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Aktuell Industrie 4.0

Der Zukunft einen Schritt voraus

REUTLINGEN. Die Aula der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule platzte fast aus allen Nähten, sogar vor dem Eingang tummelten sich die Menschen – teils um den Würstchenstand, vor allem aber wegen des Interesses an den fertigen Technikerarbeiten, die dort gestern zu bestaunen waren.

Foto: Maschmann
Foto: Maschmann
Foto: Maschmann
Volker Menges, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, berichtet von 71 teilnehmenden Schülern, darunter drei Frauen, die sich mit ihrer Weiterbildung zum Techniker neue Chancen für ihren beruflichen Werdegang ermöglicht haben.

Zu sehen gibt es allerhand, unter anderem das Ergebnis einer Konstruktionsaufgabe der Firma »Wafios«, der sich in Teamarbeit zwei angehende Techniker angenommen haben. Heraus kam der Prototyp einer »Roboter-Greifeinrichtung für lange Federn«, wie auch der Titel der Abschlussarbeit lautet. Im Schnitt sieben bis acht Monate haben die Schüler Zeit, ihr Projekt zu verwirklichen, erklärt Ruben Burgert, einer der beiden Entwickler des Greifers, für den es auch schon Interessenten gäbe.

Praxisnahes Arbeiten

Während einige der Absolventen ihre Aufgaben von Unternehmen und Betrieben aus der Region bekommen haben, nahmen andere ihre eigene Schule als Aufgabensteller. So zum Beispiel auch ein Dreierteam, das sich dem Problem gestellt hat, die »Mechanische Konstruktion eines Förderbandes für die Schulungsanlage Industrie 4.0« zu verwirklichen.

Felix Braun freut sich, dass er und seine Teamkollegen Marco Futter und Jan Schmid die schwierige Aufgabe lösen konnten, und verrät, dass mindestens 300, wenn nicht sogar mehr Arbeitsstunden von jedem einzelnen der Drei in dieser Technikerarbeit stecken: Der realitätsnahe Prototyp soll zu einem späteren Zeitpunkt auch den Schülern der Steinbeis-Schule im sogenannten Projekt »Lernfabrik 4.0« zugutekommen.

Schulleiter Dominik Kugler erklärt im Gespräch gemeinsam mit Projektleiter Jürgen Raiser und den Abteilungsleitern Stefan Kiem (Maschinenbau) und Bernd Mather (Elektro) die Hintergründe dieses Projekts. 15 Berufliche Schulen in Baden-Württemberg konnten sich im vergangenen Jahr über die Zusicherung von Fördergeldern freuen, darunter auch die Reutlinger Ferdinand-von-Steinbeis-Schule.

Konkret genutzt wird dieses Geld nun vom Landkreis Reutlingen als Schulträger, Zuschussempfänger und Hauptfinanzierer des Projekts für erste Anschaffungen zum Aufbau der »Lernfabrik 4.0«. Sie soll eine praxisnahe Ausbildung im Bereich der zunehmend vernetzten hochmodernen industriellen Fertigung fördern. Da die »Industrie 4.0« und die damit verbundenen Änderungen auf dem Arbeitsmarkt mehrere Bereiche und damit unterschiedliche Berufsfelder betreffen, betont Kugler einmal mehr die Relevanz dieses Projekts und erklärt, dass die entstehende »Lernfabrik 4.0« zu einem »Kompetenzzentrum Automatisierung« werden soll.

Weitere Vernetzung

Nicht nur Schüler der Steinbeis-Schule können in Zukunft von dieser praxisnahen Form des Unterrichts profitieren, auch Aus- und Weiterzubildende aus Unternehmen in der Region werden dort auf die Zukunft der industriellen Fertigung vorbereitet und geschult.

Ende der Sommerferien soll der räumliche Umbau, der für die »Lernfabrik« vonnöten ist, fertig sein. Die Verantwortlichen erhoffen sich von der Lernfabrik auch, dass sie das Zusammenwachsen der einzelnen Schulbereiche fördern.

Ein Bestandteil der dreigliedrigen »Lernfabrik 4.0« ist eine vierzellige Montageanlage der Firma »Zeltwanger Automation GmbH« aus Dußlingen, mit deren Unterstützung auch die Abschlussarbeit der drei Schüler entstanden ist.

An diesem hochkomplexen System können dann im Schulbetrieb unterschiedliche Steuerungs- und Kopplungsmechanismen studiert werden – eben »Industrie 4.0«. (GEA)