OFERDINGEN/ADELAIDE. 3.000 Kilometer durch ganz Australien. Und das ohne einmal aufzutanken. Geht nicht? Geht doch. Und zwar nur mit der Energie der Sonne. Mit einem extra gebauten Solarfahrzeug. Es ist tief und schmal. Futuristisch sieht es aus. Wie ein kleines Raumschiff bewegt es sich über die Straße. Mitentwickelt wurde der Rennwagen von Daniel Uphoff aus Oferdingen.
Der 26 Jahre alte Student ist derzeit in Australien. Er ist Teil des 16-köpfigen Chalmers Solar Teams, einer Mannschaft der Göteborger Universität, die an der Bridgestone World Solar Challenge (BWSC) teilnimmt. Das ist ein Rennen, bei dem verschiedene Universitäten und Unternehmen mit selbstgebauten Solarfahrzeugen - und nur mithilfe der Sonnenenergie - innerhalb einer Woche Australien durchqueren. Knapp 3.000 Kilometer von Darwin im Norden bis Adelaide im Süden. Dieses Jahr nehmen 34 Teams unterschiedlicher Größe bei der Veranstaltung vom 24. bis 31. August teil. Ziel des Rennens ist, Innovationen im Bereich der Solarmobilität voranzutreiben.
Per Zufall nach Australien
Wie wurde der Oferdinger Teil dieses Projekts? Über einen Aushang am schwarzen Brett der Uni in Göteborg. Dort studiert er seit zwei Jahren Industrielle Ökologie. »Zufällig habe ich den Flyer gesehen und mich kurz informiert. Ich war schnell begeistert«, erzählt er. Durch seine Vergangenheit - einen betriebswirtschaftlichen Bachelorabschluss an der ESB Reutlingen - schloss er im Chalmers Solar Team eine Lücke. Er kümmert sich hauptsächlich um Marketing und das Finanzielle. Während des Rennens ist er zusätzlich für die Koordination des Teams zuständig.
Die Teilnehmer des Autorennens sind sie fünf Tage lang in der sengenden, australischen Hitze unterwegs. Das tut auch dem Solarpanel gut, das auf jedem Fahrzeug verbaut ist. Ziel ist es, mit dem Solarfahrzeug täglich so viele Kilometer zurücklegen, wie möglich. Es geht aber nicht darum, immer mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs zu sein. Vielmehr spielt der kluge Einsatz der Energieressourcen eine Rolle. »Man muss abwägen, wie schnell man fährt, um nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Und man muss den Himmel im Blick behalten, ob nicht Wolken die Sonne verdecken«, sagt Uphoff.
Das Rennen beginnt täglich um 8 Uhr morgens. Ein Begleitfahrzeug fährt hinter dem speziellen Auto mit, transportiert Werkzeug, Verpflegung, Zelte. Und Ersatzteile für eventuelle Reparaturen. Zudem fährt ein Auto zur Sicherheit immer voraus. Und beobachtet auch die Konkurrenz. Um 17 Uhr abends ist dann die Etappe beendet. Dann muss das Gefährt abgestellt und sein Energiespeicher mit der Abendsonne wieder aufgefüllt werden. Das Team schlägt derweil die Zelte für das Camp auf. Denn geschlafen wird eine Woche genau da, wo man sich um 17 Uhr befindet. Uphoff gibt zu: »Die ganze Woche ist wirklich durchgängiger Stress«.
Das Solarfahrzeug von Uphoffs Team befand sich seit Mai 2024 in der Entwicklung und wurde komplett vom Chalmers Solar Team hergestellt. Es ist im Bullet-Design gebaut, hat zwei Räder vorne, eins hinten. Eine große Solarzelle findet im hinteren Bereich des Fahrzeugs Platz. »Besonders wichtig ist die Aerodynamik«, sagt Uphoff. »Daher sind alle Autos extrem verschlossen, nichts steht ab.« Sogar die Räder sind abgedeckt. Mit den 200 Kilogramm, die das Solarfahrzeug auf die Waage bringt, erreicht es Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometer pro Stunde. »Es gibt aber auch Fahrzeuge von Teams, die 130 Kilometer pro Stunde fahren.«
Die Rennen können gefährlich sein
Immer wieder komme es vor, dass Solarfahrzeuge von der Straße abkommen oder sich überschlagen, erzählt Uphoff. Beispielsweise durch starken Wind, der von den Road Trains verursacht wird. Das sind lange Lastwagen-Kombinationen, die regelmäßig auf den australischen Straßen unterwegs sind. »Früher gab es auch immer wieder Batteriebrände in den Fahrzeugen. Durch strengere Auflagen kommen die aber eigentlich nicht mehr vor«, so Uphoff. Buschbrände in Australien dagegen schon. Kurz nach dem Start in Darwin haben die Teilnehmer einen miterlebt. Dieser sei aber noch weit weg gewesen. Und habe nur dafür gesorgt, dass der Rauch die Sonne verdeckte, sagt Uphoff.
Auch ein schweres Unwetter mit extremen Windböen und Starkregen hat er mit seinem Team gut überstanden. Am Freitag hat das Chalmers Solar Team schließlich nach einer Woche Abenteuer die Ziellinie in Adelaide überquert - auf dem 11. Platz. »Mit unserem Budget und dem relativ kleinen Team ist das schon ganz gut«, gibt sich Uphoff zufrieden.
Selbst gefahren sei er das Fahrzeug übrigens noch nie. »Dafür bin ich einfach zu groß«, sagt der 1,93 Meter Hüne. »Unsere vier Fahrer sind alle unter 1,75 Meter.« Doch auch ohne selbst hinter dem Steuer gesessen zu haben, sei die World Solar Challenge für Uphoff ein unvergessliches Erlebnis gewesen. Und mit diesem »Rückenwind« geht es für den jungen Oferdinger erst einmal nicht wieder nach Schweden, sondern zurück in die Heimat zu Familie und Freunden. »Und vielleicht«, sagt Uphoff nicht ganz ernst, »geht Reutlingen ja auch irgendwann mit einem Solarfahrzeug an den Start«. (GEA)


