REUTLINGEN. Nicht nur für Gewerbetreibende eine interessante Option: Die Eigentümergemeinschaft des Wigwam-Gebäudes – ein Gemeinschaftswohnprojekt am Fuße des Georgenbergs – bezieht ihren Strom seit Dezember vergünstigt und sauber von einer Solaranlage auf ihrem Dach. Am Samstag wurde die von der genossenschaftlichen Initiative Erneuerbare Energien Neckar-Alb eG (EENA) betriebene Mieterstromanlage bei einer kleinen Feier eingeweiht.
Seit im April 2017 die Bundesregierung das Mieterstromgesetz beschlossen hat, haben auch Vermieter die Möglichkeit zur Teilhabe an der Energiewende, indem sie den auf ihrem Dach erzeugten Solarstrom für ihre Mieter beziehen. Sie profitieren auch finanziell davon, da die Lieferung aus Solaranlagen mit einer Leistung bis 100 Kilowatt Peak (kWp) innerhalb eines Gebäudes vom Staat gefördert wird. Dafür haben die acht Parteien das Dach ihres Wigwam-Gebäudes an die EENA verpachtet. Im Gegenzug hat die Genossenschaft eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert, die 100 Prozent Ökostrom produziert.
Strom zehn Prozent günstiger
Obwohl der direkt von den Bewohnern genutzte Solarstrom nach wie vor mit der sogenannten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)-Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien belastet wird, sparen die Mieter laut dem Anbieter rund zehn Prozent gegenüber dem normalen Strompreis. Und auch in Zukunft soll sich die Anlage neben dem ideellen Wert lohnen, denn durch eine von der EENA vertraglich zugesicherte Strompreisgrenze sind die Nutzer der Solaranlage 20 Jahre lang gegen Strompreiserhöhungen abgesichert: »Je mehr die Strompreise steigen, umso rentabler wird es, unseren vergünstigten Solarstrom zu beziehen«, betont EENA-Vorstand Dr. Martin Schöfthaler.
Mehrfamilienhäuser im Blick
Der Physiker ist wie seine Vorstandskollegen auf ehrenamtlicher Basis für die Genossenschaft tätig und verfolgt das ehrgeizige Ziel, die Neckar-Alb-Region bis zum Jahr 2030 ausschließlich mit Strom aus regenerativen Quellen zu versorgen.
2012 ging die erste von der Genossenschaft betriebene Photovoltaikanlage auf dem Dach der Dietweg-Sporthalle in Betrieb. Es folgten im selben Jahr das Dach der Reutlinger Stadthalle und später der Bauhof Kusterdingen, der Rohstoffhandel MBärs in Ofterdingen und als Beteiligung der Solarpark Engstingen-Haid. Nun sind die genossenschaftlichen Solarstrom-Betreiber verstärkt auf der Suche nach Mehrfamilienhäusern, die für vergünstigten Solarstrom oder eine jährliche Pachtgebühr ihr Dach der EENA zur Verfügung stellen. Denn das sogenannte »Mieterstrom-Modell« erlaubt es seit 2017 auch den Bewohnern einer Wohnanlage – ob Mietern oder Eigentümern – Solarstrom vom eigenen Dach zu nutzen.
Kein Verwaltungskram
Trotzdem halten sich viele mit der Verpachtung ihres Daches noch zurück, vermutlich deswegen, »weil es noch zu wenig bekannt ist«, meint Martin Schöf-thaler. Dabei lägen die Vorteile einer Photovoltaikanlage auf der Hand: Die Genossenschaft betreibt die Anlage umsonst und bezahlt auch Installation und Wartung.
Der Verpächter muss sich weder um den Verwaltungskram kümmern, der mit dem Betrieb einer PV-Anlage einhergeht, noch Kontrollaufgaben wahrnehmen. Tagsüber profitieren sie von verbilligtem Strom, der im Dunkeln durch Ökostrom angereichert wird. Nach Ablauf der Dachnutzungsverträge kann »die PV-Anlage auf Wunsch in den Besitz des oder der Verpächter übergehen«, betont Martin Schöfthaler.
Die acht Wohnparteien des vor dreieinhalb Jahren gebauten Wigwam-Gebäudes beziehen nun seit Dezember Solarstrom von ihrem Dach. Ihnen ging es vor allem auch darum, sich an einer bürgernahen Energiewende in der Region zu beteiligen. (GEA)

