REUTLINGEN-SONDELFINGEN. Es gibt Ereignisse, die keiner vielen Worte bedürfen: weil sie schlichtweg für sich sprechen. Und wenn in solchen Fällen tatsächlich auf viele Worte verzichtet wird, sind Freude und Vergnügen programmiert. So geschehen in Sondelfingen, wo jetzt die offizielle Einweihung der frisch renovierten Alten Schule gefeiert wurde - im Beisein von Oberbürgermeister Thomas Keck, Ortsvorsteher Mike Schenk, Bezirksamtsleiterin Christina Schäfer, Vertretern des Reutlinger Gebäudemanagements und Sondelfinger Ortschaftsrats sowie des Stuttgarter Architektur-Büros Balbach.
Brezeln, Sprudel und anerkennende Blicke
Brezeln gab's beim Ständerling und Sprudel sowie durchweg staunende und anerkennende Blicke aufs runderneuerte Gebäude. Denn auffallend hübsch ist sie wieder geworden: die Fassade des ortsbildprägenden Hauses, unter dessen Dach neben dem Bezirksamt auch Bibliothekszweigstelle und Kindergarten sowie Vereine residieren.
Was sich seit Beginn der Renovierungsarbeiten an der 1903 errichteten Immobilie getan hat – darauf kam OB Keck in einer pointierten Rede zu sprechen. Er erwähnt neue Fenster, Dachrinnen und Wärmedämmung, den Einbau einer cleveren, automatischen Lüftungsanlage für ein optimiertes Raumklima sowie Putzsanierung und Außenanstrich. Am augenfälligsten sind freilich die 36.000 hölzernen Schindeln an der Fassade, die etwa 320 Quadratmeter Fläche bedecken und dem multifunktional genutzten Gebäude seine charakteristische Anmutung verleihen.
Verfault und bröselig
Ihre Vorgänger, so Keck, sind in Teilen verfault gewesen. Weshalb sie sich bereits seit Jahren buchstäblich verkrümelten. Bruchstücke fielen immer mal wieder zu Boden und zeugten davon, dass die Alte Schule weit mehr als bloß ein bisschen Kosmetik benötigt. Mit Facelifting allein, so viel war klar, wird’s nicht getan sein.

Gleichwohl sollten seit Entdeckung der ersten Fassadenschäden und Lecks noch starke 15 Jahre ins Land gehen, bis substanzielle Reparaturen in Angriff genommen werden konnten. Was dann im Mai 2024 der Fall war, als Handwerker anrückten und Sondelfingens Verwaltungssitz für die Dauer von elf Monaten in weiße Planen hüllten.
Glücksfall für Sondelfingen
Seither hat die Stadt nach Worten von Thomas Keck 770.000 Euro in den Gebäudeerhalt gesteckt. Nach Überzeugung des Reutlinger Rathaus-Chefs eine richtige und wichtige Investition. Und ein Glücksfall für Sondelfingen obendrein: weil die Mittel fürs Ertüchtigungsprojekt gerade noch rechtzeitig in den Kommunalhaushalt eingestellt wurden. Stand heute wäre eine derart kostspielige Sanierung jedenfalls nicht mehr finanzierbar, wie Keck betont: »In diesen Zeiten ist das verdammt viel Geld!«
Obwohl die Alte Schule - sie war einst tatsächlich Dorf- und später Sprachheilschule - nicht unter Denkmalschutz steht, hat das Reutlinger Gebäudemanagement in Kooperation mit den Stuttgarter Balbach-Architekten und anhand einer historischen Fotografie aus dem frühen 20. Jahrhundert dafür Sorge getragen, dass die Immobilie originalgetreu aufgemöbelt wird: mit Holzschindeln aus dem Allgäu, die von einer Nagolder Zimmerei eingebaut wurden.
Unabhängig von allen genannten Maßnahmen, aber parallel zu ihnen in Auftrag gegeben: die Ausstattung der Alten Schule mit WLAN nebst Anschluss ans Intranet der Reutlinger Stadtverwaltung. Was mit einer zwar kleinen, für die Bürgerschaft jedoch relevanten Veränderung einhergeht, auf die Christina Schäfer am Rande des Ständerlings aufmerksam macht. »Unsere Telefonverbindungen haben sich geändert.« Zu erreichen ist das Sondelfinger Bezirksamt ab sofort unter der Rufnummer 07121 3036520. (GEA)



