REUTLINGEN. Die Idee ist ebenso genial wie sympathisch: Einmal im Jahr sammelt der Lions-Club Neckar-Alb ausgewählte Kunstwerke – gestiftet von Künstlern, aus privaten Schatzkammern oder aus Nachlässen –, lässt sie von kundiger Hand prüfen und bewerten, um sie anschließend im Rahmen einer dreitägigen Ausstellung im Spitalhofsaal zu veräußern. Der Clou: Die Hälfte des Erlöses fließt wie ein warmer Strom direkt in ein wohltätiges Projekt.
So versammelte sich am vergangenen Samstag in den Räumen der Malerwerkstätten von Anton Geiselhart erneut eine erfahrene Jury, bestehend aus Julia Berghoff, Sabine Lang, Solveig Schneider, Dr. Werner Ströbele, Herbert Eichhorn, Wilfried Thron sowie dem Mitorganisator Eckhard Raisch, um die insgesamt mehr als 300 eingereichten Kunstwerke in Augenschein zu nehmen: Die Juroren beugten sich über jedes Werk, nahmen selbst feinste Details unter die Lupe, fällten ihre Urteile, diskutierten angeregt über Marktwert und Machbarkeit – und legten schließlich den Preis fest, zu dem die Werke am kommenden Wochenende im Spitalhofsaal neue Liebhaber finden sollen.
Vielfalt an Techniken
In den neun Jahren ihres Bestehens hat sich die »Kunst + gut«-Benefizaktion des Lions-Clubs zu einer wahren Erfolgsgeschichte entwickelt. Nicht nur, dass viele der Kunstwerke zu einem Schnäppchenpreis angeboten werden, die Vielfalt der Motive, Techniken und Materialien entfalten auch ein beeindruckendes Panorama künstlerischer Ausdruckskraft. Neben Werken der klassischen Malerei – Acryl und Öl – finden sich Drucke, Holzschnitte, Lithographien, Radierungen, fantasievolle Mischtechniken und Skulpturen unter den angebotenen Exponaten. Die Kriterien der Taxierung umfassen künstlerische Qualität, Marktpotenzial und den Erhaltungszustand der Werke.
Bei der letzten Benefizaktion kamen stolze 26.700 Euro zusammen, von denen ein aufgestockter Betrag von 15.000 Euro an die Oskar-Kalbfell-Stiftung ging, die begabte Kinder aus einkommensschwachen Reutlinger Familien fördert. In einer weiteren Aktion bietet der Lions-Club einen ganzen Jahrgang des Bio-Sekts »Méthode Champenoise«, den er vom Dettinger Weingut Bächner eigens zu seinem 25-jährigen Jubiläum aufgekauft hat. Den edlen »Blanc de noir«-Tropfen kann man bei der Vernissage ebenfalls erstehen und der Reutlinger Verein Wirbelwind wird mit jeder verkauften Flasche mit 6,50 Euro unterstützt, berichtet Eckhard Raisch vom Lions-Club Neckar-Alb, der gemeinsam mit Matthias Betz und Wilfried Thron der geistige Vater und Motor der wohltätigen Initiative ist.
»Kunst + gut«
Eröffnet wird die »Kunst + gut«-Schau mit einer Vernissage am Freitag, 5. Dezember, 19.30 Uhr im Spitalhofsaal. Das Grußwort spricht Reutlingens Erster Bürgermeister Robert Hahn. In die Ausstellung wird die Kunsthistorikerin Jolanda Bozzetti einführen. Am darauf folgenden Samstag und Sonntag ist der Spitalhofsaal jeweils zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Ergänzt werden die Öffnungstage durch eine Matinee mit Stephan Rößler, Leiter des Kunstmuseums Reutlingen, der am Sonntag, 7. Dezember, 11 Uhr, zum Thema »Kunst ist, wenn man trotzdem lacht« spricht. Die erstandenen Kunstwerke können ab Montag im Spitalhofsaal abgeholt werden. (jüsp)
Wie Raisch betont, handelt es sich bei allen eingereichten Werken ausschließlich um Originale – keine Reproduktionen, keine Kunstdrucke. Manches Bild stammt aus Nachlässen, was die reizvolle Möglichkeit birgt, auf wahre Neuentdeckungen oder günstige Schätze zu stoßen: »Für alle Geschmäcker und für jeden Geldbeutel ist etwas dabei«, verspricht Raisch. Aber auch anspruchsvolle Kunstkenner kommen auf ihre Kosten. Ein Bild von Salvatore Dalí steht ebenso zum Verkauf wie zwei Original-Druckstöcke von Manfred Degenhardt. Das teuerste Kunstwerk ist ein Gemälde des 1974 verstorbenen Heilbronner Künstlers Werner Max-Karl Freiherr von Houwald mit 1.500 Euro.
In diesem Jahr schmücken Arbeiten weiterer namhafter Künstler wie HAP Grieshaber, Thomas Lenk, Wilhelm Kehrer, Ernst Fuchs, Erwin Starker, Klaus Herzer, Georg Pfahler, Otto Herbert Hajek, Eva Unterberger, Editha Pröbstle, Karl-Heinz Grage, Heinz Danzer und Robert Förch das illustre Angebot – doch auch weniger bekannte Kunstschaffende finden ihren Platz und bereichern die Ausstellung mit spannenden und überraschenden Exponaten. (GEA)
www.kunst-und-gut.com

