WASHINGTON/ATLANTA. Der transatlantische Handel gestaltet sich schwierig dieser Tage. Die Zölle des US-Präsidenten auf Waren, Rohstoffe und Komponenten aus Stahl oder Aluminium sorgen nicht nur für Mehrkosten bei deutschen Unternehmen, sondern stellen die Planbarkeit für Investitionen in den USA in Frage. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren mindestens 600 Milliarden Euro in den wichtigsten Exportpartner Deutschlands investiert werden. Doch wie kommunizieren und wie den Fuß in die Türe bringen in global unsicheren Zeiten? Um verlässliche Handelsstrukturen aufzubauen, ist aktuell eine Delegation unter der Leitung von Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) an der Ostküste unterwegs. Der Ansatz: Auf Ebene der Bundesstaaten wirtschaftliche Kooperationen anzustreben und Gesprächskanäle offenzuhalten. Zudem sehen die ständigen Vertreter der deutschen Wirtschaft Möglichkeiten in Trumps Reindustrialisierungsplänen.
US-Präsident Donald Trump hatte sich im Wahlkampf besonders die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und eine Reindustrialisierung der USA mit Jobs im produzierenden Gewerbe auf die Fahnen geschrieben. Genau hier sieht Christoph Schemionek, Geschäftsführer vom DGIC (Delegation of German Industry an Commerce in Washington), eine Möglichkeit für den Aufbau neuer Strukturen und neuer Andockpunkte. So könnten beispielsweise deutsche Maschinenbauer in Sachen Modernisierung und Automatisierung von Produktionsprozessen internationale Konkurrenten aus Fernost ausstechen. Nicht nur deswegen sei es wichtig, viele Kommunikationswege offenzuhalten, betont Hoffmeister-Kraut.
Deutsche Unternehmen genießen guten Ruf in den USA
Generell laute die Parole, dass die USA auch in stürmischen Zeiten ein sehr attraktiver Standort sind. Nicht zuletzt, da der Ruf deutscher Unternehmen immer noch einiges Gewicht habe. Nicht zuletzt, weil diese in den vergangenen Jahren rund eine Million direkte Arbeitsplätze und sicherlich das Drei- oder Vierfache an indirekten Arbeitsplätzen auf der anderen Seite des Atlantiks geschaffen haben.
Diese Einschätzung bestätigen auch Branchenriesen wie beispielsweise Mercedes Benz. Diese bleiben nicht nur in den USA, sondern bauen ihr Geschäft dort aus und um, wie Jason Hoff, seit März dieses Jahres CEO für Nordamerika, am Rande eines Round-Table-Gesprächs in Atlanta äußerte. Hoff erklärte, Mercedes wolle den Südosten und im speziellen Atlanta und deren Georgia Tech Universität zu einem »zweiten Detroit« machen, nicht nur für die Autobauer selbst, sondern auch für Zulieferer und deren Maschinenbauer.
Mercedes mit 40 neuen Produkten am Start
Angesprochen auf die Zollpolitik der US-Regierung sagte er, er wolle diese nicht verurteilen, aber die vergangenen neun Monate seien sehr fordernd gewesen. Mercedes wolle in den kommenden Jahren rund 40 neue Produkte auf den Markt bringen, dafür brauche es Stabilität. »Wir sind ein globales Unternehmen und deswegen werden wir uns weiterhin für globalen Handel einsetzen«, so Hoff.
Eine gewisse Unsicherheit bei den amerikanischen Partnern in Industrie und Handel für Partnerschaften mit außeramerikanischen Unternehmen, und da-mit auch mit den Deutschen, bleibt dennoch, da für gewisse Zölle noch Gerichtsverfahren anhängig sind, deren Ausgang die weitere Verfahrensweise der US-Regierung beeinflussen wird. Mit einer Reduktion der prozentualen Werte, die in der Zollvereinbarung zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten festgelegt wurde, ist nicht zu rechnen. Die neuen Zolleinnahmen scheinen allerdings die Bestrebungen für eine Reindustrialisierung ein wenig zu schmälern, ist aus manchen regierungsnahen Kreisen zu hören. Ein zweiter Weg, um die deutsche Wirtschaft zu positionieren, könnte über direkte Kooperationen mit den US-Bundesstaaten führen.
Schwerpunkte wollen auch andere in den USA setzen
»Wir bekommen starke Zeichen einzelner Staaten, dass ihnen weiterhin an einer guten Partnerschaft gelegen ist. Wir sind auch deshalb vor Ort, um dieses Signal nach Hause, in unser Land, zu senden«, so Hoffmeister-Kraut. In diesem Rahmen sei es wichtig zu beachten, dass es nicht nur die große und eine USA gebe, sondern es gebe viele Standorte mit vielen verschiedenen Rahmenbedingungen.
Unterstützung bei Geschäftsanbahnungen können deutsche Unternehmen beispielsweise von den Vertretern der Außenhandelskammern bekommen. Diese sind in den USA mit fünf Standorten über das ganze Land verteilt. Dem Vernehmen nach soll eine Wirtschaftsdelegation des Freistaates im März mit ähnlichen Zielen über den Atlantik aufbrechen. Noch ist allerdings nicht bekannt, welche Branchenschwerpunkte Bayern setzen will. (GEA)

