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Albrecht Wandel erhält Bürgermedaille in Reutlingen

Albrecht Wandel erhält im Rathaus bei einem Festakt die Bürgermedaille in Gold verliehen.

Oberbürgermeister Thomas Keck überreicht Albrecht Wandel die Bürgermedaille in Gold.
Oberbürgermeister Thomas Keck überreicht Albrecht Wandel die Bürgermedaille in Gold. Foto: Jürgen Spieß
Oberbürgermeister Thomas Keck überreicht Albrecht Wandel die Bürgermedaille in Gold.
Foto: Jürgen Spieß

REUTLINGEN. »Alles wandelt sich, nichts vergeht«: Der Satz stammt von dem römischen Dichter Ovid und zog sich bei der Feierstunde im Rathaus wie ein roter Faden durch die Laudatio von Oberbürgermeister Thomas Keck. Anlass war am Samstag die Verleihung der Bürgermedaille in Gold an Albrecht Wandel, dem langjährigen geschäftsführenden Gesellschafter der ehemaligen Firma Wandel & Goltermann (heute Viavi Solutions).

Albrecht Wandel gehörte nicht nur zu den prägenden Unternehmerpersönlichkeiten der Region, mit mehr als 30 Tochtergesellschaften weltweit galt sein Unternehmen auch als Vorreiter der internationalen Expansion und der Globalisierung mittelständischer Industrieunternehmen. Geboren wurde er in Tübingen als Sohn von Wolfram und Else Wandel. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Reutlingen, wo er – geprägt von familiärem Zusammenhalt und schwäbischer Bodenständigkeit – gemeinsam mit zwei Geschwistern »in einer kunstaffinen Familie aufwuchs«, würdigt Thomas Keck den Unternehmer in seiner Laudatio.

Mit fachlicher Exzellenz und Weitblick

Keck erläutert, wie es Wandel nach dem Abitur am Johannes-Kepler-Gymnasium hinaus in die Welt der Wissenschaft zog: Von 1964 bis 1969 studierte er in Karlsruhe Wirtschaftswissenschaften und legte damit das Fundament für seinen späteren unternehmerischen Weg. Seine berufliche Laufbahn begann der Wirtschaftsingenieur 1970 bei der Industrieanlagenbetriebsgesellschaft in München. Zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Leiter der Geschäftsführungsstäbe, sammelte er dort wertvolle Erfahrungen: »Sein Chef war ein Enkel des Luftfahrtpioniers Otto Lilienthal«, betonte Thomas Keck, weshalb diese Jahre für Wandel zu einer prägenden Lehrzeit wurden, in der sich fachliche Exzellenz und Weitblick verbanden.

Mit gerade einmal 30 Jahren trat er schließlich 1974 als geschäftsführender Gesellschafter in das Unternehmen Wandel & Goltermann ein. Dieses hatte sein früh verstorbener Vater Wolfram Wandel bereits 1923 gemeinsam mit Ulrich Goltermann gegründet. Über ein Vierteljahrhundert hinweg führte Albrecht Wandel das Unternehmen in zweiter Generation gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Frank Goltermann (1928–2021). Unter ihrer Ägide entwickelte sich die Firmengruppe zu einem der weltweit führenden Anbieter von Kommunikationsmesstechnik – zeitweise zum zweitgrößten seiner Branche.

Soziales Verantwortungsbewusstsein

1990 übernahm er den Vorsitz der Geschäftsführung, 1998 wechselte er an die Spitze des Aufsichtsrats. Als die amerikanischen Mitgesellschafter schließlich auf einen Verkauf an eine US-Investorengruppe drängten, zog sich Wandel aus der Unternehmensführung zurück und gründete die Wandel Holding GmbH & Co. KG in Reutlingen. Albrecht Wandel war nie ein Unternehmer, der allein auf Zahlen und Bilanzen blickte: »Stets stand auch das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter an oberster Stelle«, so der Oberbürgermeister.

Gleichwohl gelang es ihm in den 1990er-Jahren, den ersten Standortsicherungsvertrag mit der IG Metall abzuschließen. Auch der Bau einer der ersten betrieblichen Kindertagesstätten im Land tragen seine Handschrift und war Ausdruck eines sozialen Verantwortungsbewusstseins, das weit über das Übliche hinausging.

Die Gründung der Stiftung für konkrete Kunst in Reutlingen sowie die Wandel & Goltermann Foundation in Pfullingen gehörten ebenfalls zu seinen großen Verdiensten. Darüber hinaus engagierte sich Wandel in zahlreichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gremien: Von 1990 bis 2005 gehörte er der Vollversammlung der IHK Reutlingen an, zehn Jahre davon als Vizepräsident. Er wirkte im Verwaltungsrat des Arbeitsamts Reutlingen und im Vorstand des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. Ehrenamtlich brachte er sich in der CDU, im Reitverein Reutlingen sowie im Golfclub Reutlingen/Sonnenbühl ein. Und was den Wenigsten bekannt ist: Er war Stiftungsmitglied der Württembergischen Philharmonie und Mitbegründer von Radio RT 4.

Ein besonderes Herzensprojekt war für ihn der Aufbau des Firmenmuseums der früheren Wandel-&-Goltermann-Gruppe. 2016 wurde das Museum unter dem Dach der Stiftung in Pfullingen eröffnet: »Sie haben damit einen Ort der Erinnerung aufgebaut und maßgeblich zum Erfolg des Museums beigetragen«, so Oberbürgermeister Keck. Zwischen außergewöhnlichen Exponaten der Industriegeschichte – von Radioempfangsanlagen bis hin zu Martinshorn und Blaulicht der Polizei – wird dort »Vergangenheit erfahrbar und in die Zukunft getragen«.

Musikalisch begleitet wurde der Festakt von dem Gitarrenduo Marvin Brenner und Katharina Weiss. Die Bürgermedaille in Gold wurde Albrecht Wandel durch die Beschlussfassung des Gemeinderats vom November 2023 verliehen. Eine hohe, seltene Auszeichnung der Stadt, die der 81-jährige (Un)ruheständler am Ende mit den Worten kommentierte: »Ich bedanke mich vor allem für die Unterstützung meiner Frau Traudl, meiner Kinder und zahlreicher anderer Wegbegleiter.« (GEA)