REUTLINGEN. Es sind bisweilen triste Lebensgeschichten, die das Team vom Tierheim Reutlingen über ihre Schützlinge berichten. Aber es gibt auch hoffnungsvolle Entwicklungen für so manches Tierleben. Sie machen Mut und motivieren die Mitarbeiter zum Weitermachen.
Jambo, der Dauergast
Einer, bei dem es seit Jahren überhaupt nicht mit der Vermittlung klappt, heißt Jambo. Der Rottweiler befindet sich bereits sein gesamtes Leben im Reutlinger Tierheim. »Er kam mit sechs Monaten zu uns, jetzt ist er elf«, berichtet Nina Herzog. Ob es in diesem, für Hunde seiner Rasse fortgeschrittenen Alter, noch eine erfolgreiche Vermittlung geben wird? Im Tierheim mag mittlerweile kaum jemand noch daran glauben. Doch Jambo hat zumindest eine liebevolle Patin gefunden. »Wenn er mit Christina Wahl zusammen ist, wird er ganz friedlich und ruhig«, so Herzog.

Roulis, der Hund ohne Ohren
In allen Tierheimen gibt es sie: die Dauergäste, Tiere, die offenbar niemand haben möchte, »die Unvermittelbaren«, wie sogar eine bekannte TV-Sendung heißt. Darin versucht der prominente Hundetrainer Martin Rütter Dauergäste in deutschen Tierheimen neuen Besitzern zuzuführen. Im Optimalfall steht ein mediales Happy End für Zwei- und Vierbeiner. Nicht geklappt hat die Sendung im Fall von Roulis, der so als Reutlinger Hund ohne Ohren bundesweit bekannt wurde. Eine Vermittlung in Rütters Sendung gab es nicht, eine spätere zu einer Familie auf den Fildern scheiterte. Erst im vergangenen Frühling fand Roulis ein neues Zuhause. »Das scheint gut zu funktionieren. Wir haben bis jetzt nichts Gegenteiliges gehört«, sagt Nina Herzog, die Hunde-Spezialistin im Tierheim.
Hazel, seit 1.244 Tagen im Tierheim
Ihr Name (Hazel, in etwa Haselnuss) lässt eher anderes vermuten. Doch die Kangal-Dame ist eine Riesin unter den Hunden. Sie bringt nicht nur 70 Kilo auf die Waage, sondern ist seit mehr als drei Jahren im Tierheim. »Ein Zuhause für ein derart großes Tier ist nicht leicht zu finden«, weiß Heidi Renner. Dabei sei Hazel ein liebes Tier mit einem einfachen und zugänglichen Wesen.

Niemand hatte Zeit für Sinay
Sie ist eine wahre Schönheit: Sinay verbreitet mit ihrem leuchtend roten Gefieder im Tierheim exotisches Flair. Die Salomon-Edelpapagei-Dame wurde aus einer Gemeinde am Rand des Landkreises Reutlingen ins Tierheim gebracht, weil sich die Besitzer nicht mehr um den Vogel kümmern konnten. Keine Zeit für das Tier hieß es laut Tierheim-Unterlagen zur Begründung. »Der häufigste Grund dafür, dass Besitzer ihre Tiere zu uns bringen, ist allerdings Krankheit. Sie können oder wollen die Tierarztrechnung nicht bezahlen, und so landen die Tiere bei uns«, erklärt Tierheimsprecherin Heidi Renner.
Schildkröten immer beliebter - bis sie es nicht mehr sind
So ist es auch bei vielen Schildkröten, für die es einen eigenen Bereich auf dem Gelände des Tierheims gibt. »Es werden immer mehr. Offensichtlich gehören Schildkröten zu den immer beliebter werdenden Haustieren«, so Renner. Doch irgendwann scheinen Mode-Haustiere nicht mehr beliebt oder hip zu sein. Also landen sie letztendlich bei ihr und ihren Kolleginnen und Kollegen.
Gloria, Katzen-Mama, seit über zwölf Monaten im Tierheim
Seit vielen Monaten ist das Katzenhaus des Tierheims überfüllt. Etwa 60 schnurrende Haustiger bevölkern den Bereich. Darunter seit mehr als einem Jahr: Gloria. Von ihr weiß das Tierheim-Team, dass sie ihren Nachwuchs im absoluten Nirgendwo im Kreis Reutlingen großgezogen hat und nicht mehr in ihren Lebensbereich zurückgefunden hatte. Für sie sucht das Tierheim ein »katzenerfahrenes Zuhause«. Gloria würde gerne mit ihrem Ziehsohn Benjamin dorthin ziehen.
Bruno, der Methusalem, geht auf Reisen
Mit stolzen 14 Jahren wurde Hund Bruno vermittelt. »Das hat uns sehr gefreut«, erinnert sich Nina Herzog. »Mehr noch: Die neuen Besitzer haben Fotos von Bruno geschickt. Er ist gerade mit ihnen auf Campingurlaub. Dem geht es sichtlich gut«, so Herzog. Er sei ein Beispiel für schöne Tierschicksale, die Mut machten.
Yuki, siebenmal vermittelt
Auch Hund Yuki gibt dem Tierheim-Team Hoffnung. Denn der Jack-Russel-Mix wurde zwar schon siebenmal vermittelt, doch genauso oft landete er wieder im Tierheim, weil es nicht klappte mit den neuen Besitzern. »Doch jetzt, beim achten Mal, sieht's wirklich gut aus«, sagt Nina Herzog mit einem großen Lächeln. (GEA)




