OHMENHAUSEN. Ein ganzes Jahrhundert, von der Weimarer Republik bis ins 21. Jahrhundert - so lange besteht der Christliche Verein junger Menschen (CVJM) Ohmenhausen schon. Eine bewegte Geschichte steckt dahinter, immer getragen von christlichen Leitlinien. Das Logo des CVJM, ein rotes Dreieck, fasst die wichtigsten Aspekte der Arbeit gut zusammen: Die drei Ecken stehen jeweils für »Körper, Seele und Geist«, die in der Jugendarbeit gleichermaßen mitgedacht und gefördert werden sollen.
Der Ohmenhausener CVJM blieb seinen Werten und Konzepten über das Jahrhundert hinweg treu – und doch lässt sich in seiner Geschichte der Wandel der Zeit deutlich erkennen. Eine Vereinschronik als Spiegel deutscher Geschichte sozusagen.
Jugendarbeit zunächst nur für Jungs
Gegründet wurde der Verein in den 1920er-Jahren. Als sogenannter »Jünglingsverein« entstanden, war er allerdings lange Zeit der männlichen Jugend vorbehalten. Unter der Leitung eines evangelischen Pfarrers bestand die Arbeit vor allem aus der sonntäglichen Bibelstunde, aber auch einen Posaunenchor gab es. 1925 schloss sich der Jünglingsverein dann dem CVJM an, einem überkonfessionellen, christlichen, heute überall bekannten Dachverband.
Im Dritten Reich wurde die Jugendarbeit stufenweise immer schwerer, weiß der Erste Vorstand Tobias Bandh. Der tolerante, offene und christliche Verein war den Nationalsozialisten ein Dorn in Auge. Mit diversen Beschränkungen machten sie den Mitgliedern das Leben schwer. »Man musste Zwangsmitglied in nationalsozialistischen Organisationen sein«, berichtet Bandh. Auch eine vollkommene Übernahme in die Hitlerjugend war geplant, wurde aber nicht vollzogen.
In der Nachkriegszeit wurde dann der CVJM neu gegründet, die Strukturen wieder aufgebaut - und dabei doch verändert: Neben der Jungschar gab es nun auch eine Mädchenschar. Eine rege Jugendarbeit entstand. Nicht nur regelmäßige Gruppenstunden, auch an diversen Musik- und Sportangeboten konnte die örtliche Jugend teilnehmen.
Der Zeitgeist spiegelt sich im Verein wider
So wurde der CVJM, der heute seinen Sitz im Gemeindehaus in der Mahdachstraße hat, ein fester Bestandteil des örtlichen Lebens. Bandh, dessen Großvater Gründungsmitglied war, wuchs inmitten des CVJM-Lebens auf. Das gilt auch für Katharina Orendi, die Zweite Vorsitzende: »Der CVJM war einfach immer da!« Durch die verschiedenen Projekte hätten die meisten Jugendlichen früher oder später Berührungspunkte mit dem Verein, ob in der Kinderbibelwoche, der Jungschar oder den Reisen. »Die Kernaufgabe ist immer noch, die Leute zusammenzubringen. Auch zwischen verschiedenen Generationen und Schichten.« All das habe sich seit der Gründung nicht verändert. Mehr als 140 Mitglieder sorgen heute für ein aktives Vereinsleben.
Allerdings spiegelt sich auch hier der Zeitgeist wider. Bandh und Orendi können sich noch an die 80er- und 90er-Jahre erinnern, als das Gebäude täglich aus allen Nähten platzte. Ab 2010 dann der Knick: G8, das immer schneller durchgetaktete Leben, insgesamt weniger Zeit: Früher lebten viele Menschen dauerhaft im Ort und engagierten sich langfristig im Verein. Heute herrscht mehr Fluktuation – ein Wandel, der auch das Vereinsleben prägt. Während Corona kam die Arbeit sogar zeitweise zum Erliegen. Doch jetzt, so Bandh, »scheint sich vieles wiederzubeleben.« Das liege auch daran, dass sich der CVJM nach der Pandemie anders ausgerichtet habe und versuche, präsenter zu sein.
Gefeiert wird mit einem Festakt
Auch in der nächsten Zeit stehen Neuerungen an: Die evangelische Kirchengemeinde Ohmenhausen fusionierte mit der von Bronnweiler und Gönningen - auch in der Jugendarbeit soll künftig mehr zusammengearbeitet werden. »Das wird das größte Thema sein: Wie nutzen wir den Schwung und tragen das Schiff erfolgreich in die Zukunft?«, erklärt Bandh.
Zuallererst steht aber die Feier des 100-jährigen Jubiläums an. Neben den klassischen Veranstaltungen, die schon das ganze Jahr über unter dem Motto des Jubiläums laufen, gibt es einige Höhepunkte: Im Januar fand bereits ein Modellbahn-Tag statt, am Sonntag, 21. September, wird ein großer Festtag ausgerichtet. Mit offiziellen Reden, einer Spielstraße und einem Gottesdienst sollen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft gleichermaßen gedacht werden. (GEA)

