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Betzingen als großer Basar: Der erste Garagenflohmarkt

Erster Garagen-Flohmarkt kommt bestens an. Rund 100 Verkäufer bringen Nützliches, Schönes und Skurriles an Mann und Frau.

Ihnen  macht's Spaß: Die Familien Arnold und Schuler an ihrem gemeinsamen Verkaufsstand,
Ihnen macht's Spaß: Die Familien Arnold und Schuler an ihrem gemeinsamen Verkaufsstand, Foto: Ulrike Glage
Ihnen macht's Spaß: Die Familien Arnold und Schuler an ihrem gemeinsamen Verkaufsstand,
Foto: Ulrike Glage

REUTLINGEN-BETZINGEN.. Sonnenschirme, Luftballons und handgemalte »Flohmarkt«-Schilder weisen den Weg. In Betzingen ist Tag der offenen Garagen – und rund 100 Verkäufer machen mit. Sie bieten an, was der Keller hergibt. Kindersachen, Klamotten, Hausrat, Trödelkrimskrams, Raritäten, aber auch Außergewöhnliches wie ein Betonmischer, ein aufblasbares Sofa oder ein historischer Traktor sind beim Garagen-Flohmarkt zu haben. Die Schatzsucher freuen sich, die Anbieter auch. »Es läuft super«, strahlt Jenny Winter-Stojanovic vom Betzinger Ortschaftsrat, der das Event in rekordverdächtigen vier Wochen organisiert hat.

Freude auch bei Ratskollegin Karin Lenz, Ex-Besitzerin des Betonmischers. Das gute Stück fand schon vor dem offiziellen Beginn des Garagen-Flohmarkts einen neuen, glücklichen Besitzer – und anderes mehr, wie eine historische Schreibmaschine, Campingmöbel oder Armbanduhren. Nur das überdimensionale Plüsch-Einhorn wartet noch auf einen Abnehmer. Am Vormittag waren viele Schnäppchenjäger unterwegs. Jetzt, um die Mittagszeit, ist es ruhiger in den Betzinger Straßen und vor der Gartentüre von Karin Lenz. »Die Resonanz«, zieht sie schon mal Bilanz, »war unglaublich positiv – das war eine tolle Idee.«

Traktor sucht Abnehmer

Reitsachen von der Mutter, alte DVDs, Bücher, ein fast neuer Schreibtisch, Krücken zum Verschenken finden sich in der Garage von Familie Zössmayr in der Eisenbahnstraße. Die Soundbox wummert, Söhne Paul und Tim warten auf der Bierbank relaxed auf Kundschaft. Einiges ist schon weggegangen, das beste Stück noch nicht: Pauls Kramer-Traktor, ein Liebhaberfahrzeug, das einige Tausender wert ist. Jetzt sucht er einen Abnehmer, um sich einen anderen historischen Traktor zu kaufen. »Ich bin gespannt«, grinst er. Zufrieden ist die Familie jetzt schon mit ihrer Flohmarkt-Premiere. »Das ist eine Supersache und eigentlich ja gar kein großer Aufwand.«

Ungewöhnliches Flohmarkt-Stück:  Paul und Tim Zössmayr hoffen  auf einen Abnehmer für ihren Kramer-Traktor.
Ungewöhnliches Flohmarkt-Stück: Paul und Tim Zössmayr hoffen auf einen Abnehmer für ihren Kramer-Traktor. Foto: Ulrike Glage
Ungewöhnliches Flohmarkt-Stück: Paul und Tim Zössmayr hoffen auf einen Abnehmer für ihren Kramer-Traktor.
Foto: Ulrike Glage

Eine Frau kommt vorbei, wirft einen Blick in die Garage, unterhält sich kurz. »Ich bin mehr am Tratschen«, lacht Christina Schmidt, »das ist ja das Schöne an so einem Flohmarkt: der Kontakt zu den Leuten.« Und das Stöbern natürlich. Die Betzingerin ist bereits fündig geworden. »Eine Melita-Kaffeekanne, kleine Kristallvasen – Sammlerstücke eben.«

Fundstück fürs Wohnzimmer

Weiter oben in der Eisenbahnstraße bietet eine Familie nicht nur massenhaft gebrauchte Kinderkleidung an, sondern eine Waschmaschine, eine Werkbank und »was man so im Keller findet« noch dazu. Eine Frau interessiert sich für einen Fahrradsattel, fragt nach dem Preis. »Fünf Euro«, sagt die Besitzerin. »Zwei Euro«, kommt zurück. Bei drei Euro wird man handelseinig. Mit einem Trumm von einer goldschimmernden Vintage-Lampe in der Hand ist Daniela Magaleas unterwegs - happy über ihr Fundstück, das sie für sechs Euro ergattert hat und das perfekt ins Wohnzimmer passt. »Das bringe ich jetzt nach Hause«, sagt sie und strahlt übers ganze Gesicht, »dann suche ich weiter.«

Kein Wagenrad, sondern eine Vintage-Lampe:  Daniela Magaleas ist happy über ihr Fundstück.
Kein Wagenrad, sondern eine Vintage-Lampe: Daniela Magaleas ist happy über ihr Fundstück. Foto: Ulrike Glage
Kein Wagenrad, sondern eine Vintage-Lampe: Daniela Magaleas ist happy über ihr Fundstück.
Foto: Ulrike Glage

In der Lutherstraße wartet Marciella Schlotterbeck mit Sohn Noah im Schatten eines Scheunendachs auf Interessenten. Vor sich Tische voller Zinnbecher, alter Pokale und Wimpel, antiquarischer Bücher, aber auch einer Carrera-Rennbahn oder Modellautos. »Alles, was sich über Generationen angesammelt hat«, erklärt die Betzingerin. Ob Schätze oder Ramsch, das liege im Auge des Betrachters, meint sie. Einiges hat sie schon verkauft, auch die Bibel aus dem Jahr 1870. Nicht verkaufen wollte sie an die kommerziellen Händler, die schon am Morgen durch die Straßen fuhren und gezielt Ausschau hielten. Für die Zinnbecher boten sie ihr den »Zinnpreis« von drei Euro. Die Betzingerin recherchierte kurz und stellte fest, dass sie für rund 20 Euro gehandelt werden. Den Garagen-Flohmarkt, sagt Marciella Schlotterbeck, »finde ich toll, da habe ich schon länger drauf gewartet«. Vor einiger Zeit versuchte sie es selbst mit einem Kinderflohmarkt – der Absatz ging gegen null. »Alleine ist es viel mühsamer.«

In allerbester Laune

In der Auwiesenstraße haben sich die Familien Arnold und Schuler samt Kids zusammengetan. Entspannt sitzen sie auf Gartenstühlen, Melonenstücke machen die Runde. »Wir haben Spaß, ganz Betzingen ist auf den Beinen«, sagen sie in allerbester Laune. Geschmackvolle Stoffe, Tupperware, ein Sammelsurium von Kinderspielen, Steinkrüge und vieles mehr haben sie im Angebot. Und freuen sich, wenn sie etwas verkaufen. Die Frage, ob sich’s lohnt, stellt sich für sie nicht. »Lohnt sich’s, die Sachen im Keller rumstehen zu haben oder sie an andere weiterzugeben, die es gebrauchen können?«, sagt Marc Arnold. »Wenn man es nur aufs Verkaufen abgesehen hat, braucht man da nicht mitzumachen.«

Marciella und Noah Schlotterbeck warten auf Interessenten.
Marciella und Noah Schlotterbeck warten auf Interessenten. Foto: Glage
Marciella und Noah Schlotterbeck warten auf Interessenten.
Foto: Glage

Das findet auch Jenny Winter-Stojanovic. Bei ihr bleiben vor allem Schnäppchenjägerinnen hängen, denn die Betzinger Künstlerin bietet coole Klamotten und viel Extravagantes an. »Die Leute schwätzen miteinander, Nachbarschaft kommt in Kontakt, man begegnet sich – darum geht’s«, sagt sie zum Mehrwert des Garagen-Flohmarkts. Der ist aus ihrer Sicht ein voller Erfolg. »Das gibt’s im nächsten Jahr definitiv wieder.« Man könne ihn noch optimieren, ergänzt Nadja Armbruster, die beim Organisieren geholfen hat. Vielleicht mit einer »After-Flohmarkt-Party«, beispielsweise verbunden mit einem Preis fürs skurrilste Objekt. Als Besitzerin des aufblasbaren Sofas wäre sie in diesem Jahr gut im Rennen. Wenn da nicht der Betonmischer wäre. (GEA)