Breite Bevölkerungsschicht
Das 6,2 Hektar große Areal befindet sich »fast ausschließlich in der Hand von Privateigentümern«, hatte Stefan Dvorak, der Leiter des Stadtentwicklungsamts, in seinem Schnelldurchgang durch die acht potenziellen Neubaugebiete erläutert. Bis zu 300 Wohneinheiten »für eine breite Bevölkerungsschicht« könnten dort entstehen, aber vermutlich erst mittel- bis langfristig, weil die Eigentumssituation ein Umlageverfahren notwendig mache.Was auch für das 10,3 Hektar große Sondelfinger Plangebiet »Bergäcker-Halden II« gilt. Nicht nur, dass sich die Grundstücke in Privatbesitz befinden – es ist auch »eines der wenigen großen, zusammenhängenden Streuobstwiesen-Gebiete«, wie SPD-Stadträtin Edeltraut Stiedl betonte. Deshalb müsse man dort »mit sehr viel Fingerspitzengefühl rangehen« und falls es zum Teil über die Roanner Straße erschlossen werde, auf jeden Fall einen Kreisverkehr bauen. Susanne Müller, Grüne, wünschte sich eine Voruntersuchung für dieses »ökologisch wertvolle« Areal und warnte generell davor, größere Wohnbauflächen Investoren zur Verfügung zu stellen, die an maximalen Gewinnen interessiert seien.
Vielmehr solle die Stadt alles daran setzen, erschwinglichen Wohnraum »für alle Reutlinger und solche, die es werden wollen«, zu schaffen. CDU-Rat Rainer Löffler konterte: »Wir verteufeln Investoren nicht, die nach Reutlingen kommen, sondern heißen sie willkommen!« Klar sei, dass Reutlingen schnell reagieren müsse, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Deshalb sei die CDU froh über die acht Bebauungspläne.
SPD-Sprecher Thomas Keck begrüßte ebenfalls, dass der Wohnungsbau in Reutlingen so »ein großes Stück vorangebracht werden könnte«. Dringend sei ein höherer Anteil an Mietwohnungsbau, wiederholte er Forderungen seiner Fraktion, und Wohngebiete über 3 000 Quadratmeter sollten von der Stadt angekauft werden, um kostengünstiges Wohnen zu ermöglichen.
Das gibt’s doch gar nicht!
»Unglaublich«, ärgerte sich Linken-Rätin Jessica Tatti, dass bereits vor Monaten »von verschiedenen Fraktionen« – darunter auch, wenngleich keine Fraktion, die Linke Liste – teils sehr grundsätzliche Anträge zum Wohnungsbau gestellt worden seien: zum Beispiel, wie man mit dem Flächenverbrauch umgehen solle. Wären diese Fragen behandelt, so Tatti, »muss man doch nicht bei jedem Bebauungsplan neu diskutieren«. Das sei nicht fair gegenüber dem Gremium. Und dass Finanzbürgermeister Alexander Kreher im Dezember dann nur eine »Synopse« genannte Aufstellung besagter Anträge geliefert habe, echauffierte sich Jessica Tatti, »das gibt’s doch gar nicht!« Voraussichtlich im Februar/März 2016, so hieß es damals, werde die Stadt dem Gemeinderat dann ein Konzept zur Wohnbauförderung vorlegen. (GEA)www.gea.de/detail/4627887

