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Zuversicht für gemeinsame Zukunft

Abstimmung über Übernahme der Volksbank Reutlingen durch Vereinigte Volksbank Sindelfingen läuft

Siegfried Arnold (links) und Wolfgang Klotz, die Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Reutlingen und der Vereinigten Volksbank in
Siegfried Arnold (links) und Wolfgang Klotz, die Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Reutlingen und der Vereinigten Volksbank in Sindelfingen, stehen vor einer Karte mit dem Geschäftsgebiet der vorgesehenen gemeinsamen Bank. FOTO: KIESENBAUER
Siegfried Arnold (links) und Wolfgang Klotz, die Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Reutlingen und der Vereinigten Volksbank in Sindelfingen, stehen vor einer Karte mit dem Geschäftsgebiet der vorgesehenen gemeinsamen Bank. FOTO: KIESENBAUER

SCHÖNAICH/REUTLINGEN. Wolfgang Klotz und Siegfried Arnold, die Chefs der Vereinigten Volksbank in Sindelfingen und der Volksbank Reutlingen, sind zuversichtlich, dass es mit der vorgesehenen Fusion der von ihnen geleiteten Geldhäuser klappt. Das Projekt sei auf gutem Wege, berichteten sie bei einem gemeinsamen Pressegespräch in Schönaich. Der wichtigste Meilenstein stehe mit den Beschlüssen der beiden Vertreterversammlungen aber noch aus. Wie gemeldet, sind die beiden für Anfang Oktober vorgesehenen Vertreterversammlungen coronabedingt abgesagt worden. Seit vergangener Woche und noch bis 30. September stimmen die Vertreter schriftlich über diverse Themen bei beiden Finanzinstituten ab – auch über die rückwirkend zum 1. Januar 2020 beabsichtigte Verschmelzung.

Arnold berichtete von zahlreichen Gesprächen mit den abstimmungsberechtigten 204 Vertretern der Volksbank Reutlingen. Demnach haben die Volksbank-Mitarbeiter 187 inoffizielle Jas am Telefon vernommen. Bis gestern hätten 141 verschlossene Kuverts bei der tatsächlichen Abstimmung vorgelegen. Klotz rechnet bei der Vereinigten Volksbank Sindelfingen, die die übernehmende Bank sein soll, mit einer Zustimmung von 90 Prozent. Bis gestern hätten 102 der 347 Vertreter der Volksbank mit Sitz im Kreis Böblingen abgestimmt. Die Ergebnisse der Abstimmungen sollen nach den Stimmauszählungen unter notarieller Aufsicht am 2. Oktober bekannt gegeben werden. Jeweils mindestens 75 Prozent der Abstimmenden müssen dafür sein, damit aus den bisher zwei Banken eine würde.

Große Synergieeffekte

Unter den aktuellen Voraussetzungen habe keine Gewähr dafür bestanden, die für 7. (in Reutlingen) und 9. Oktober angesetzten Vertreterversammlungen, die bereits zum dritten beziehungsweise zweiten Mal terminiert gewesen seien, verantwortlich planen zu können, erklärten Klotz und Arnold. Eine neue Landesverordnung etwa hätte mit der Beschränkung der Teilnehmerzahl alle Vorbereitungen zunichtemachen können.

Der GEA fragte nach, warum nicht erst im nächsten Jahr in Präsenzversammlungen über die Fusion entschieden werden könnte. Darauf erinnerte Klotz daran, dass die beiden Kreditinstitute seit Beginn dieses Jahres den zweiten Anlauf für eine Fusion unternähmen. Von Sommer 2017 bis März 2018 war die erste Sondierung erfolglos geblieben. Klotz sagte: »Sie können das nicht unendlich ziehen.« Er verwies auf die erheblichen Zusatzbelastungen für die Beschäftigten beider Häuser neben ihren gewöhnlichen Tätigkeiten. Zudem sei auf Termine mit dem Rechenzentrum für die technische Fusion Rücksicht zu nehmen.

Arnold berichtete von einem geschlossenen Onlineportal für die Vertreter, das die Aussprachemöglichkeit einer öffentlichen Versammlung abbilde. Er erklärte, dass auch die Vertreter der Volksbank Kirchheim-Nürtingen jüngst schriftlich und positiv über die Fusion mit der Volksbank Esslingen angestimmt hätten. Zudem nannte er einen klaren wirtschaftlichen Aspekt der Fusion: »Wir reden über Synergieeffekte von zwei Millionen Euro im Jahr.« Mit dieser möglichen Größe werde in den nächsten fünf Planungsjahren gerechnet. Bestenfalls seien über fünf Jahre hinweg sogar zusammen 15 Millionen Euro drin. Auf Nachfrage sagte Klotz, Filialschließungen seien nicht das Ziel der Verschmelzung. Arnold fügte hinzu, dass es keine verschmelzungsbedingten Kündigungen geben solle. Aber Kosten und Prozesse kämen auf den Prüfstand und die natürliche Fluktuation soll ausgenutzt werden. Es würden also nicht alle Abgänge ersetzt.

Im Falle einer Fusion gehören der künftigen Bank den Angaben zufolge über 760 Beschäftigte an. Die Vereinigten Volksbanken würden mit 77 Geschäftsstellen eine der größten Volksbanken in Baden-Württemberg. Sie hätten 76 000 Mitglieder und damit Miteigentümer. Die Bilanzsumme läge bei knapp 4,3 Milliarden Euro, das Kundenkreditvolumen bei knapp 3,3 Milliarden Euro.

Beide Häuser seien überzeugt davon, dass eine größere Einheit Herausforderungen wie der Niedrigzinsphase, hohen Investitionen in Informationstechnologie und dem sich verschärfenden Wettbewerb besser begegnen könnte. »Wir könnten mehr und größere Kredite vergeben«, sagte Arnold. Gemäß dem vorgesehenen Konzept wäre die Volksbank Reutlingen unter dem Dach der Vereinigten Volksbanken neben denen in Böblingen, Calw, Sindelfingen, Schönbuch und Weil der Stadt eine von sechs regionalen Zweigniederlassungen. So solle sie ihre bisherige regionale Identität und Kompetenz vor Ort behalten, erläuterte Arnold. Klotz würde Chef der fusionierten Bank werden, Arnold sein Stellvertreter. Der bisherige Reutlinger Aufsichtsratsvorsitzende Jörg Berner ist als Aufsichtsratsvorsitzender der gemeinsamen Bank vorgesehen, hieß es weiter. (GEA)