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Aktuell Konzert

Wilder Westen in der Wittumhalle mit der Stadtkapelle Reutlingen

Am Samstag gab die Stadtkapelle Musikverein Reutlingen 1902 in der vollbesetzen Wittumhalle Rommelsbach ihr mitreißendes Konzert »Wild West in Concert«.

Auch stilechte Waschbretter kamen als Rhythmusinstrumente zum Einsatz.
Auch stilechte Waschbretter kamen als Rhythmusinstrumente zum Einsatz. Foto: Gabriele Böhm
Auch stilechte Waschbretter kamen als Rhythmusinstrumente zum Einsatz.
Foto: Gabriele Böhm

REUTLINGEN-ROMMELSBACH. Heuballen mit Pfeilen darin, Cowboyhüte, Wagenräder – schon die aufwendige Bühnendeko weckte Neugier auf das Konzert »Wild West in concert« der Stadtkapelle Musikverein Reutlingen 1902. Am Samstag gastierte das sinfonische Blasorchester zum 25. Mal in der Rommelsbacher Wittumhalle.

Vorstand Marc Wiedemann begrüßte die Gäste in der vollbesetzten Halle und erläuterte die Orchestertradition, einmal im Jahr auch Nichtmitgliedern die Möglichkeit zu bieten, sich für ein Konzert anzuschließen. Direkt nach den Sommerferien wird unter der Leitung von Dirigent Markus Frieß mit nur wenigen Proben gemeinsam ein anspruchsvoller Inhalt auf die Beine gestellt. »Wir wissen nie, wer und welche Instrumente zum Projekt hinzukommen«, so Wiedemann. Umso größer ist die Leistung des Orchesters einzuschätzen. Durch das Programm führten Wiedemann und Jessica Greenwood.

Das Programm, gemeinsam von Mitgliedern und Dirigent zusammengestellt, begann schwungvoll mit »The Texans«. Komponiert zum 150-jährigen Bestehen des Staates, stellt das Stück mal fanfarenähnlich-grandios mal lyrisch-sanft die Vielfalt von Landschaft und Kultur dar. Saxophon-, Querflöten- oder Oboen-Solos setzten spannende Akzente. Ein geschmettertes »Jee-haw!« sorgte für Lacher beim Publikum, das längst die Fußspitzen wippen ließ.

Winnetou und Old Shatterhand

Martin Böttcher komponierte das Leitthema der Karl-May- Filme der 1960er Jahre, in denen die Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand für Recht und Ordnung sorgen. Daraus entstand eine fünfsätzige Suite, die das Orchester unter dem feinen Dirigat von Markus Frieß mit Einfühlung und perfekter Intonation und Dynamik mitreißende Lebendigkeit verlieh. Marc Wiedemann, stilecht mit Stetson, unterstützte die Atmosphäre bravourös mit der Mundharmonika. Zu hören waren bedrohliche Szenarien mit nahender Kavallerie, ein Dorftanz mit Kuhglocken oder ein gemütliches Lagerfeuer, jäh unterbrochen durch einen Schuss.

Im Bühnenhintergrund sorgte ein beachtliches Schlagzeug- und Percussion-Equipment für den jeweils passenden Rhythmus und Effekte. Beim Waschbrett- Ballett von Leroy Anderson fügten Ingo Schuster, Daniel Rieger und Friederike Rilling zur Freude des Publikums weitere Nuancen hinzu. Den Schluss bildete ein flotter Pfiff auf der Luftpumpe.

Morricone darf nicht fehlen

»Oregon« vermittelte das rhythmische Rattern eines Dampfrosses, das langsam und schwerfällig anfährt und immer mehr Fahrt aufnimmt. In harmonischer Einigkeit steigerte das Orchester das Tempo. Allein durch die Musik entstanden innere Bilder von Wäldern, Flüssen und Bergen. Im Italowestern »Die glorreichen Sieben« beschützen mutige Abenteurer ein Dorf vor Banditen. Die Synkopen des anspruchsvollen Stücks kamen auf den Punkt, die gegenläufigen Rhythmen gelangen wie am Schnürchen.

Weil »Cotton Eye Joe«, ein altes amerikanischen Volkslied, das von der Band »Rednex« neu aufgegriffen wurde, so beliebt im Line Dance ist, ließ Dirigent Frieß das Publikum mit Händen und Füßen den Rhythmus unterstützen. Unvergessen ist die Westernserie »Bonanza«, deren Titelmelodie in der Bläser-Version gespielt wurde. Mit »Mazama« erklang ein originales Stück der amerikanischen Ureinwohner mit mystischen, schamanischen Gesängen, Chimes-Klängen und Luftgeräuschen, hervorgerufen durch das tonlose Blasen in die Instrumente. Die Okarina-Flöte aus Ton fügte einen warmen Klang hinzu.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Suite »Moment for Morricone« mit Themen aus »The Good, the Bad and the Ugly« und »Spiel mir das Lied«, in dem die Sängerin Milena Kittelberger die fast hypnotische, vokalisierte Linie übernahm. Weil diese so gut ankam, ließ der Dirigent die Passage gleich noch einmal wiederholen. Das Publikum belohnte das Konzert mit Beifall und Pfiffen und freute sich über zwei tolle Zugaben. (GEA)

Vorstand Marc Wiedemann (rechts) ehrte (von links) Frank Wiedemann, Gerhard Reb sowie Heinke und Jürgen Freudenberg. Auf dem Fot
Vorstand Marc Wiedemann (rechts) ehrte (von links) Frank Wiedemann, Gerhard Reb sowie Heinke und Jürgen Freudenberg. Auf dem Foto fehlt Jochen Brandstätter. Foto: Gabriele Böhm
Vorstand Marc Wiedemann (rechts) ehrte (von links) Frank Wiedemann, Gerhard Reb sowie Heinke und Jürgen Freudenberg. Auf dem Foto fehlt Jochen Brandstätter.
Foto: Gabriele Böhm

Geehrt wurden

Für 50 Jahre als Aktiver: Frank Wiedemann

Für 40 Jahre als Fördermitglied: Gerhard Reb

Für zehn Jahre als Fördermitglied: Heinke und Jürgen Freudenberg sowie Jochen Brandstätter