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Bilanz nach letztem Reutlinger Weihnachtsmarkt der Vohrers

Am 6. Januar ist der Reutlinger Weihnachtsmarkt 2025 vorbei - auch im Bürgerpark. Wie ist es gelaufen? Eine Bilanz von Beschickern und Organisatoren.

Lief alles rund bei den diesjährigen Weihnachtsmärkten in Reutlingen? Das fragte der GEA Beschicker und Organisatoren.
Lief alles rund bei den diesjährigen Weihnachtsmärkten in Reutlingen? Das fragte der GEA Beschicker und Organisatoren. Foto: Steffen Schanz
Lief alles rund bei den diesjährigen Weihnachtsmärkten in Reutlingen? Das fragte der GEA Beschicker und Organisatoren.
Foto: Steffen Schanz

REUTLINGEN. An diesem Wochentag bummeln mittags 20 bis 30 Menschen durch den Reutlinger »Weihnachtspark«. Im Riesenrad sind allenfalls drei Kabinen besetzt, ein paar Kinder laufen Schlittschuh, ein paar drehen Runden im Märchenbähnle, eine Handvoll Paare wählt an den Ständen das Mittagessen: Bockwurst, Raclette-Brot, am offenen Feuer gegrillter Lachs? Lohnt es sich für die Mitarbeiter, noch bis 20.30 Uhr bei Minusgraden zu bibbern? Die Bilanz der Beschicker, die bis 6. Januar zum Weihnachtsmarkt-Überbleibsel locken, fällt gemischt aus: Sjonny Roskam vom niederländischen Riesenrad-Team spricht augenzwinkernd von einem »Auf und Ab«. An den Adventswochenenden war die Nachfrage groß, doch »nach Weihnachten fällt's ab«. »Die Leute sind freundlich«, finden zwei Balingerinnen, die in der Pop-up-Hütte Schmuck anbieten. Und die Atmosphäre sei schön.

Stimmungsvolle Illumination setzt Glanzlichter auf dem Reutlinger Weihnachtsmarkt.
Stimmungsvolle Illumination setzt Glanzlichter auf dem Reutlinger Weihnachtsmarkt. Foto: Steffen Schanz
Stimmungsvolle Illumination setzt Glanzlichter auf dem Reutlinger Weihnachtsmarkt.
Foto: Steffen Schanz

»Das hat sich überhaupt nicht gelohnt«, sagt die Betreiberin eines Stands mit indischem Essen und Dampfnudeln. Um die Standgebühr reinzuholen, müsste sie pro Tag 50 Portionen Butterchicken à 10 Euro verkaufen, erklärt Gagan Kaur. Fünf bis sechs sind es im Schnitt. Zehn Gastrostände auf dem Platz seien zu viel. Erst recht, wenn Musik und Veranstaltungen fehlen. »Die Leute kommen doch, wenn etwas geboten wird!« Etwas schlechter als in den Vorjahren, aber »insgesamt ganz okay« lief die Saison für Patrick Böttcher, der an der Kunsteisbahn einen Imbiss und die Winter-Gaudi-Hütte betreibt. Sein 40-köpfiges Team spürt die knappe Kaufkraft. Auch in der Wilhelmstraße und an der Marienkirche, wo Böttcher Grillgut, Churros, Schokoküsse und das Kinderkarussell anbot, war weniger los. Für Kaan Alp, der mit Spirituosen zu den drei Geschenkartikelanbietern im Bürgerpark gehört, hat es sich gelohnt: »Vom 18. bis zum 22. Dezember lief's am Besten, am Sonntag war es rappelvoll.«

Organisatoren sind zufrieden

»Gut gelaufen«, lautet das Fazit von Vildana Vohrer. »Besonders die Neuausrichtung des Nikolausdorfs hat sehr gut funktioniert. Es war eines der schönsten Nikolausdörfer, die wir bislang umgesetzt haben«, erklärt die Vertreterin der Marktwerkstadt GmbH. Vom Wetter her hätte es kaum besser sein können: »schön kalt und teilweise richtig winterlich«. Auch die Stimmung war durchgehend sehr gut, meint Vohrer, die sich mit ihrem Mann Clemens die Geschäftsführung teilt. »Die Resonanz war insgesamt deutlich besser als im vergangenen Jahr.« Dazu: Kein Vandalismus, nur ein Einbruch in eine Hütte. Die Einnahmen der »Echaz-Hütte«, Vohrers eigenem Stand, lagen in etwa auf Vorjahresniveau: »Wir können uns nicht beschweren.« Die meisten Stände liefen gut, einzelne Anbieter gebe es immer, »bei denen es wirtschaftlich nicht optimal läuft«. Das liege meist am Angebot. Die Verlängerung im Bürgerpark bis Dreikönig und die Konzentration auf Gastronomie hätten sich bewährt.

Das Riesenrad gehört zu den Hauptattraktionen des Reutlinger Weihnachtsmarkts.
Das Riesenrad gehört zu den Hauptattraktionen des Reutlinger Weihnachtsmarkts. Foto: Steffen Schanz
Das Riesenrad gehört zu den Hauptattraktionen des Reutlinger Weihnachtsmarkts.
Foto: Steffen Schanz

Ihre Kritik: Vohrers hätten sich gewünscht, auch den Marktplatz nutzen zu können. Und »die Situation rund um die Terrorsperren war problematisch«. Die 40-Jährige beklagt Kommunikationsprobleme mit der Stadt. »Beim Abbau eskalierte die Situation.« Die Sperren wurden zu spät geöffnet, wodurch sich dieser massiv verzögerte. Oft seien die Regelungen nicht klar gewesen. »Unsere Telefone standen deswegen zeitweise nicht still.« Dieses Problem werden Vohrers demnächst nicht mehr haben, denn sie verzichten nach einer Neuausschreibung auf die Organisation des Weihnachtsmarkts 2026. Dass seitdem weder der OB noch Gemeinderäte oder der Finanzbürgermeister auf sie zukamen - »sehr schade, ein solches Gespräch hätten wir uns ausdrücklich gewünscht«. Wie es mit der GmbH weitergeht, kann sie nicht sagen. Ob es 2027 eine Möglichkeit gibt, den Weihnachtsmarkt erneut zu übernehmen, hänge von den künftigen Bedingungen ab. »Man soll niemals nie sagen.«

Zukunft der bisherigen Beschicker ungewiss

Dass Frank Kuhn, der einst die lebende Krippe am Weibermarkt stellte und Vohrer zufolge in der Vergangenheit Interesse bekundete, Anteile an der Marktwerkstadt zu erwerben, 2025 massiv Stimmung gegen die Organisatoren machte, findet das Paar »problematisch«. Als einer von zwei Marktmeistern des Reutlinger Wochenmarkts sei er städtischer Angestellter. Das erwecke den Eindruck, »dass private Interessen und berufliche Funktionen nicht klar voneinander getrennt waren«. Sie meinen, dass Kuhn »künftig eine tragende Rolle beim Weihnachtsmarkt spielen wird, sollte dieser von Högerle übernommen werden«.

Wie andere Beschicker, so plagt nun wegen des Wechsels auch Böttcher Existenzangst. Der Reutlinger Weihnachtsmarkt macht ein Drittel seines Jahresumsatzes aus und er fürchtet, unter den Konkurrenten nicht mehr zum Zug zu kommen. Dabei fragten die Mitarbeiter schon, wie es nächstes Jahr aussieht. Viele nehmen dafür extra Urlaub. (GEA)