REUTLINGEN. Die finanzielle Lage der Städte ist landauf, landab desaströs - Reutlingen ist hier keine Ausnahme. Nun haben die Reutlinger Kreisräte und Kreisrätinnen, darunter auch Oberbürgermeister Thomas Keck, einen verzweifelten Brief an Landrat Dr. Ulrich Fiedler geschrieben. Darin bringen sie ihre »Sorge um die städtischen Finanzen« zum Ausdruck. Der Entwurf des Schreibens, das persönlich an den Landrat gerichtet ist, liegt dem GEA vor.
Am zweitletzten Oktober-Wochenende wurden die Reutlinger Stadträte von der Verwaltung über die finanzielle Situation im anstehenden kommunalen Doppelhaushalt 2026/27 informiert. Die voraussichtliche Lücke im Ergebnishaushalt beträgt rund 50 Millionen Euro, wie die Kreisräte in ihrem Brief schreiben: »Eine Größenordnung, die in dieser Dimension vermutlich noch nie - jedenfalls nicht erinnerlich - dagewesen ist.« Schon jetzt sei klar, dass »erheblich« an bestehenden Leistungen und Angeboten gekürzt werden müsse. Beispielsweise habe die Verwaltungsspitze in der Haushaltsklausur mit den Räten erklärt, dass im städtischen »Personalkörper« in den kommenden vier Jahren wohl rund zehn Prozent aller Stellen gestrichen werden. Weiter heißt es in besagtem Brief: »Hinzukommen werden Kürzungen vieler städtischer Transferleistungen, Sachkosten und die Erhöhung von Steuern und Abgaben.«
Zehn Prozent weniger Personal bis 2030 bei der Stadt
Was den städtischen Haushalt ab dem kommenden Jahr noch mehr in Schieflage bringt, als er sowieso wäre: Der Kreis, dessen Finanzlage laut Landrat Fiedler ebenfalls »desaströs« ist, will die Kreisumlage - also das, was die Gemeinden an den Kreis abgeben müssen - um vier Prozentpunkte erhöhen. Von 33 auf 37 Prozent. Das schlägt bei der Stadt, die aufgrund ihrer Größe den Löwenanteil der Umlage schultert, ordentlich ins Kontor.
Man sei sich bewusst, dass auch der Landkreis einen »auf Kante genähten Haushalt« habe, formulieren die Reutlinger Kreisräte in ihrem Brief diplomatisch. »Dennoch ergeben sich für uns bei der bisherigen Betrachtung durchaus Unterschiede bei den zu treffenden und politisch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern zu vertretenden Maßnahmen und Einschnitten, um die jeweiligen Haushalte genehmigungsfähig zu bekommen.« Man halte die für die Stadt Reutlingen notwendigen Einschnitte und Konsolidierungsmaßnahmen für in Summe erheblich einschneidender, als die im aktuellen Entwurf des Kreishaushalts vorgesehenen.
Deshalb bitte man den Landrat, »insbesondere die Anhebung des Hebesatzes der Kreisumlage nochmals zu überdenken und zu reduzieren«. Nach Informationen der Reutlinger Stadtverwaltung wäre aufgrund der erhöhten Steuerkraftsummen auch eine Kreisumlage von 36,5 Prozentpunkten (also 0,5 Prozentpunkte weniger, als aktuell geplant) für den Landkreis machbar - »ohne Verlust an Kreisumlageaufkommen«. Aus Reutlinger Sicht bitte man den Kreis sogar um 1 bis 1,5 Prozentpunkte weniger, als aktuell geplant.
Bitte um ein Gespräch
Die Kreisräte schließen ihren Brief mit der Bitte um ein Gespräch. »Unser gemeinsames Ziel muss es sein, ungleichmäßige Belastungen der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Reutlingen und seiner Städte und Gemeinden zu vermeiden, um gemeinsam die für alle zu tragenden Einschnitte vertreten zu können.« Die Stadt Reutlingen wird in der letzten Gemeinderatssitzung vor Weihnachten, am Dienstag, 16. Dezember, den Haushalt einbringen. In derselben Sitzung wird auch entschieden, welche Innenstadttrasse der Rat für die Regional-Stadtbahn möchte. (GEA)

