REUTLINGEN. Ein Ahnenforscher wie aus dem Bilderbuch: Mit Geduld und viel Genauigkeit hat Helmut Thumm in jahrzehntelanger Kleinstarbeit die Namen und familiären Verflechtungen der fünf Reutlinger Bezirksgemeinden im Nordraum erforscht und jeweils in Ortsfamilienbüchern zusammengestellt. Dafür hat er nun die Verdienstmedaille der Stadt erhalten. 2004 erschien Thumms erstes Werk: das Buch über Rommelsbach, seine Heimatgemeinde. Oferdingen, Altenburg, Degerschlacht und Sickenhausen folgten, dann entdeckte er auch noch Bürgergesetze aus dem 17. und 18. Jahrhundert und transkribierte diese ebenfalls.
»Mit Ihrer akribischen Arbeit geben Sie den Menschen von heute ein Stück Heimat, eine Zugehörigkeit«, würdigte Oberbürgermeister Thomas Keck das Wirken des knitzen Seniors. »Sie haben einen Schatz geschaffen, von dem unzählige Familien über Generationen profitieren werden.« Thumm, der als junger Erwachsener in den 1950er-Jahren Zugang zu diesem Hobby fand, musste erstmal lernen, die alten Schriften zu entziffern. »'S isch manchmal a bissle mühsam - aber mer kriegt's raus«, kommentierte er seine Arbeit in einem Kurzfilm, der extra für die Verleihung gedreht worden war.
Samenhandel greif- und erlebbar gemacht
»Das Museum ist mein Hobby, mein Leben«: Auch Rainer Ganzner hat viele Jahre seines Lebens einem speziellen Thema gewidmet - und wurde hierfür am Dienstag mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet. Der ehemalige Leiter des Gönninger Postamts war 1994 maßgeblich an der Gründung und am Aufbau des Samenhandelsmuseums in Gönningen beteiligt. »Mit unermüdlicher Hingabe und Tatkraft« setzte er sich in den folgenden Jahren dafür ein, dass dieses Museum ausgebaut und um Artefakte erweitert wurde, würdigte OB Keck.
Ganzner gehört zu den Gründern des Vereins Tulpenblüte e.V., kümmert sich bis heute um die Pflege von fünf besonderen städtischen Wiesenflächen, führt Wanderungen beim Bund Naturschutz Alb-Neckar, hilft bei der Organisation der Tulpensonntage. Zu alldem kümmert sich der rührige Senior auch noch um seinen eigenen Garten, in dem »über 200 verschiedene Pflanzenarten« gedeihen - »manche besser, manche schlechter«, wie er schmunzelnd in seinem Kurzfilm sagte.
Susanne Stutzmann, die »geborene Netzwerkerin«
Die dritte Geehrte an diesem Tag: Susanne Stuztmann, seit 2003 Mitglied und seit 20 Jahren Sprecherin des Familienforums Reutlingen. Als berufstätige Frau und Mutter habe Stutzmann selbst erlebt, »wie schwierig es ist, festgefügte Rollenbilder und Vorurteile zu überwinden«, so OB Keck in seiner Laudatio. Also begann sie, für Familien und deren Bedürfnisse zu kämpfen. Sie gab den Anstoß, dass in Reutlingen Familienleitlinien entwickelt wurden, setzt sich im Landesfamilienrat ein, ist seit vielen Jahren mit FERDA international maßgeblich an Veranstaltungen zum Weltfrauentag beteiligt.
Stutzmann war zudem vier Jahre lang im Integrationsrat der Stadt, ist Mitglied im Türkischen Kultur- und Integrationsverein, hat sich in der Quartiersarbeit in Reutlingen eingesetzt. »Eine geborene Netzwerkerin«, wie OB Keck würdigte. (GEA)

