unterstützung, die die Piloten aus der Luft den Kräften am Boden bieten, hat sich schon in vielen Einsätzen ausgezahlt.

»Die Polizeihubschrauber bieten einen Mehrwehrt für die Einsatzkräfte am Boden. Das ist ganz klar«, so Landgraf. Und das nicht nur durch ihre Vogelperspektive und die 360-Grad-Umsicht, die die fliegenden Polizisten dank der Kameras haben, sondern auch durch die verbaute Technik. »Dank der Highend-Technik können wir zum Beispiel mit speziellen Helmen die Nacht zum Tag machen«, sagt Landgraf.

HUBSCHRAUBER H145 – DATEN UND FAKTEN

Der Polizeihubschrauber H145 der Marke Airbus Helicopters ist der modernste Hubschrauber, den es aktuell auf dem Markt gibt. Seit 2016 nutzt die Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg als eine der Ersten die Maschinen. Aus Sicherheitsgründen werden die Fluggeräte alle zwölf Monate komplett auseinandergebaut und gewartet.  Höchstgeschwindigkeit: 280 km/h  Reichweite: 670 km bzw. 2,5 h  Länge: 13,63 m  Breite: 2,45 m  Höhe: 3,45 m  Hauptrotordurchmesser: 11 m

Egal ob Schnee oder Regen: »Wir fliegen, wenn keiner mehr fliegt«, sagt Landgraf. Nahezu kein Wetter ist ihnen zu extrem. »Trotzdem gibt es Grenzen.« Flugsicherheit ist ein Thema, das bei der Polizeihubschrauberstaffel großgeschrieben wird.

Jeder Einsatzpilot muss daher regelmäßig Weiterbildungen absolvieren. Übungen im Simulator, einmal im Jahr ein Checkflug und Checks beim Fliegerarzt. Nicht nur auf die geistige, sondern auch auf die körperliche Fitness wird großen Wert gelegt – das merken die Bewerber auch schon im Auswahlverfahren. »Jeder Einsatzpilot hat bei den regelmäßigen Checks immer im Hinterkopf, dass seine Karriere als Pilot in jedem Moment enden kann«, sagt Landgraf.

DER WEITE WEG ZUM EINSATZPILOTEN BEI DER POLIZEI

»Wir machen Polizisten zu Piloten und nicht andersherum«, sagt Martin Landgraf, stellvertretender Leiter der Hubschrauberstaffel der Polizei Baden-Württemberg. Wer bei der Polizei Pilot werden möchte, muss also nach dem Abitur erst einmal die Ausbildung zum Polizisten im gehobenen Dienst durchlaufen und kann sich dann nach ein bis zwei Jahren Berufserfahrung als Einsatzpilot bewerben. Nach Bewerbungseingang erfolgen ein Auswahlverfahren, die Vorstellung beim Fliegerarzt und ein Eignungstest beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt Hamburg. Erst wenn alles bestanden ist, beginnt die eigentliche Ausbildung zum Einsatzpiloten. Auf dem Ausbildungsplan stehen Flugenglisch, die Luftfahrerschule und abschließend die Prüfung zum Berufsluftfahrzeugführer CPL. An dieser Stelle ist die Ausbildung zum Einsatzpiloten aber nicht abgeschlossen. Erst nachdem die Anwärter drei bis vier Jahre als Co-Piloten mitgeflogen sind, mehrere Weiterbildungslehrgänge durchlaufen und SEK-Einsätze absolviert haben, können sie den Kommandantenlehrgang (PIC) ablegen.

Die fliegenden Polizisten werden meist telefonisch alarmiert, treffen sich dann als Gruppe und lesen alle bisher gesammelten Informationen zu dem eingegangenen Fall, die von ihren Kollegen mitgesendet werden. »Dann geht’s richtig los«, sagt Mondon. Die Einsatzgruppe macht sich auf den Weg zum Einsatzort. Ist der Fall dann beendet, geht es zurück nach Stuttgart zur Nachbesprechung.

»Wenn wir uns auf dem Rückweg befinden, bedeutet das aber nicht, dass dann Entspannen angesagt ist«, sagt Mondon. »Einmal ist einer Einsatzgruppe zum Beispiel mal ein Brand in einem Dachstuhl aufgefallen und sie konnten als Erste die Feuerwehr alarmieren«, ergänzt Landgraf.

Die Mitarbeiter der Hubschrauberstaffel der Polizei Baden-Württemberg sind sichtlich aus Überzeugung Einsatzpiloten und allzeit bereit. (GEA)