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Aktuell Kommentar

Entscheid zur Stadtbahn-Trasse: Reutlingen kann Verkehrswende

Grünes Licht des Reutlinger Gemeinderats für weitere Stadtbahn-Planungen: Eine Rats-Mehrheit setzt angesichts der prekären Haushaltslage ein mutiges Zeichen, findet GEA-Redakteurin Andrea Glitz.

Der Gemeinderat gibt grünes Licht für weitere Planungen.
Der Gemeinderat gibt grünes Licht für weitere Planungen. Foto: Graph Squad/Adobe Stock
Der Gemeinderat gibt grünes Licht für weitere Planungen.
Foto: Graph Squad/Adobe Stock

REUTLINGEN. 25 Stimmen für die Gartenstraße. 18 für die Alte Honauer Bahntrasse. Ooouppps ... Das fiel dann doch ein wenig knapper aus als erwartet! Man stelle sich vor, die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb wäre lustig pfeifend an der Reutlinger Innenstadt vorbei gefahren. Da haben wohl welche nicht begriffen, was das Wesen einer Regional-STADTBAHN ist.

Dennoch: Nach dem knappen Ja zur Windkraft im Reutlinger Süden nun das knappe Ja zur Trasse Gartenstraße - der Reutlinger Gemeinderat hat innerhalb von wenigen Wochen zwei (das etwas abgedroschene Adjektiv sei an dieser Stelle erlaubt) historische Entscheidungen getroffen.

Die Rats-Mehrheiten kamen zustande, weil sich auch konservativere Kräfte ein Herz gefasst haben, um über ideologische Lager Zeichen zu setzen: Reutlingen kann Energiewende. Reutlingen kann Verkehrswende. Mehr davon, möchte man dem Gremium zu rufen, in dem gerade die Konservativen allzu oft um jeden wegfallenden Parkplatz quälend-ausufernde Debatten anzetteln.

Früchte hängen in der Zukunft

Dass die Räte das Stadtbahnvorhaben in dieser späten Phase nachhaltig torpedieren, war schwer vorstellbar. Dennoch erfordert ein klares Plazet für weitere Planungen und massive finanzielle Belastungen angesichts der prekären Haushaltslage politischen Mut. Die Früchte, die diese Entscheidung tragen soll, hängen noch weit in der Zukunft und werden in vielen Fällen nicht mehr von den aktuellen Entscheidern geerntet. Vorher heißt es erst mal, Kosten stemmen, Kritik der gar nicht so wenigen Stadtbahn-Gegner parieren und - auch ziemlich unpopulär - die Stadt zur Großbaustelle machen.

Am Ende werden sich Mut und die saubere Vorarbeit von Zweckverband und Verwaltung auszahlen. Abseits von Autoverkehrsentlastung wird die Achalmstadt als ein zentraler Knotenpunkt des Stadtbahn-Netzes in vielerlei Hinsicht profitieren von Schienen, die Arbeitnehmer, Shopping-Kunden, Gastro-Gäste und, und, und ... direkt ins Herz der Stadt befördern. Insbesondere die auch in Reutlingen immer weiter alternde Gesellschaft wird sich dereinst freuen über ein ÖPNV-Angebot, das deutlich komfortabler transportiert, als ein schunkeliger Bus. (GEA)