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Eisbaden in Reutlingen: Nichts für Warmduscher

Das ist nichts für Weichlinge und Warmduscher: Zehn Minuten Sitzbad knapp über dem Gefrierpunkt. Warum sich trotzdem so viele in die Tonnen mit Eisblöcken gewagt haben.

Ein eiskaltes Vergnügen: Diese Dame hat die Challenge problemlos gemeistert.
Ein eiskaltes Vergnügen: Diese Dame hat die Challenge problemlos gemeistert. Foto: Steffen Schanz
Ein eiskaltes Vergnügen: Diese Dame hat die Challenge problemlos gemeistert.
Foto: Steffen Schanz

REUTLINGEN. Maximal vier Grad: So kalt ist das Wasser in den 16 Fässern, die am Sonntagmorgen auf dem Reutlinger Marktplatz befüllt wurden. Zwei Tonnen Eis haben die Veranstalter des ersten Charity-Eisbadens dafür organisiert. Kistenweise wurden die Eisblöcke ins Wasser geworfen, damit das Wasser sich nicht doch erwärmt. Schnappatmung bekommen die meisten mutigen Eisbader, wenn sie langsam ins kühle Nass eintauchen, »bbrrr«, »uiuiui«, »uufff« - das sind die Laute, die sie von sich geben.

»Langsam nach unten gehen und dabei ausatmen«, raten die erfahrenen Eisbader. Sie stehen neben den Fässern, achten darauf, dass nichts passiert und dass keiner der Teilnehmer der Charity-Challenge länger als zehn Minuten im Wasser verweilt. Wobei: Diese Gefahr ist eher gering, denn zehn Minuten fühlen sich unter solch widrig-kalten Umständen ohnehin wie Stunden an. »Das tut ganz schön weh«, presst ein Mann zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, nach ein paar Minuten fangen die meisten an zu zittern, erst die Hände, dann die Arme, irgendwann wackelt der ganze Oberkörper.

»Drei bis vier Grad: Das ist schon eine Herausforderung«

Allein oder zu zweit, Mann oder Frau, Jugendliche ab 14 Jahren oder Seniorinnen - das Spektrum der Eisbader ist breit gestreut, manche stöhnen und ächzen, andere verstummen wie in einer Meditation und wieder andere sind noch zu Scherzen aufgelegt. Eine ältere Dame plaudert locker mit Passanten als könne ihr die Kälte nichts anhaben. Gehört sie zu den Routiniers? »Nein«, winkt sie lachend ab, »ich mache das zum ersten Mal. Aber ich finde, es ist nie zu späte, etwas Neues auszuprobieren«.

Eisbaden auf dem Reutlinger Markplatz: Das hat viele Wagemutige angelockt - und die kamen mitunter an ihre Grenzen.
Eisbaden auf dem Reutlinger Markplatz: Das hat viele Wagemutige angelockt - und die kamen mitunter an ihre Grenzen. Foto: Steffen Schanz
Eisbaden auf dem Reutlinger Markplatz: Das hat viele Wagemutige angelockt - und die kamen mitunter an ihre Grenzen.
Foto: Steffen Schanz

Aber eines haben alle gemeinsam: Wenn sie aus dem Eisbad wieder auftauchen, ist Bauch- und Brustbereich gerötet, Zehen und Füße, sind taub, die Finger klamm. »Mir ging knapp eine Woche lang die Düse«, erzählt Bernhard Klein, aber da er der Eislieferant der Veranstaltung ist, wollte er es sich nicht nehmen lassen, mitzumachen. Er schafft die vollen zehn Minuten, doch als er wieder rausklettert, räumt er: »Jetzt geht es mir wieder besser.«

»Drei bis vier Grad: Das ist schon eine Herausforderung«, sagt Katharina Dodik. Sie und Maritta Krehl sind die Organisatorinnen der Challenge und beide kennen sich mit dem kalten Element bestens aus. Dodik ist seit langem aktive Eisbaderin und trifft sich regelmäßig mit einer Gruppe von Gleichgesinnten - die sich gerne bereit erklärt haben, an den Fässern über die Badenden zu wachen. Krehl hingegen besucht lieber Kühlkammern, deren Temperaturen sogar im extremen Minusbereich liegen. Diese Passion für die Kälte und ihre gesunde Wirkung wollte Maritta Krehl mit ihrem Herzensanliegen, der Unterstützung des Reutlinger Frühchen-Vereins, verbinden - und fand in Dodik sofort eine begeisterte Mitstreiterin.

»Wir sind überwältigt, wie viele Menschen kommen«

Maritta Krehls Tochter kam als Frühchen zur Welt - und der Verein half ihr in dieser schwierigen Zeit, die von vielen Ängsten und Sorgen geprägt war. Während der vielen Wochen, die sie im Krankenhaus bleiben musste, sei »Frühchen Reutlingen e.V.« immer für sie dagewesen, betont sie. Schnell wurden weitere Unterstützer gefunden, vom Netzwerk Frauen über viele Sponsoren bis hin zum DJ Ernst Obermeyer und Moderator Fabian.

Mehr Bilder online

Mehr Fotos vom Eisbaden für den Frühchen-Verein sehen Sie in einer Bildergalerie auf der GEA-Webseite. www.gea.de/bilder

Der Marktplatz wird an diesem Tag zum Ort einer Poolparty der besonderen Art: »Wir sind überwältigt, wie viele Menschen kommen«, sagen Dodik und Krehl, »damit hätten wir nicht gerechnet«. Gleich zum Start um 11 Uhr am Morgen stürmten die ersten Teilnehmer den Platz und wollten in die Fässer. Teils haben sich sogar kleine Warteschlangen gebildet, die sich später dann vor die Fasssauna verlagerten. Der DJ sorgte für die passende Musik und so herrschte trotz immer wiederkehrender Regenschauer ein munteres Treiben und beste Stimmung.

Gerüchte, dass auch Oberbürgermeister Thomas Keck ein erfrischendes Bad nehmen wolle, bestätigen sich nicht - er beschränkt sich bei seinem Besuch des Events darauf, einen Arm bis zur Ellenbeuge ins Waser zu halten und dabei entweicht ihm ein baffes »aber hallo«. Andere Lokalpromis hingegen wagen sich ins eisige Vergnügen - unter ihnen der frische gebackene deutsche Boxmeister Victor Daniel oder Bodybuilder Koray Erboga.

Die Poolparty auf dem Marktplatz hat trotz des eher miesen Wetters viele Besucher angelockt.
Die Poolparty auf dem Marktplatz hat trotz des eher miesen Wetters viele Besucher angelockt. Foto: Steffen Schanz
Die Poolparty auf dem Marktplatz hat trotz des eher miesen Wetters viele Besucher angelockt.
Foto: Steffen Schanz

Die Vorsitzende des Frühchenvereins, Sabine Dörr, ist ebenfalls begeistert von der Aktion. »Wir sind total glücklich, dass wir so in unser Jubiläumsjahr starten können.« Der Verein feiert im Dezember seinen 30. Geburtstag. Die große Resonanz sorge dafür, dass der Verein noch mehr auf seine Arbeit, aber auch die Probleme von Frühgeborenen aufmerksam machen könne. Es war also eine rundum gelungene Premiere - und wenn es nach den Veranstalterinnen geht, wird es nicht das letzte Eisbad in der Reutlinger Innenstadt gewesen sein. (GEA)