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22 Tage Vollsperrung: Das kommt auf Pendler in Reutlingen und Region zu

Zwischen Reutlingen und Tübingen, sowie Metzingen und Bad Urach fährt von diesem Wochenende an 22 Tage lang kein Zug mehr. Ein Bundestagsabgeordneter kritisiert das Ausmaß der Sperrung. Wir haben zusammengefasst, welche Möglichkeiten Bahnpendler nun haben.

Der Bahnsteig in Reutlingen. Foto: Frank Pieth
Der Bahnsteig in Reutlingen.
Foto: Frank Pieth

KREIS REUTLINGEN/TÜBINGEN. Knapp 22 Tage lang wird auf der Bahnstrecke zwischen Reutlingen und Tübingen sowie zwischen Metzingen und Bad Urach kein einziger Zug fahren. Auf der Strecke Reutlingen-Tübingen beginnt die Sperrung am heutigen Freitag um 22 Uhr. Zwischen Metzingen und Bad Urach fährt ab Samstagfrüh kein Zug mehr. Das ist – soweit sich erfahrene Bahnpendler erinnern können – die längste Sperrung auf dieser Strecke seit vielen Jahren.

Schuld sind Bahnsteigarbeiten in Betzingen sowie Bauarbeiten in Metzingen, teilt die Bahn mit. Mehr Infos zu den Baumaßnahmen sind bislang nicht publik geworden. Für den Nürtinger Grünen-Bundestagsabgeordneten und Verkehrsexperten Matthias Gastel ist die Länge der Vollsperrung nicht nachvollziehbar. Er hat sich deshalb per Brief an Thorsten Krenz, den Konzernbevollmächtigten der Bahn im Land, gewandt: »Die Länge der Sperrung scheint mir (...) in keinem Verhältnis mit den angekündigten Maßnahmen zu stehen. Hier wäre es hilfreich zu erfahren, was den langen Sperrzeitraum bedingt.« Gastel schreibt weiter, dass für ihn auch nicht nachvollziehbar sei, weshalb eine Vollsperrung erfolgen muss.

Der GEA hat dieselben Fragen ebenfalls an die Bahnpressestelle gestellt, bis zum Redaktionsschluss allerdings keine Antwort erhalten. Der Verantwortliche sei noch die komplette Woche im Urlaub, so die Auskunft einer Bahnsprecherin. Matthias Gastel kritisiert aber nicht nur Länge und Umfang der Sperrung, sondern auch, »dass die Information über besagte Maßnahmen und die damit einhergehenden Beeinträchtigungen für die Fahrgäste so kurz vor Beginn ebendieser veröffentlicht wurden«.

Auch Matthias Gastel hat noch keine Antwort auf sein Schreiben erhalten. Eine Übersicht über die von der Sperrung betroffenen Strecken und die Möglichkeiten, die Bahnpendler nun haben:

Reutlingen-Tübingen. Von 7 bis 20 Uhr fahren stündlich drei Direktbusse von Reutlingen nach Tübingen. Abfahrt ist immer um 10, 25 und 40 nach voller Stunde, am Busbahnhof beim Bahnhof (Bussteig 5), an dem auch die Fernbusse abfahren. Diese Direktverbindung dauert 30 Minuten. Zum Vergleich: Im Normalfahrplan stehen Bahnpendlern auf derselben Strecke stündlich vier bis fünf Züge zur Verfügung. Die Dauer einer Fahrt liegt dann zwischen 10 und 17 Minuten. In Tübingen halten die Ersatzbusse vor dem AOK-Gebäude am Bahnhof.

Reutlingen-Stuttgart. Während der Dauer der Sperrung fällt die schnellste Verbindung aus: Der IRE fährt normaler einmal stündlich und benötigt nur rund 35 Minuten in die Landeshauptstadt. Pendler müssen auf die Regional-Express-Verbindungen von Abellio zurückgreifen, die stündlich zweimal fahren. Die Fahrtdauer beträgt rund 50 Minuten.

Tübingen-Stuttgart. Komplizierter wird es für Menschen, die von Tübingen nach Stuttgart fahren wollen. Diese können sich zwischen zwei Wegen entscheiden: entweder per Direktbus nach Reutlingen und dort in den Zug nach Stuttgart steigen. Diesen Anschluss erreichen sie theoretisch – der Ersatzfahrplan sieht acht Minuten Umsteigezeit vor. Aufgrund des Verkehrs in Tübingen und Reutlingen ist aber nicht sicher, dass diese Zeit reicht. Außerdem benötigt man so mindestens 1,5 Stunden für die Fahrt von Tübingen in die Landeshauptstadt. Die Bahn rät deshalb zum Weg über Herrenberg. Auf der Ammertalbahn von Tübingen nach Herrenberg hat sie extra für den Zeitraum der Vollsperrung die Taktung der Züge und die Anzahl der Waggons erhöht. In Herrenberg können die Pendler dann auf die S1 umsteigen, die sie zum Stuttgarter Hauptbahnhof bringt. Dauer: etwas mehr als eine Stunde – wenn man denn die direkte Anschluss-Straßenbahn in Herrenberg erwischt.

Dörfer zwischen Reutlingen und Tübingen. Neben den Direktbussen zwischen Reutlingen und Tübingen fahren auch Busse, die in Kirchentellinsfurt (Bahnhof), Wannweil (Polizei/Rathaus), Betzingen (Hoffmannstraße) und am Reutlinger Westbahnhof halten. Für Schüler, die zur ersten Stunde nach Reutlingen müssen, steht ein Bus zur Verfügung. Für die, die nach Tübingen müssen, stehen von Wannweil aus potenziell drei Busse zur Verfügung. Abfahrt in Wannweil: 7 Uhr und zweimal 7.17 Uhr. Im weiteren Tagesverlauf fahren halbstündlich in beide Fahrtrichtungen Busse.

Metzingen-Bad-Urach. Wer von Metzingen (über Dettingen) nach Bad Urach möchte, dem steht statt der Ermstalbahn stündlich ein Bus zur Verfügung. Die Taktung verschlechtert sich somit nicht – die Fahrt dauert mit dem Bus allerdings 10 Minuten länger. Komplizierter wird beispielsweise die Fahrt von Reutlingen nach Bad Urach oder gar von Tübingen nach Bad Urach: Man muss ein- oder sogar zweimal umsteigen, und sie dauert auch deutlich länger.

Monatskarten. Pendler auf der Strecke Tübingen-Stuttgart können mit ihrer bwtarif-Karte auch problemlos über Herrenberg-Böblingen fahren, teilt die bwtarif-Pressestelle mit. Pendler, die zwischen Reutlingen und Tübingen 9-Uhr-Monatskarten nutzen, können diese für den Zeitraum der Vollsperrung im Schienenersatzverkehr auch vor 9 Uhr nutzen, teilt die Naldo-Pressestelle mit. (GEA)

Alle Verbindungen des Schienenersatzverkehrs sind in der DB-Reiseauskunft und in der Naldo-App zu finden.