REUTLINGEN-BETZINGEN. Drei Kinder, sieben Enkel und bald vier Urenkel, dazu mehr als zehn Umzüge – Anna und Frank Streich aus Betzingen können auf eine bewegte Ehe und ein buntes Leben zurückblicken. Mehr als zwei Drittel ihrer Lebenszeit haben die beiden bereits gemeinsam verbracht. Nun feiern sie ihre Eiserne Hochzeit.
Im August 1960 gaben sie sich in Rosenheim das Ja-Wort. 65 Jahre später wird diese gemeinsame Zeit im Wohnzimmer in Betzingen gefeiert – mit Häppchen und selbstgebackenem Kuchen. Neben zwei ihrer Kinder ist auch Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp anwesend, der einen Blumenstrauß, Geschenke sowie verschiedene Glückwunschkarten, unter anderem von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, im Gepäck hat.
Mit guter Laune und vielen amüsanten Anekdoten blicken die beiden Jubilare am gedeckten Tisch auf eine ereignisreiche Zeit zurück. Kennengelernt haben sie sich vor vielen Jahren in Rosenheim. »Wobei – richtig kennengelernt habe ich Anna eigentlich erst jetzt«, sagt der 91-jährige Jubilar und lacht. Frank Streich stammt ursprünglich aus Ebingen, einem Albstädter Stadtteil – eben »von dr Alb ra«. Zum Studium der Ingenieurswissenschaften zog es ihn nach der Schule nach Oberbayern. »Und dann, im vierten Semester, ist sie mir über den Weg gelaufen«, erzählt er.
Die Familie von Anna Streich vermietete damals ein Zimmer an einen seiner Kommilitonen. Obwohl sie sich dort ab und zu sahen, dauerte es noch etwas, bis sie sich besser kennenlernten. Der entscheidende Funke sprang erst bei einem Fest über: Frank Streich war Teil einer Verbindung, die jährlich Faschingsbälle veranstaltete – »dort sind wir uns dann etwas nähergekommen«.
»Seine Mutter war ganz enttäuscht, dass er eine Katholische geheiratet hat«
Dann ging alles recht schnell: Nach einem halben Jahr fand die standesamtliche Hochzeit statt. »Da gab es aber ein Problem: Er war evangelisch, ich katholisch! Seine Mutter war ganz enttäuscht, dass er eine Katholische geheiratet hat«, erzählt die 89-Jährige. In Oberbayern hat der Katholizismus eine lange Tradition, während Ebingen vor allem evangelisch geprägt ist. Für die beiden war das jedoch kein Hindernis: »Evangelisch, katholisch – das ist eine Sache, über die wir uns noch nie gestritten haben.«
Nach der Hochzeit blieb das Paar nicht lange in Rosenheim. Für eine neue Stelle als Ingenieur zog Frank nach Blotzheim im Elsass, Anna folgte ihm - mit inzwischen zwei Töchtern im Anhang. Frankreich war jedoch nicht ihre letzte Station: Nach drei Jahren ging es unter anderem weiter nach Limburg an der Lahn, dann nach Landau in der Pfalz, schließlich nach Tübingen. Neben zahlreichen Umzügen kam auch das dritte Kind hinzu – ein Sohn. 1969 folgte dann der Umzug nach Reutlingen, sieben Jahre später schließlich der Hausbau in Betzingen. Seitdem sind beide fester Bestandteil des örtlichen Gemeinschaftslebens.
»Mit drei kleinen Kindern und 13 Umzügen war ich erstmal gut beschäftigt«
Und was machten die beiden gerne in ihrer Freizeit? »Mit drei kleinen Kindern und 13 Umzügen war ich erstmal gut beschäftigt«, sagt Anna Streich und lacht. Sie arbeitete zudem als Busfahrerin und fuhr Schüler einer Sprachheilschule. »In Reutlingen sind wir dann außerdem viel beim Tanzen gewesen.« In der damaligen Tanzschule Kurz besuchte das Ehepaar mit Bekannten regelmäßig Kurse.
»Manchmal hat das mit dem Tanzen noch nicht so gut geklappt«, erzählt Tochter Judith Krohmer. »Dann haben wir uns alle im Wohnzimmer versammelt, die Teppiche weggeräumt und Nachhilfeunterricht gegeben!« Anna und Frank Streich besuchten außerdem regelmäßig Tanzbälle. »Da hatten wir miteinander auch den meisten Ärger – der Takt«, gibt Anna Streich zu.
»Da hatten wir miteinander auch den meisten Ärger – der Takt«
Auch heute sind die beiden noch sehr aktiv: Inzwischen haben sie sich ein reges Netzwerk aufgebaut, und auch ihre drei Kinder wohnen in der Nähe. Mit zahlreichen Enkeln und Urenkeln wird dem fitten Paar garantiert nicht langweilig. Und auch sonst merkt man der 89-Jährigen und dem 91-Jährigen das Alter nicht an: »Will man wissen, wo die nächste Hockete ist, muss man nur meine Mutter fragen!«, erzählt Tochter Andrea. Das Paar geht regelmäßig aus, besucht den Wochenmarkt und genießt am Wochenende einen Kaffee in der Stadt. An diesem Wochenende allerdings steht erst einmal das Nachfeiern der Eisernen Hochzeit im Familienkreis an – mit Essengehen und Segnung in der Kirche. Die beiden lebenslustigen Jubilare wünschen sich, dass es noch lange so weitergeht. »Unsere Urenkel möchten wir gerne noch aufwachsen sehen«, sagt Anna Streich. Ihr Ehemann hofft auch noch mindestens fünf gute Jahre: »Die Gnadenhochzeit schaffen wir auch noch!«

