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Bilanz des Weihnachtsgeschäfts: Reutlinger in Kauflaune

Entgegen dem bundesdeutschen Trend klagen die Händler in Reutlingen nicht über Rückgänge beim Weihnachtsgeschäft. Ein Kundenbringer ist der Weihnachtsmarkt.

Die Reutlinger Innenstadtgeschäfte sind mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft weitgehend zufrieden.
Die Reutlinger Innenstadtgeschäfte sind mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft weitgehend zufrieden. Foto: Steffen Schanz
Die Reutlinger Innenstadtgeschäfte sind mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft weitgehend zufrieden.
Foto: Steffen Schanz

REUTLINGEN. Während Konsumexperten und entsprechende Forschungsinstitute eine zum Jahresende auf den Tiefpunkt gerutschte Kauflaune beklagen, sieht die Einschätzung lokaler Händler in Reutlingen anders aus. »Können Sie später nochmal anrufen? Bei uns ist gerade die Hölle los«, lautet etwa die erste Reaktion auf eine entsprechende Anfrage des Reutlinger General-Anzeigers am Montag vor Heiligabend bei Osiander-Geschäftsführer Christian Riethmüller. Später am Nachmittag kommt er eher zum Luftholen und erklärt: »Bei Osiander läuft das Weihnachtsgeschäft gut, besser als im Vorjahr.« Das gilt nicht zuletzt für die Reutlinger Niederlassung im einstigen Listhaus, die 2001 zur größten Buchhandlung Baden-Württembergs ausgebaut wurde. »Und das bei einer, sagen wir mal, problematischen Wirtschaftssituation«, betont Riethmüller.

Bücher lägen im Trend, weil sie nicht teuer sind, erklärt er: »Ein Taschenbuch kostet weniger als eine Maß Bier auf dem Oktoberfest.« Zudem liefen im diesjährigen Vorweihnachtsgeschäft auch Spielwaren gut. Als Verkaufsschlager hat der Chef des Buchhandelunternehmens mit mehr als 60 Läden, über 600 Angestellten und Hauptsitz in Tübingen den neuen »Asterix«-Comic-Band und den Familienroman »Lázár« des 22-jährigen Schweizers Nelio Biedermann ausgemacht. Außerdem seien Hitster-Spiele der Hit. Riethmüller resümiert: »Wir sind wirklich zufrieden.« Auch weil es am Dienstag vergangener Woche im Vergleich zu 2024 noch einen zusätzlichen Verkaufstag gab.

Den Weihnachtsmarkt nennen viele Geschäftsleute als Kundenbringer im Geschenkeendspurt.
Den Weihnachtsmarkt nennen viele Geschäftsleute als Kundenbringer im Geschenkeendspurt. Foto: Steffen Schanz
Den Weihnachtsmarkt nennen viele Geschäftsleute als Kundenbringer im Geschenkeendspurt.
Foto: Steffen Schanz

Andreas Sommer, Seniorchef des gleichnamigen Cafés in der oberen Wilhelmstraße mit Konditorei und Weihnachtsmarktstand, glaubt, »gerade in schwierigen Zeiten zeichnet sich das Engagement inhabergeführter Geschäfte doppelt aus«. Denn nicht nur sein Familienunternehmen spürte in dieser Vorweihnachtszeit nichts von wegen Kaufzurückhaltung, auch für die Geschäfte um seines herum lief es positiv: »Beim Handfestladen gab es kein Durchkommen mehr.« Und selbst in der Dependance des Einrichtungshauses Lukaszewitz war viel los - obwohl die schönen Deko-Artikel dort keineswegs den kleinen Geldbeutel ansprechen. Gefühlt habe er dieses Jahr so viel gebacken wie noch nie. Besonders bei traditionellem Weihnachtsgebäck wie Springerle, Mandelbrötchen, Zimsterne und Vanillebrödla sowie der französischen Variante, den Macarons, verzeichnete er einen »unglaublichen Boom«, sagt Sommer, der da als Seniorchef noch selbst Hand anlegt.

Fürs Frühstücksbuffet am Heiligen Morgen war das Café gleich zweifach ausgebucht. Und auch die Workshops zur Weihnachtsbäckerei waren 2025 sehr gut besucht. »Dabei erkennen die Kunden, auch wenn man erstmal schluckt, dass so ein Beutelchen Gutsle zehn Euro kostet, da ist jeder Cent wohl verdient.« Schließlich ist alles frisch und von Hand gemacht. Allein »große Sprünge von Firmen«, die einst etwa hundertfach Weihnachtsgeschenke in der Konfiserie vorbestellten, gibt es nicht mehr, stellt Sommer fest. Das fiel schon vor Jahren weg. Klar ist für ihn nach rund 50 Jahren im Betrieb: »Man kann nicht jedes Jahr Zuwächse erwarten.« Und: »Der Weihnachtsmarkt ist gewinnbringend für die gesamte Innenstadt« - auch wenn er nicht mehr ganz so schön und vielfältig sei wie einst.

Mode, Medien und Mall

Oliver Hohenadl vom Modehaus Zinser meint, generell befinde sich die Kauflaune in Deutschland an einem Tiefpunkt. Die Konsumstimmung insgesamt sei gering, das bestätigten ihm Kollegen und Freunde auch aus anderen Branchen. Angesichts der wirtschaftlichen Lage nachvollziehbar, allerdings: »Wir hier bei Zinser in Reutlingen sind zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft.« Das liege sicher auch daran, dass das Modehaus am Marktplatz nach der Schließung des gegenüberliegenden Breuninger von dort »einige Kunden abbekam«. Wegen des Weihnachtsmarkts durch die Stadt flanierende Menschen ließen sich zudem durch schöne Schaufenstergestaltungen zu Spontankäufen anregen. »Immer, wenn in der Stadt etwas passiert, hilft uns das«, stellt der Reutlinger Geschäftsleiter fest. »Deshalb hoffen wir, dass der Weihnachtsmarkt in gewohnter Qualität weiter besteht.«

Weihnachtszeit in der Reutlinger Müller-Galerie.
Weihnachtszeit in der Reutlinger Müller-Galerie. Foto: Jürgen Spieß/Archiv
Weihnachtszeit in der Reutlinger Müller-Galerie.
Foto: Jürgen Spieß/Archiv

Für Elektrofachmärkte wie den Reutlinger Media Markt sind sowohl das Vorweihnachtsgeschäft, das bereits im November beginnt und die Tage rund um Black Friday einschließt, als auch das Weihnachtsgeschäft traditionell die umsatzstärkste Saison. »Daher begleiten wir diese mit wirkungsvollen Kampagnen, Aktionen und Angeboten«, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Technikprodukte zählten nach wie vor zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken. Dauerbrenner seien Spielekonsolen und entsprechende Games sowie TV-Geräte, beliebt waren zuletzt auch Heißluftfritteusen. Und: »Ein großes Thema ist in diesem Jahr erneut Kaffee.« Da gebe es für jeden Geschmack das richtige Gerät – im Trend unterm Weihnachtsbaum waren 2025 besonders hochwertige Siebträger-Maschinen. Dazu weiterhin Saugroboter, Nass-Trocken- und leistungsfähige Akkusauger. Zudem interessierten sich Media-Markt-Kunden für Kopfhörer jeder Art. In der Spielzeugabteilung waren Lego und Tonieboxen sowie -figuren Weihnachtsrenner. Und für Spätentschlossene? Geschenkkarten von Media Markt und Saturn. Da können sich die Beschenkten später selbst aussuchen, was sie möchten.

Pünktlich zum Vorweihnachtsgeschäft 2024 hatte Tedi in der Reutlinger Galeria-Kaufhof eine Pop-up-Filiale eröffnet. Seit 10. Dez
Pünktlich zum Vorweihnachtsgeschäft 2024 hatte Tedi in der Reutlinger Galeria-Kaufhof eine Pop-up-Filiale eröffnet. Seit 10. Dezember war die auch 2025 wieder geöffnet. Foto: Anja Weiß/Archiv
Pünktlich zum Vorweihnachtsgeschäft 2024 hatte Tedi in der Reutlinger Galeria-Kaufhof eine Pop-up-Filiale eröffnet. Seit 10. Dezember war die auch 2025 wieder geöffnet.
Foto: Anja Weiß/Archiv

Roberto Lauria, Center-Manager der Müller-Galerie, blickt ebenfalls auf »eine positive Weihnachtssaison« zurück. »Zwar verlief der Start zunächst etwas ruhiger als in den Vorjahren, insbesondere im Vergleich zur Zeit vor Corona, doch im Dezember zog die Frequenz deutlich an.« Die Kaufkraft habe sich verändert: »Kundinnen und Kunden kaufen bewusster und bedachter ein.« Viele Besucher suchten die Mall in der Wilhelmstraße jedoch gezielt auf, um dort ihre Weihnachtsgeschenke zu kaufen. »Zur Umsatz- und Frequenzsteigerung tragen in der Weihnachtszeit vor allem stimmungsvolle Aktionen bei.« Sehr gut angenommen wurde etwa wieder der eigene Weihnachtsstand der Bäckerei Kost im Müller-Haupteingang. Als Highlight empfand Lauria den Auftritt des Gospelchors Friends, der »eine festliche Pause vom Weihnachtsshopping ermöglichte«. Die aufwendig gestaltete Weihnachtsdekoration werde von Kunden »sehr positiv wahrgenommen und gelobt«.

Auch die Betreiber des neuen Pop-up-Stores »Bergmensch« in der Müller-Galerie zeigten sich bisher sehr zufrieden, teilt der Center-Manager mit. »Zunehmend mehr Kundinnen und Kunden entdecken dieses neue Angebot.«

Das Shopping geht zwischen den Jahren weiter.
Das Shopping geht zwischen den Jahren weiter. Foto: Steffen Schanz
Das Shopping geht zwischen den Jahren weiter.
Foto: Steffen Schanz

Für Schnäppchenjäger lautete eine gute Nachricht gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtscountdown: Die Tedi-Filiale im ehemaligen Kaufhof-Gebäude an der Karlstraße machte nach monatelanger Schließung am 10. Dezember wieder auf. Dieses Jahr waren vor allem Geschenkverpackungen und Weihnachtsdeko wie zum Beispiel Glitzer-Fenstersticker sowie Christbaumschmuck »super gefragt«, berichtet Jonathan Brodtkorb von Tedi-Public-Relations. Und: »Nicht nur zu Weihnachten erfreuen sich unsere Süßwaren, Zuckerstangen oder kleinen Schokoladentafeln zum Verschenken großer Beliebtheit.« Auch Dekoartikel für Silvester sind auch zwischen den Jahren beliebt. Kunden profitierten von einem 50-Prozent-Rabatt auf alle Weihnachtsartikel und Weihnachtskerzen außer Geschenkverpackungen - »noch solange der Vorrat reicht«. Auch für Tedi gilt: »Wir sind mit unserem diesjährigen Weihnachtsgeschäft zufrieden.« (GEA)