REUTLINGEN. »Viel Trubel in der Listhalle« - so titelte der GEA am 14. November 1998 im Nachgang zu einer Premiere. Tags zuvor hatten Stadt Reutlingen, Stadtjugendring und das evangelische Stadtjugendwerk erstmals zu einem Event speziell für Kids und Teenager eingeladen: zum »Kinder- und Jugendtag«, der weiland mit 80 Ständen lockte und sich gleichermaßen als Messe und Vergnügungsveranstaltung verstand; als »Markt der Möglichkeiten«, der den jungen und jüngsten Reutlingern zeigen sollte, wie vielfältig die Aktivitäten-Palette in der Achalmstadt für ihre Generation ist.
Attraktive Angebote an »Themen-Inseln«
Nun, die Zielgruppe ließ sich nicht lange bitten. Laut GEA-Berichterstattung waren es an jenem Freitagnachmittag 2.500 Teilnehmer zwischen drei und sechzehn Jahren, die jede Menge Leben in und um die Listhalle brachten und sich »unter anderem Zöpfe in die Haare flechten ließen, den Gipfel einer Kletterwand erklommen« und zahlreiche weitere Angebote an sogenannten Themeninseln wahrnahmen. Darunter der Stand »Beratung und Jugendhilfe«, der die Presse mit einem neckischen Mitmachangebot für Jungs verblüffte. Galt es doch an Ort und stellte, einen sogenannten »Beziehungsführerschein« zu erwerben und herauszufinden, welcher Typ Lover man eigentlich ist. »Frauenheld«? »Sexexperte«? »Softie« oder »Macho«?
Uiuiui. Das war kess. Das machte Laune. Wenngleich sich der erste »Kinder- und Jugendtag« eher als Kinder- denn als Jugendtag entpuppte, wie Thomas Hoth sagt. In seiner Erinnerung waren es nämlich hauptsächlich Mädchen und Jungen unter 13 Jahre, die auf das neue Format ansprangen.
Hoth selbst zählte damals sechzehn Lenze und war, obschon jung an Jahren, bereits Teil des Organisatorenteams um Stadtjugendring-Leiter Lutz Adam. »Wir wollten«, entsinnt sich der heute 43-Jährige, »Vereinen und Verbänden eine für sie werbewirksame Plattform und dem Publikum einfach ein paar abwechslungsreiche und schöne Stunden bieten.«
Wobei die Macher der Messe zunächst nicht einzuschätzen wagten, ob ihre Veranstaltungs-Idee tatsächlich funktionieren würde. »Es war ein Versuch.« Allerdings einer der super ankam. »Mit so viel Zuspruch hatten wir nicht gerechnet. Ein voller Erfolg. Das war gigantisch.«
Ein großer Wurf geglückt
Aus dem Stand heraus war den drei Kooperationspartnern Stadt, Jugendring und Jugendwerk mithin ein großer Wurf geglückt. Weshalb für sie bereits am Premierentag feststand, dass es unbedingt eine Wiederholung geben muss.
Eine? Mitnichten. Bald 30 Mal hat das Event, das heuer am Sonntag, 6. Juli, von 12 bis 17 Uhr im Stadtgarten und dem benachbarten Sportplatz des Isolde-Kurz-Gymnasiums über die Bühne gehen wird, seither stattgefunden. Allerdings nur kurzzeitig unter dem Label »Kinder- und Jugendtag«. Wurde die Veranstaltung doch schon vor geraumer Zeit in »Die Stadt spielt« umgetauft - damit sich tunlichst alle Altersgruppen angesprochen fühlen.
»Der Name«, erklärt Thomas Hoth, »hat sich zwar geändert, Inhalte und Zielsetzung sind aber gleich geblieben«. Ebenso wie der ungebrochen starke Zuspruch. Kein Zweifel: »Die Stadt spielt« ist längst zur festen Größe im kommunalen Veranstaltungskalender geworden und hat zeit ihres Bestehens zahllose Familien amüsiert.
Dabei steigt das Event »nur« im Zwei-Jahres-Turnus. »Ursprünglich dachten wir daran, das Ganze einmal jährlich anzubieten.« Indes: Damit wären die beteiligten Vereine überfordert gewesen. Zumal sie ja traditionell beim Reutlinger Stadtfest mitmischen. »Deshalb sind wir alternierend unterwegs, immer im Wechsel von Stadtfest und Die Stadt spielt«, sagt der 43-Jährige. »Alles andere wäre schlichtweg kontraproduktiv.«
Sponsoren dringend gesucht
Möglicherweise wäre eine jährliche Austragung auch gar nicht finanzierbar. Zumal es laut Hoth immer schwieriger wird, Sponsoren zu finden. Zwar halten die beiden großen Geldgeber Kreissparkasse und Fair-Energie dem familienfreundlichen Event nach wie vor die Treue. Ihre Zuwendungen reichen jedoch nicht aus, um die Gesamtkosten in Höhe von etwa 12.000 Euro zu decken.
Mit diesem Betrag schlägt »Die Stadt spielt« nämlich zu Buche. »Deshalb wäre es einfach wunderbar, wenn wir zusätzliche finanzielle Unterstützung bekämen« - um Ausgaben für Strom, mobile Toiletten, Mietpavillons, Werbeplakate, Bierbänke und derlei Posten mehr stemmen zu können.
Zumal »Die Stadt spielt« von Anbeginn ein für Besucher kostenloses Angebot war und dies auch weiterhin bleiben soll. Damit ungeachtet der Geldbeutelgröße ausnahmslos jede und jeder teilnehmen kann.
Eine, die immer wieder gerne teilnimmt, ist Thomas Hoths neunjährige Tochter Lena. Vier Mal hat sich das Mädchen schon köstlich amüsiert. Wobei es vor allem Bewegungsangebote sind, die Lena begeistern. Trampolin-Hüpfen beispielsweise. Derweil es andere Kinder lieber ruhiger angehen - und trotzdem auf ihre Kosten kommen.
Beeindruckende Programmvielfalt damals und heute
Wie der von Thomas Hoth betreuten Website von »Die Stadt spielt« zu entnehmen, steht die Programmvielfalt im Hier und Heute der des Jahres 1998 in nichts nach. Im Gegenteil, scheint das Mitmach-Angebot - auch dank organisatorischer Mitwirkung des Türkischen Kultur- und Integrationsvereins - reichhaltiger denn je zu sein.
Von Kinderschminken, Bastel-, Mal- und Musikangeboten über Straßenspielklassiker wie Pedalos, Einradfahren, Hula-Hoop und Seilspringen bis hin zu Discgolf, Wikingerschach und Köfte backen reicht der kunterbunte Themenmix. Nicht zu vergessen: das »Meet and Greet« mit den vierbeinigen Stars der Malteser Rettungshundestaffel.
Vor diesem Hintergrund verspricht »Die Stadt spielt« also einmal mehr, Kurzweil pur in den Stadtgarten und sein Drumherum zu bringen. Jedenfalls dann, wenn Petrus mitspielt. Denn anders als damals beim Pilot-Programm in der Listhalle, hat sich »Die Stadt spielt« während der zurückliegenden Dekaden zum reinen Freiluft-Event entwickelt und seine Heimat im grünen Lüngle der Oststadt gefunden. (GEA)




