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Aus Emotionen werden in Rommelsbach Beete

Tolle Gärten müssen nicht groß sein. Saskia Plewe beweist das auf 500 Quadratmetern in Rommelsbach

Seelenstreichelnde Grüntöne.
Seelenstreichelnde Grüntöne. Foto: Uschi Pacher
Seelenstreichelnde Grüntöne.
Foto: Uschi Pacher

REUTLINGEN-ROMMELSBACH. Spektakuläre Gärten sind ein paar Tausend Quadratmeter groß, ziehen sich um ein schnuckeliges Häuschen, und drum herum sind Wiesen und Felder, so weit das Auge reicht. Oder vielleicht doch nicht? Saskia Plewe beweist, dass es auch anders geht. Rund 500 Quadratmeter misst ihr Garten, und ringsherum stehen Häuser. Aber die 39-Jährige hat zusammen mit ihrem Mann Konstantin mitten in Rommelsbach ein zauberhaftes Kleinod geschaffen: einen Familiengarten, der nicht nur das Auge begeistert, sondern auch eine Menge Spielmöglichkeiten für die vierjährigen Zwillinge Amelia und Fabien bietet.

Zehn Jahre ist es her, dass die Plewes in das Haus einzogen, das einst den Großeltern gehörte. Viel Rasen gab’s damals, eine Rosenhecke im Vorgarten und drei Tannen – die Oma stammte aus dem Schwarzwald. Eine Rose aus der Hecke durfte als Erinnerung bleiben, aber ansonsten ist der Garten nicht mehr wiederzuerkennen. Zuerst war die Fläche vor dem Haus dran: Saskia Plewe legte ein blühendes Staudenbeet nach dem anderen an – in sanft geschwungenen Formen, intuitiv und ohne Plan. Aber mit einer Idee: »Ich habe versucht, den Garten mit Kinderaugen zu sehen«, erzählt die gelernte Erzieherin. Eine magische Welt sollte es werden, ein Märchenreich im Kleinen. Und genau das hat sie mit Formen und Farben geschaffen.

Gemüsegarten mal anders.
Gemüsegarten mal anders. Foto: Uschi Pacher
Gemüsegarten mal anders.
Foto: Uschi Pacher

Saskia Plewe hat ein Händchen dafür, Emotionen und Stimmungen in Gartenbilder umzusetzen. Der Raum hinter dem Haus kam zu einer Zeit an die Reihe, als der Stress im Beruf überhandzunehmen drohte. Sie sehnte sich nach einem Rückzugsort, an dem sie nach anstrengenden Tagen zur Ruhe kommen konnte. Und so findet man heute in diesem Gartenteil genau das: eine liebevoll ausgesuchte, perfekt aufeinander abgestimmte Auswahl an Gehölzen und Blattschmuck-Stauden in unterschiedlichen, die Seele beruhigenden Grünschattierungen mit eingestreuten Farbtupfern – unter anderem Funkien, Rodgersien, Purpurglöckchen, Farne und Gräser. In diesem (nun allerdings genau geplanten) Gartenteil gelangt man durch einen Bogen aus Rotbuchen: eine Idee aus der japanischen Gartenphilosophie. »Man geht durch ein Tor vom Alltag in die Gartenwelt.« Die Wege sind nicht schnurgerade, sondern schlängeln sich durchs Gelände – der Entschleunigung wegen. Der Pavillon spiegelt die »Kaffeehäuschen-Idee«: »Man sitzt dort auf sich selbst fokussiert.«

Gartenästhetik und Spielplätze für Kinder schließen sich nicht aus.  FOTOS: PACHER
Gartenästhetik und Spielplätze für Kinder schließen sich nicht aus. Foto: Uschi Pacher
Gartenästhetik und Spielplätze für Kinder schließen sich nicht aus.
Foto: Uschi Pacher

Wege mit unterschiedlichen Belägen aus Holz, Rindenmulch, Stein oder Kies führen in unterschiedlich gestaltete Gartenzimmer. Die braucht Saskia Plewe auch, »weil ich so viele Sachen reinhaben wollte«. Nicht nur die vielen Pflanzen, die ihr gefallen, sondern auch die »Hardware«. Ein Sonnendeck, eine Steinmauer, die den Hang abfängt, einen Pavillon aus Holzstämmen, eine Schattenterrasse mit Abendsonne, eine Gartendusche – und natürlich die Spielgeräte für die Kinder.

Denn Gartenleidenschaft und kindlicher Spieltrieb schließen sich keineswegs aus, findet Saskia Plewe. Die Mädchen wissen, dass Pflanzen nicht gut wachsen, wenn man auf ihnen herumtritt. Sie helfen gern im Garten, beim Gießen, beim Pflanzen, bei der Schneckenjagd. »Sie genießen es, Teil von dem zu sein, was die Großen machen«, sagt ihre Mutter. Wenn sie biologische Pflanzenjauchen als Dünger oder Stärkungsmittel herstellt, rühren auch die Töchter in der »Hexenbrühe«. »Viele Kinder haben keinen Bezug zur Natur mehr«, weiß die Erzieherin. »Dabei ist es so wichtig, dass sie die Natur schätzen lernen. Wenn man etwas schätzt, gibt man auch mehr darauf acht.«

Als das Thema Sandkasten anstand, graute es die Plewes beim Gedanken an die übliche Plastikmuschel. Also bauten sie eine Sandgrube mit Holzstämmen als Abgrenzung in den Rasen. Weil die Sonne dort hinknallte, stellten sie ein offenes Tipi als Schattenspender auf – beides zusammen ist so zweckdienlich wie dekorativ. Eine Rutsche kam dazu, Schaukelpferde, ein Kletterturm. »Wir wollten ein schönes Holzspielhäuschen«, erinnert sich Saskia Plewe. »Aber die waren alle schweineteuer.« Da half nur: Selber bauen. Während bei der Pflanzenauswahl Saskia Plewe den Ton angibt, ist beim Handwerklichen das Geschick von Konstantin Plewe, Technischer Lehrer und gelernter Stuckateurmeister, gefragt und geschätzt. Das Motto »Selbermachen« galt nicht nur für die Spielgeräte. Auch der Pavillon mit den Hängesesseln (bei den Zwillingen zum Schaukeln beliebt), die gemauerten Gemüsebeete und anderen Einrichtungsgegenstände sind so entstanden. Neben viel Schweiß und Arbeit steckt eine Menge unbehandeltes Naturholz in diesem Rommelsbacher Garten, in dem auch sonst nur biologischer Pflanzenschutz und Dünger verwendet werden. Daher fühlen sich dort viele Insekten und andere Tiere wohl.

»Bestimmt wächst die Clematis so schön, weil ich sie gerettet habe«

Angesichts der stimmigen Bilder quer durch den Garten ist es erstaunlich, dass Saskia Plewes Geschmack nicht auf einen bestimmten Stil festgelegt ist. Grundsätzlich gefallen ihr Naturgärten (»würde ich machen, wenn ich mehr Platz hätte«) ebenso wie formale Anlagen. Schön ist für sie jeder Garten, »in dem Menschen sich wohlfühlen«. Nur mit glänzendem Stahl kann sie nicht so viel anfangen: »Ich mag natürliche Elemente und Baustoffe. Natur geht gut mit Natur.«

GARTENTIPPS UND BLOG

Gut planen, kernig schneiden

Intuition ist gut, ein Plan ist besser: Saskia Plewe rät, sich vor der Garten- oder Beetanlage genaue Gedanken zu machen. Über die Einrichtung und vor allem über Boden und Standortbedingungen, weil dies die Auswahl der Pflanzen bestimmt.

Die Plewes sind Mitglied bei der Gesellschaft der Staudenfreunde und haben sich Inspirationen unter anderem auf Gartenreisen geholt. Seit die Kinder da sind, ist Saskia Plewe oft abends unterwegs – im Internet. Dort findet sie nicht nur Information, sondern oft auch ausgefallene Baustoffe.

Ihr Tipp für den Gartenalltag? »Ich schneide viel.« Bei Rosen oder Lavendel zum Beispiel seien viele zurückhaltend. »Ich bin da recht kernig.« Saskia Plewe schreibt einen Blog: Unter »Garten Westwind« gibt es Einblick in ihr grünes Paradies, Fotos und praktische Tipps. (sä)

Und sie mag Pflanzen mit Geschichte. Eine üppige Clematis an der Grenze zum Nachbarn war einst schon dem Tod geweiht. Sie war beim Bau einer Gasleitung im Weg, die Bauarbeiter hatten sie aus dem Boden gerupft und liegen gelassen. Saskia Plewe hat sie wieder eingepflanzt und gepäppelt: »Bestimmt wächst sie jetzt so schön, weil ich sie gerettet habe.« Ein Baum mit Historie ist »Opas Apfelbaum« im hinteren Garten. Die Sorte ist unbekannt – aber die Früchte ergeben ein leckeres, rosa »Mädchen-Apfelmus«.

Längst ist jeder Quadratmeter des Grundstücks bis ins Detail liebevoll gestaltet. Wird sie den Garten überhaupt noch verändern? »Auf jeden Fall!«, sagt Saskia Plewe. Das nächste Projekt wird ein kleines Gewächshaus – selbst gebaut natürlich, aus alten Holzfenstern. Sie liegen schon in der Garage. (GEA)