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Familien- und Liebesglück beim Reutlinger Biberpaar

Im Reutlinger Freizeitgelände Markwasen tummeln sich nun drei Nager: Der Biber hat Nachwuchs.

Biber-Nachwuchs: Ein Passant hat Märkle im  Markwasen fotografiert.
Biber-Nachwuchs: Ein Passant hat Märkle im Markwasen fotografiert. Foto: Constantin Kahlert
Biber-Nachwuchs: Ein Passant hat Märkle im Markwasen fotografiert.
Foto: Constantin Kahlert

REUTLINGEN. Den Biber fürs Leben zu finden, ist gar nicht so einfach. Doch im Markwasen hat es offensichtlich geklappt. Der ehrenamtliche Biberbeauftragte Albrecht Gorthner verkündet stolz: Familie mit Nachwuchs im Reutlinger Freizeitpark. Ein Spaziergänger hat sogar schon ein Foto von »Märkle« gemacht.

Doch zunächst zum Anfang vom Happy End: 2021 ist Biber Mark über Neckar, Echaz und Breitenbach aufs Gelände eingewandert. Amphibien, Fische und Vögel freuen sich über vier neue Teiche, die der unermüdliche Deichbauer laut Gorthner schon angelegt hat. Allein im ersten Jahr habe er 13 Bäume gefällt und lichte so die Gewässer auf. Regelmäßig setzt er auch am tiefsten Punkt des Geländes Finnenbahn und geteerten Spazierweg unter Wasser – als Single hatte Mark viel Zeit zum Revierausbau. Fehlte nur noch ein zweiter Nager zum Glück.

»Revierbiber Mark baut nicht aus. Der renoviert nur. «

Im April 2023 erhielt Albrecht Gorthner in aller Herrgottsfrühe einen Anruf von der Polizei: Im Reutlinger Stadtgarten treibe sich ein Biber herum. Der Diplom-Biologe rückte mit Transportbox und Fangnetz an und kaschte das Tier.

Marga tummelte sich im Stadtgarten.
Marga tummelte sich im Stadtgarten. Foto: Albrecht Gorthner
Marga tummelte sich im Stadtgarten.
Foto: Albrecht Gorthner

Doch wohin damit? Da sich offizielle Stellen noch im wohlverdienten Tiefschlaf befanden, traf der 67-jährige Ehrenamtliche, der sich als »Mittler zwischen Biber, Bürger und Behörde« bezeichnet, eine einsame Entscheidung: in den Markwasenpark.

Das Pikante daran: Bei Bibern ist das Geschlecht äußerlich nicht festzustellen, und in einem Revier vertragen sich zwei gleichgeschlechtliche Tiere nicht. War das gefangene Tier ein Mädchen oder ein Kerl? Erschwerend hinzu kam: Auch das Geschlecht des Singles im Markwasen war bis dato unbekannt. Fifty-Fity-Chance, sagte sich Gorthner und transportierte den Fund in den Freizeitpark.

Es war Liebe auf den ersten Blick

Nach zwei Wochen lichtete eine der im Markwasen aufgestellten Wildtierkameras zwei Biber ab – einträchtig, eng an eng. Gorthner war glücklich – und witterte eine weitere Chance. Über ein Haar aus der Tierbox ließ er das Geschlecht des Stadtpark-Bibers analysieren: ein Mädchen, das er Marga taufte. Damit konnte er nun messerscharf rückschließen, dass der 2021 eingezogene Markwasenbiber tatsächlich männlichen Geschlechts ist.

Liebe auf den ersten Blick: Zwei Wochen nach Margas Aussetzung zeigt eine Wildtierkamera das Paar im Markwasen.
Liebe auf den ersten Blick: Zwei Wochen nach Margas Aussetzung zeigt eine Wildtierkamera das Paar im Markwasen. Foto: Frederik Herzic
Liebe auf den ersten Blick: Zwei Wochen nach Margas Aussetzung zeigt eine Wildtierkamera das Paar im Markwasen.
Foto: Frederik Herzic

Um es kurz jetzt zu machen: Es war Liebe auf den ersten Blick. Was der Biologe nüchtern damit erklärt, dass die monogamen Biber »nicht wählerisch sind«. Die Tiere scheinen zu wissen, dass es ziemlich dauern kann, bis mal wieder eine/r vorbeischwimmt. Wer auf den Richtigen wartet, pflanzt sich nicht fort.

Das Ergebnis der Romanze ist höchst niedlich und gut zwei Monate alt. Ein Spaziergänger hat »Märkle« fotografiert. Albrecht Gorthner ist stolz: »Meine erstes Junges.« Da der kleine Biber auch an Land unterwegs ist, bittet er Hundebesitzer inständig, ihr Tier an die Leine zu nehmen. Biberkinder haben anders als ihre Eltern keine Chance gegen Hunde.

Renovieren statt neu bauen

Für den Markwasenpark mache es keinen Unterschied, ob ein Single oder eine dreiköpfige Familie darin wohnt. Der Revierbiber habe seine Dämme gebaut. »Der baut nicht aus. Der renoviert nur.« Die Jungen bleiben ein Jahr bei den Eltern. Wenn der neue Wurf kommt, werden sie in der Regel aus dem Bau geworfen.

»Mein erstes Junges«: der stolze Biberberater Albrecht Gorthner an der frisch gerichteten Finnenbahn, die der Biber an dieser St
»Mein erstes Junges«: der stolze Biberberater Albrecht Gorthner an der frisch gerichteten Finnenbahn, die der Biber an dieser Stelle regelmäßig unter Wasser setzt. Foto: Andrea Glitz
»Mein erstes Junges«: der stolze Biberberater Albrecht Gorthner an der frisch gerichteten Finnenbahn, die der Biber an dieser Stelle regelmäßig unter Wasser setzt.
Foto: Andrea Glitz

Die streng geschützte Tierart, die in Baden-Württemberg 150 Jahre lang komplett ausgerottet war, vermehrt sich allerorten prächtig, freut sich der Experte. »Der Biber ist aus der Landschaft nicht mehr wegzudenken.« Das würden manche gern tun: Mark und seinesgleichen haben wegen ihrer Stau-Bautätigkeit auch im Reutlinger Gemeinderat nicht nur Freunde. Die Stadt hat aber keine Handhabe. Zuständig ist das Tübinger Regierungspräsidium. Umsiedelung ist keine Lösung. »Da ist schnell wieder einer da.« In der Echaz wohnen unterdessen schon mehrere Biber, weiß Gorthner, auch im benachbarten Breitenbachsee hat sich ein Kollege angesiedelt.

»Wir müssen Dämme sichern und Notüberläufe definieren«

Derweil sucht man bei den Technischen Betriebsdiensten (TBR) noch nach der passenden Lösung für die Überflutung der Finnenbahn. Das Thema hat jedoch größere Dimensionen angenommen. Man strebt nun laut Torsten Müller, dem Abteilungsleiter bei der Stadtentwässerung Reutlingen (SER), ein Gesamtkonzept an, das auch die Auswirkungen von Starkregen auf die gesamte Freizeitanlage ins Visier nimmt. Die Starkregengefahrenkarte zeige etliche neuralgische Punkte im Areal, an denen aufgrund von starkem Wasserdruck Dämme bersten könnten, die seinerzeit bei der Anlage des Parks errichtet wurden. »Wir müssen Dämme sichern und Notüberläufe definieren«, berichtete Müller.

Die Minimallösung für den Abschnitt, den der Biber regelmäßig unter Wasser setzt, werde ein temporäres Gerüst sein, das vor der nächsten feuchten Saison errichtet wird, verrät Müller. Mögliche Maßnahmen will der Wasserexperte demnächst dem Gemeinderat vorstellen. (GEA)