Der Verein hat die vielen Aktionen in einer Oktobernacht fokussiert, die bei manchen erst morgens um vier endet. Musik und Literatur, Comedy und Tanz, Malerei und Party machen die Kulturstadt Reutlingen am Samstag, 10. Oktober, ab 19 Uhr in ihrer ganzen Bandbreite spürbar. Und als Lichtgemälde sichtbar: Großflächige Projektionen verfremden Gebäude rund um den Marktplatz immer wieder anders, ebenso die Markthalle und das Tübinger Tor. Im Achalmbad zaubern Synchronschwimmerinnen zu Lichtinstallationen Figuren.
Licht ist zentrales Thema der Kulturnacht: Kleinere Installationen färben die Kaiserpassage, in den Fußgängerzonen sind Feuerschlucker und -spucker unterwegs. Die ganz kleinen, roten Leuchtpunkte hängen an den Tickets der Besucher, verbinden sie, lassen sie den Austausch suchen. Schnell erreicht das Publikum alle Programmpunkte der Kulturnacht zu Fuß. Im Internet kann sich jeder seine Lieblings-Aktionen zu einer Route zusammenklicken oder auf die sieben Tourenvorschläge im Programmheft zurückgreifen: Tour eins führt mit viel Klassik rund um den Marktplatz und die Kulturmeile, Tour vier zu ironischer Schlagermusik der 70er-Jahre von Marietta und zur Degerschlachter Blasmusik in die Listhalle, Tour sieben in den Großraum Planie, mit Tanztheater in der ehemaligen Heinzelmann-Fabrik, bildender Kunst im Landratsamt oder »Stromgitarrenkultur« in der Kaiserhalle.
Linien verlaufen auch zwischen den Kulturen. Experimentierfroh verknüpfen sechs ausländische Vereine der Stadt nicht nur Sirtaki und afrikanische Trommeln, sondern auch Mentalitäten. Kleinkunst und Mundart bei Maultaschen im Treffpunkt für Ältere können auf leisere Art zusammenschmieden.
Hochbetrieb herrscht während der strahlenden, sprühenden Nacht in zahlreichen Einrichtungen der Stadt, die die Kulturnacht nicht nur mit einem namhaften Betrag, sondern auch mit Aktionen maßgeblich mitprägt. Steht das Kunstmuseum Spendhaus mit Krimi-Lesungen ganz im Zeichen des Kunstraubs, kann der geneigte Besucher im Heimatmuseum steinerne Zeugen aus Reutlingens Frühzeit mit der Taschenlampe ausleuchten. Das Naturkundemuseum mutiert zur Clownerie und die Stadtbibliothek zur Medienkunstmeile, garniert mit Jazz und Samba. Trommeln vibrieren im Rathaus, wenn OB Barbara Bosch die Kulturnacht um 18 Uhr eröffnet.
Fast alle Künstler kommen aus Reutlingen und Umgebung. Bewerbungen aus der Ferne fehlten nicht, doch die Organisatoren haben sich bewusst für die näher liegenden entschieden. »Es gibt in der Region ein großes künstlerisches Potenzial ohne Lücken«, hat Edith Koschwitz längst festgestellt. Kultur schafft Heimat: Das Motto der Heimattage ist am 10. Oktober intensiv spürbar. (GEA)
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