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Aktuell Landwirtschaft

Das Hofgut Alteburg wird neu verpachtet

Bei der Neuverpachtung geht es ausschließlich um den landwirtschaftlichen Teil. Was die Stadt bietet und was sie vom neuen Pächter erwartet.

Das Hofgut Alteburg soll ab 2025 einen neuen Pächter des landwirtschaftlichen Bereiches haben.  FOTOS: ZENKE
Das Hofgut Alteburg soll ab 2025 einen neuen Pächter des landwirtschaftlichen Bereiches haben. FOTOS: ZENKE
Das Hofgut Alteburg soll ab 2025 einen neuen Pächter des landwirtschaftlichen Bereiches haben. FOTOS: ZENKE

REUTLINGEN. Die Stadt verpachtet den landwirtschaftlichen Teil des Hofguts Alteburg zum 1. Januar 2025 neu. Der bisherige Pächter hört dann altershalber auf. Das Verfahren zur Neuvergabe der Pacht hat bereits begonnen, weil von den Bewerbern einiges verlangt wird. Bekommen soll das Hofgut ausdrücklich nicht der Meistbietende, sondern der Kandidat mit dem besten Konzept.

»Es ist uns wichtig, den Charakter des Hofgutes zu erhalten. Wir wollen auch künftig hier Tierhaltung dabei haben«, betont Reutlingens Finanzbürgermeister Roland Wintzen, »wir wünschen uns eine Weiterentwicklung als Attraktion für die Stadt«. Gemeint ist damit jedoch, so Peter Wilke als Leiter des Amts für Wirtschaft und Immobilien, »kein Schaubauernhof«. Stattdessen eine richtige Landwirtschaft mit Direktvermarktung, »wo einem Kind klar wird: Die Milch kommt nicht aus dem Supermarkt, sondern von der Kuh«. Bewerber müssen sich also einiges einfallen lassen. Die Stadt hat mit der Stuttgarter AgriConcept Beratungsgesellschaft ausgewiesene Experten für die Begleitung des Bewerbungsverfahrens engagiert. Den hohen Anforderungen steht ein aus Sicht der Stadt verlockendes Angebot gegenüber.

Was Pächtern geboten wird

Die Hofstelle des Hofgut Altenburg mit den darauf befindlichen Gebäuden wie Stallungen und Schuppen sowie dem Wohnhaus wird durch einen Erbbaurechtsvertrag an den auszuwählenden Bewerber abgegeben. Das bedeutet, der zukünftige Landwirt auf der Alteburg hat die unternehmerische Freiheit auf eigene Kosten Gebäude neu zu errichten, die ihm dann auch gehören. Nur der Boden bleibt im Stadtbesitz.

»Das ist eine eigentumsgleiche Nutzung«, erklärt Heiner Rumetsch von der Beratungsgesellschaft AgriConcept. Dazu werden die landwirtschaftlichen Flächen von insgesamt 100 Hektar – Grünland und Ackerland – durch einen Pachtvertrag abgegeben. Beides zusammen sei ein attraktives Paket.

Tiere sollen auch in Zukunft auf der Alteburg zu Hause sein. Gewünscht ist ebenso wie  bislang eine Direktvermarktung ab Hof.
Tiere sollen auch in Zukunft auf der Alteburg zu Hause sein. Gewünscht ist ebenso wie bislang eine Direktvermarktung ab Hof. Foto: Stephan Zenke
Tiere sollen auch in Zukunft auf der Alteburg zu Hause sein. Gewünscht ist ebenso wie bislang eine Direktvermarktung ab Hof.
Foto: Stephan Zenke

Eine selten große landwirtschaftlich nutzbare Fläche plus ein Erbbaurechtsvertrag schaffe viel unternehmerische Freiheit. Zudem werde der Erbbauzins für notwendige Investitionsmaßnahmen in den ersten drei Jahren ausgesetzt und im vierten und fünften Jahr auf die Hälfte reduziert. Der Pachtzins bleibe davon unberührt. Die Laufzeit der Pachtverträge solle zunächst drei Jahrzehnte mit einer Verlängerungsoption betragen. Finanzbürgermeister Roland Wintzen betont, es gehe »nicht um den Meistbietenden«.

Wie viel der in den kommenden Jahren zu bestimmende Pächter der Stadt Reutlingen in Form von Erbbauzins und Pachtzins bezahlen möchte, ist ein Teil des Auswahlverfahrens, aber eben nur einer. In Workshops mit AgriConcept wurden weitere Zielsetzungen erarbeitet.

Was die Stadt alles erwartet

Gewünscht wird vonseiten der Stadt »eine nachhaltige Bewirtschaftung«, die ökologisch und sozial sein soll. Die städtische Bevölkerung, insbesondere Bildungseinrichtungen und Schulen, sollten im Konzept auftauchen – schon heute sind die Kälber und Hühner ja bei Kindern ein Hingucker. Ebenso hätten die Stadtväter gerne eine Vermarktung von »Produkten aus Reutlingen für Reutlingen« ab Hof. Baulich solle ein »offenes, freundliches Ambiente« entstehen.

Womit klar ist, dass der zukünftige Pächter eine Menge Geld in die Hand nehmen muss. »Die Gebäude sind alle nicht in einem guten Zustand«, erklärt Fabian Schäufele als stellvertretender Leiter des Amts für Wirtschaft und Immobilien. Dies sei, ergänzt auch Finanzbürgermeister Wintzen, ausdrücklich keine Kritik am bisherigen Pächter. Das Hofgut ist eben baulich in die Jahre gekommen, insbesondere der Kuhstall müsse wohl neu gebaut werden. Auf den Pächter kommen millionenschwere Investitionen zu.

Dazu gesellt sich dann ein Pachtzins, über dessen denkbare Höhe die Herren von der Stadtverwaltung diskret schweigen. Amtsleiter Wilke ist allenfalls zu entlocken, die Jahrespacht werde »fünfstellig« sein. Das Bewerbungsverfahren läuft in zwei Stufen ab. Ab Anfang Juli gibt’s die Ausschreibungsunterlagen. Es folgt eine Auftaktveranstaltung. Bis Anfang 2023 sollen fünf Bewerber für die zweite Phase ausgewählt werden, die Entscheidung fällt Ende 2023 um ein Jahr Zeit für die Übergabe zu haben.(GEA)

NEUVERPACHTUNG DES HOFGUTES ALTEBURG

Worum geht’s beim Vergabeprozess?

Die Vergabe der Pacht für den landwirtschaftlichen Teil des Hofguts Alteburg läuft in einem zweistufigen Konzeptverfahren. Nachdem die Ausschreibungsunterlagen ab Anfang Juli (jetzt noch nicht!) unter der Adresse www.reutlingen.de/neuverpachtung-hofgut-alteburg im Internet abrufbar sind, sollen Bewerber in Phase 1 ihre Vision und ihr Konzept für das Hofgut Alteburg vorlegen. Neben ihren persönlichen Voraussetzungen wird eine Vorstellung des landwirtschaftlichen Konzeptes (Flächen und Tierhaltung) gefordert. Dargestellt werden müssen Vermarktungs- und Kooperationsgedanken sowie sonstige Diversifizierungsideen. Schließlich ist eine Kurzbeschreibung der baulichen Entwicklung und Gestaltung gewünscht. Für jeden Bereich gibt es Punkte von einem Bewertungsgremium, in dem neben Vertretern aller Fraktionen des Gemeinderates auch der Finanzbürgermeister und die Baubürgermeisterin sitzen. Am Ende kommen fünf Bewerber in die Phase 2, wo das vorgelegte Konzept dann sehr präzise auf Euro und Cent geprüft wird. Beim gesamten Verfahren helfen die Fachleute von der Stuttgarter Beratungsgesellschaft AgriConcept. (zen)