REUTLINGEN. »Ich bin ganz überwältigt von dem Programm dieser Abschiedsfeier«, sagte Birgit Scheurer, die am Dienstag feierlich in den Ruhestand hinübergeleitet wurde. Sie wäre fast 40 Jahre an der St. Wolfgang Schule gewesen, wenn sie nicht zwischendurch einen Zwischenstopp als Rektorin an die Schillerschule in Orschel-Hagen eingelegt hätte.
1989 kam Scheurer als junge Lehrerin an die St. Wolfgang Schule. »Rein regional betrachtet ist sie nicht weit herumgekommen«, bemerkte Professor Matthias Gronover, pädagogischer Vorstand der Stiftung katholischer Schulen, zum Abschied. Von 2005 bis 2010 ist Scheurer »fremdgegangen«, wie Lehrerkollege Peter Staib augenzwinkernd bemerkte, kurz nachdem er den riesigen Chor der Mitarbeiterschar dazu aufgefordert hatte, die Chefin zu ehren: »Ab geht die Party, die Party geht ab.«
Auf Vertrauen gesetzt
Doch bevor es tatsächlich dazu kam, gab es noch ein paar lobende Worte: »Birgit Scheurer kannte die Namen von jedem Kind, ihre Tür stand immer für alle offen, sie war klar und entschlossen, immer menschlich, sie konnte auch klare Kante zeigen, aber immer mit warmem Blick, sie hat die Schule mit Umsicht geführt und das Schiff auch durch schwieriges Gewässer gelenkt«, betonte Gronover. Besonders zu erwähnen sei die Corona-Zeit, wie Staib anführte. »Was das Rektoren-Team da geleistet hat, war wahrlich unglaublich.« Der Führungsstil von Scheurer sei einer mit der langen Leine gewesen, einer, der auf Vertrauen setzte. »Und ich glaube, wir konnten das in den meisten Fällen zurückzahlen«, so Peter Staib. »Danke auch für deine Geduld.«
Laut Staib war Scheurer »die Mama der Wärmflasche. Weil du immer Verständnis für das Bauchweh der Schülerinnen und Schüler hattest.« 2010 ist Scheurer zurück an die katholische Schule gekommen, die heute neben einer Einstiegsklasse Grundschule, Werkrealschule und Realschule umfasst. 2017 wurde sie Rektorin. Umrahmt wurden die Reden mit Musik: Die Lehrerband spielte mehrfach begeisternd auf, der Grundschulchor überreichte nicht nur gesanglich Geschenke und die Schulband erhielt viel Beifall für ihren Beitrag.
Musikalisch und humorvoll
Bernd Angele, Michael Steinhilber und Christian Lemier, Vertreter der örtlichen Schulstiftung, des Schulwerks und des Elternbeirats, legten einen außergewöhnlichen Auftritt hin: »Wir sind die Fanta 3«; angelehnt an Fantastischen Vier rappte das Trio denn auch: »Sie geht weg – und wir sind wieder allein, allein.«
Die St. Wolfgang Schule scheint also nicht nur eine sehr musikalisch begabte Lehreinrichtung zu sein, sondern zudem auch noch eine, in der das Lachen nicht zu kurz kommt. »Ich habe dieses Amt vor allem dank Konrektor Daniel Kutter mit viel Heiterkeit und Ernsthaftigkeit ausführen können«, sagte Birgit Scheurer selbst in ihren abschließenden Worten. »Daniel Kutter war verlässlicher Steuermann mit einem besonderen Humor, wir waren ein Superteam«, so die scheidende Rektorin. Sie dankte noch viel mehr Menschen an der St. Wolfgang Schule, dem Lehrerkollegium, dem Hausmeister, der Schulsozialarbeit, den Eltern, der Stiftung, dem Staatlichen Schulamt und noch viel mehr Beteiligten.
Stehende Ovationen
Martin Fouqué, Direktor des Staatlichen Schulamts, sagte: »Birgit Scheurer ist eng mit der St. Wolfgang Schule verwurzelt.« Sie habe Verantwortung angenommen, »immer über den Tellerrand hinausgeschaut, Ihr jugendliches Lächeln zeigt, dass Sie ganz viel richtig gemacht haben«, so Fouqué. Abschließend sagte er ebenfalls Dank, »Sie haben viel investiert an Zeit und Lebensenergie.«
Pfarrer Matthias Dangel betonte: »Die St. Wolfgang Schule ist eine Mehrwertschule, ein richtig guter Ort von Kirche.« Die Mitarbeiterband sang: »Die Schule ist für Sie vorbei, ab heute haben Sie frei.« Das Publikum in der gesamten Halle sang mit, spendete stehende Ovationen. »Lassen Sie uns nie vergessen, dass es hier immer um die Kinder geht – und lassen Sie uns die Vergangenheit und die Zukunft feiern«, betonte Scheurer abschließend, bevor es zu den kühlen Getränken ging. (GEA)

