Sofort mit der Absicht, die Türen auch der nicht verbeamteten Gesellschaft zu öffnen. »Das Verhältnis zwischen Zivilbevölkerung und Uniformierten war nach dem Krieg nicht das beste«, formuliert Günter Mollenkopf vorsichtig, Kaupps Nach-Nachfolger als PSV-Vorsitzender. Der neue Klub soll Ängste und Hemmungen abbauen.
»Ein Verein oder vierzehn Abteilungen?«
Es ist schnell gelungen, auch wenn die anfangs 300 Mann starke Polizistenschar arg zusammengeschmolzen ist: Schon lange haben sie eigene Schießstände im Dienstgebäude. Die Nicht-Uniformierten bevölkern den Verein umso lebhafter: Seit Jahren konstant 2 400 Mitglieder, davon 800 Kinder und Jugendliche, halten dem PSV die Treue.
Damit ist er heute einer der drei größten Reutlinger Sportvereine. In 14 Abteilungen sind die Aktiven und Passiveren organisiert, von den Sportschützen bis zu den Faustballern, vom Bogenschießen bis zum Volleyball und vom Tennis bis zu Turnen. Gymnastik sind wie Schießen, Judo und Karate bereits 1959 am Start.
Der Brückenbau geht weiter. Der Vorstand um Mollenkopf - erst der dritte Vorsitzende in 50 Jahren - hat die anspruchsvolle Aufgabe, aus den Abteilungen ein Ganzes zu formen, ein Gesamtvereinsgefühl zu fördern, obwohl der Gesamtverein kein eigenes Sportheim hat.
Zwar hat die Tennisabteilung mit unzähligen Arbeitsstunden ihre Halle am Markwasen geschaffen, zwar boomt die gerade mal fünfjährige Feldbogenschützen-Riege, zwar sammeln Vorzeigeathleten wie Badminton-As Andreas Geisenhofer Erfolge und zog seine Abteilung ein Länderspiel in die Stadt, zwar haben Kinderturnen und -leichtathletik enormen Zuwachs.
Doch jede Riege agiert in Eigenregie, am eigenen Ort oder in Hallen und auf Plätzen der Stadt und nicht immer mit allzu vielen Blicke nach links oder rechts. Nicht von ungefähr bringt Günter Mollenkopf einen nachdenklichen Leitspruch ins Festjahr mit: »Ein Verein oder 14 Abteilungen?«
Gelungen ist der Brückenbau nach außen, in die Gesellschaft. Mit mehr und mehr nachgefragten Kooperationen der PSV-Abteilungen mit anderen Einrichtungen und offenen, nicht gruppenspezifischen Angeboten.
Durchweg qualifizierte Übungsleiter, seit jeher ein Plus des PSV, bieten an Ganztagsschulen Fußball, Handball oder Basketball an. Oder gleich ganze Thementage, etwa im Kinderturnen. »Bewegung im Kindergarten« gibt es bereits seit zehn Jahren.
Die von der Arbeitsgemeinschaft Reutlinger Sportvereine getragene Kindersportschule Reutlingen läuft und floriert unter der Federführung des PSV.
Neben wettkampfbetontem Sport gibt es die begehrten Jugendfreizeiten in der Vereinshütte in Sulz in Vorarlberg. Und das vereinseigene Studio »PSV Fit« im Heilbrunnen lockt mit Geräten und Kursen viele an, die aus dem Aktivenalter herausgewachsen sind. »Man muss in die Breite gehen, um Junge anzuziehen und Ältere zu halten«, resümiert Mollenkopf, und so folgt das Vereinsangebot immer wieder dem Fluss der Zeit.
Am Samstag ist Gelegenheit, neue Pläne zu schmieden. Im Spitalhof oder auf der Jungviehweide zusammenzusitzen, Erinnerungen zu tauschen und bei einem Bierchen den Fünfzigsten zu feiern. Alle miteinander und nicht jeder für sich. (GEA)
www.psv-reutlingen.de
