TÜBINGEN. Ulrich Zeltwanger hat ziemlich viele Baustellen im Blick. Der Inhaber und Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensgruppe möchte zugleich die Weichen für sein Unternehmen und auch für sich neu stellen. »Durch das hohe Wachstumstempo sind wir an eine Entwicklungsschwelle gekommen, an der wir das Unternehmen organisatorisch neu ausrichten müssen«, sagt Zeltwanger im Gespräch mit dem GEA.
Weil die finanztechnischen Anforderungen an die Unternehmensgruppe gestiegen seien, habe er seit Oktober in der Holding mit dem ehemaligen Banker Uwe Metzger einen Finanzgeschäftsführer im Team. Weitere Führungskräfte seien für die Internationalisierung des Geschäfts, die Organisations- und Prozessentwicklung sowie für die IT eingestellt worden. Unter anderem mit diesen Maßnahmen will Zeltwanger das Wachstum der kommenden Jahre gut steuern.
Die Auftragslage sowohl im Maschinenbau als auch in der Automation und in der Dichtheitsprüfung seien hervorragend, erklärt Zeltwanger. Deshalb kann er für das laufende Geschäftsjahr bereits ziemlich gut planen. In der Gruppe schaffte Zeltwanger 2017 einen Umsatzsprung von 35 Prozent auf 48,5 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Zeltwanger eine Steigerung auf 55 Millionen Euro.
In der Automation war das Wachstum im vergangenen Jahr gar so hoch (+157%), dass das Unternehmen gezwungen war, Leiharbeiter einzustellen, um strategisch wichtige Aufträge nicht abgeben zu müssen. Dies habe allerdings die Produktion in diesem Geschäftsbereich teurer und weniger effizient gemacht. Anfang dieses Jahres sei es schließlich gelungen, den Personalbedarf für die Automation zu decken.
In der gesamten Gruppe hat das starke Wachstum die Zahl der Mitarbeiter steigen lassen. Allein im vergangenen Jahr kamen 55 hinzu, sodass die Belegschaft zum Jahresende bereits 380 Mitarbeiter (inklusive 35 Auszubildende) zählte. Gleichwohl hat das Unternehmen aufgrund der guten Auftragslage vor, weitere 20 Fachkräfte einzustellen. Er freue sich, dass das Unternehmen viele junge Leute gewinnen konnte. Nun zahlten sich die Investitionen in die Arbeitgebermarke (Employer Branding) aus.
Überhaupt habe das Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren viel investiert. Zum einen hatte Zeltwanger in eine neue Halle für den Maschinenbau am Stammsitz in Tübingen 12 Millionen Euro gesteckt. Dadurch war es möglich, zwei Standorte an einem zusammenzuführen. Nach der Renovierung der alten Halle in Dußlingen ergeben sich für den Geschäftsbereich Dichtheitsprüfung Expansionsmöglichkeiten. Zum anderen investierte die Gruppe in Anlagen und Kapazitätserweiterungen nochmals fast 4,5 Millionen Euro.
Vor Steuern erzielte die Gruppe 2017 eine Umsatzrendite im mittleren einstelligen Bereich. Im laufenden Geschäftsjahr soll die Rendite steigen. »Nach einer starken Investitionsphase steht nun die Gewinnorientierung wieder im Vordergrund«, erläutert Zeltwanger.
Trotzdem sollen die Geschäfte weiter ausgebaut werden. Im stark wachsenden Geschäftsbereich Dichtheitsprüfung will Zeltwanger die Internationalisierung vorantreiben. Dabei hat er vor allem Osteuropa, China, die USA und die Schweiz im Blick. Allerdings sei dies aufgrund der unterschiedlichen Regularien in den Ländern kein leichter Schritt, deshalb werde er hierfür Leute mit entsprechenden Marktkenntnissen einstellen. Das Potenzial sei jedenfalls groß. In den kommenden drei bis vier Jahren sei so ein Umsatzzuwachs von 50 Prozent möglich. Zudem wolle Zeltwanger Produkte für den Massenmarkt anbieten. Bei hochtechnischen Geräten zur Prüfung der Dichtigkeit (in der Autoindustrie und Medizintechnik) sei Zeltwanger bereits an der Spitze.
Darüber hinaus bereitet Zeltwanger die Strukturen für die Unternehmensgruppe vor, um seine Nachfolge zu regeln. In drei Jahren wolle er sich zurückziehen. Er arbeite bereits seit 37 Jahren für dieses Unternehmen, erläuterte der 65-Jährige. Er hat ein Stiftungsmodell vorgesehen, das sich an Bosch orientiert. Für dieses müsse nur noch die Feinplanung gemacht werden. Alle Unternehmensanteile sollen schließlich in der Stiftung liegen. Ein Beirat oder Aufsichtsrat werde dann als Kontrollgremium fungieren. Er werde eine Art Aufsichtsratsvorsitzender sein, wolle aber mehr als Mentor agieren. Bereits heute habe er sich weitgehend aus den operativen Tätigkeiten herausgezogen. Sein Schwerpunkt liege zum einen in der Strategie, das heißt, er legt die grobe Zielrichtung für die Gruppe fest und zum anderen in der Führungskräfteentwicklung. Es sei wichtig, den vorgesehenen Mitarbeitern genügend Zeit für die Einarbeitung auf die künftige Verantwortung zu geben. (GEA)

