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Aktuell Katholische Kirche

Drastische Strukturreformen im Dekanat Reutlingen-Zwiefalten

Aus einzelnen Kirchengemeinden im Dekanat Reutlingen-Zwiefalten werden größere Raumschaften

Hermann Friedl ist katholischer Dekan. FOTO: PRIVAT
Hermann Friedl ist katholischer Dekan. FOTO: PRIVAT
Hermann Friedl ist katholischer Dekan. FOTO: PRIVAT

KREIS REUTLINGEN. Eine drastische Strukturreform ist in der Diözese Rottenburg-Stuttgart geplant. Die drittgrößte deutsche Diözese will kleinteilige Strukturen beenden: Aus 1.020 Kirchengemeinden sollen 50 bis 80 große »Raumschaften« gebildet werden – mit dem Ziel, kirchliches Leben und Seelsorge langfristig sicherzustellen.

Die Katholische Kirche reagiert mit den Reformen auf den Mitgliederschwund, sinkende Kirchensteuereinnahmen, weniger Personal in der Seelsorge: Seit Amtsantritt von Bischof Dr. Klaus Krämer vor einem Jahr stehe die Diözese in einem Prozess tiefgreifender Veränderungen, der bereits in anderen deutschen Bistümern begonnen hat und mit unterschiedlichen Wegen weitergeführt wurde, teilte Clemens Dietz, Dekanatsreferent und Geschäftsführer des Katholischen Dekanats Reutlingen-Zwiefalten mit.

»Kirche der Zukunft« soll nicht nur den Gebäudebestand reduzieren, sondern auch Strukturen schaffen, wie mit immer weniger Pfarrern und pastoralem Personal weiterhin Gemeindeleben und Seelsorge vor Ort möglich sein soll. Jetzt hat der Diözesanrat, das oberste gewählte Laiengremium der Diözese dem Bischof empfohlen, aus bisher über 1.020 Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart künftig 50 bis 80 Raumschaften zu bilden.

Dies wird dazu führen, dass die 28 Kirchengemeinden und fünf muttersprachlichen Gemeinden im Dekanat Reutlingen-Zwiefalten, die bisher in neun Seelsorgeeinheiten organisiert waren, zu größeren »Raumschaften« werden. Dazu werde im katholischen Dekanat Reutlingen-Zwiefalten eine Steuerungsgruppe eingerichtet, die zusammen mit Dekan Hermann Friedl, Dekanatsreferent Clemens Dietz und Vertretern der Verwaltung und des Rats das weitere Vorgehen steuern wird.

Weniger Pfarrer und Personal

Im Dekanat Reutlingen-Zwiefalten wurde bereits in mehreren Informationsveranstaltungen informiert. Der Rottenburger Weihbischof Matthäus Karrer betonte in einer der Veranstaltungen: »Auch mit der Bildung von neuen Raumschaften bleibt die Kirche am Ort. Sie bekommt nur ein anderes Gesicht. Die Seelsorge und die Botschaft des Evangeliums Jesu Christ bleiben das Herz der Kirche.« Dekan Hermann Friedl (Pfullingen-Lichtenstein) spricht von einer »historischen Entscheidung« und einer »notwendigen Reform der Ortskirche, sprich der Diözese Rottenburg-Stuttgart, aber auch hier in der katholischen Kirche im Landkreis Reutlingen«. Dekanatsreferent Clemens Dietz ergänzt, »dass dieser Veränderungsprozess eine große Herausforderung ist, aber auch eine große Chance darstellt, miteinander Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Kirche in dieser Welt als Kirche am Ort und an vielen Orten zu gestalten.«

Anhand von Kriterien der Diözese werden sich die einzelnen Kirchengemeinde- und Pastoralräte damit befassen und noch im ersten Halbjahr 2026 ihre Voten abgeben, in welcher Form sie sich die Zukunft vorstellen. Danach werden die Vorschläge geprüft und beraten, welche weiteren Entscheidungen getroffen werden müssen.

Eine konkrete Zahl, wie viele Raumschaften es für die knapp 50.000 Katholikinnen und Katholiken im Landkreis Reutlingen künftig geben wird, steht noch nicht fest, aber bis Ende 2026 soll klar sein, welche bisherigen Kirchengemeinden sich in den neuen Raumschaften zusammenschließen. Eine Kirchengemeinde soll die anderen aufnehmen und ist dann neuer Pfarrsitz. Dabei kann die neue Raumschaft den Namen der aufnehmenden Kirchengemeinde übernehmen oder einen neuen gemeinsamen Namen wählen. Dennoch bleiben die bisherigen Gemeinden und Seelsorge-Einrichtungen als »Kirchorte« weiterhin bestehen. Frühester Startpunkt der neuen Raumschaften ist demnach der 1. Januar 2028.

Laien als »Pfarrbeauftragte«

Die Zusammenschlüsse bilden neue Möglichkeiten von Leitung und Kooperation von Pfarrern, hauptberuflichen und ehrenamtlichen "Pfarrbeauftragten". Der Diözesanrat sprach sich auch dafür aus, "bei der Leitung der neuen Einheiten "neben Pfarrern auch geeignete Laien als Pfarrbeauftragte zu beteiligen". Sie sollen durch Schaffung der neuen Position einer Verwaltungsleitung stärker von administrativen Aufgaben entlastet werden – zugunsten der Seelsorge. (eg)

 

https://dekanat-reutlingen.drs.de