REUTLINGEN. Baden-Württemberg erlebt einen deutlichen Wandel im Bezahlverhalten – und das schon seit einiger Zeit. Viele kleine und mittelständische Unternehmen im Land können mit diesem Tempo jedoch nicht mithalten. Das zeigt die aktuelle Unternehmerkundenstudie der Commerzbank, für die Ipsos zwischen August und Oktober 102 Betriebe im Südwesten befragte. Die Teilnehmenden stammen vor allem aus Branchen mit direktem Kundenkontakt wie Handwerk, beratende Berufe, Dienstleistungen oder Handel. Die Ergebnisse machen deutlich: Während Kunden längst digital bezahlen, setzen viele Unternehmen weiterhin auf klassische Verfahren. Das aus verschiedenen Gründen.
Am weitesten verbreitet bleibt unter den befragten Unternehmen in Baden-Württemberg die Überweisung: 87 Prozent bieten diese an. Auch Bargeld spielt mit 58 Prozent weiterhin eine große Rolle – stärker als in anderen Regionen Deutschlands. Moderne digitale Zahlungsmethoden sind dagegen deutlich seltener vertreten: Nur etwa ein Drittel der Betriebe akzeptiert Zahlungen per Giro-, Debit- oder Kreditkarte, und lediglich 30 Prozent bieten Online- oder Mobile-Bezahlsysteme wie Paypal, Apple Pay oder Klarna an.
Digitale Bezahlverfahren unter Verbrauchern derzeit gleich beliebt wie Bargeld
Bei den Verbrauchern zeigt sich ein anderes Bild: Je 69 Prozent der Befragten zahlen gleichermaßen häufig mit Bargeld und digital. Kreditkarten stehen dabei an letzter Stelle. »Die Menschen erwarten bequeme, schnelle und mobile Lösungen«, so Florian Lammert, Regionsleiter Unternehmerkunden bei der Commerzbank Reutlingen. Für den einen bedeutet das digital, für den anderen klassisch.
Dass der Bedarf für das digitale Feld aber da ist, das spüren die Unternehmen im Land durchaus: 40 Prozent berichten von rückläufigen Barzahlungen. Gleichzeitig registrieren 43 Prozent eine Zunahme beim kontaktlosen Bezahlen, insbesondere per Smartphone. Fast die Hälfte beobachtet außerdem, dass Online- und Mobile-Bezahlsysteme häufiger genutzt werden als noch vor zwei Jahren.
Beim Thema Sicherheit gehen die Meinungen auseinander
Trotz dieser Entwicklung gehen viele Unternehmen den Schritt in Richtung Digitalisierung noch immer recht zögerlich. Dabei werden die Vorteile teils bereits klar erkannt: Vier von fünf Betrieben im Land halten digitale Zahlungen für sicherer, zwei Drittel loben die schnelle und einfache Abwicklung und die hohe Kundenakzeptanz.
Doch ausgerechnet der Aspekt, der als Vorteil vieler gilt, ist gleichzeitig die größte Einstiegshürde für andere. 58 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen benennen die Gewährleistung von Sicherheit und Datenschutz auf der anderen Seite nämlich als größte Herausforderung. Danach folgen technische Schwierigkeiten – etwa die Integration in bestehende Systeme oder eine stabile Internetverbindung – die 56 Prozent der Betriebe beschäftigen. Darauf folgt mit 41 Prozent die Unübersichtlichkeit der Anbieter, die Kosten für die Einrichtung (40 Prozent) und fehlende Zeit, sich während des Tagesgeschäfts um die Einrichtung der Online-Zahlungsmethoden zu kümmern (31 Prozent).
Positiv fällt die stabile Zahlungsmoral in Baden-Württemberg auf: 79 Prozent der Unternehmen bewerten sie als gut oder sehr gut, was bedeutet, dass Kunden ihre Rechnungen zügig begleichen. Dennoch plant jeder fünfte Betrieb, zusätzliche Bezahlmöglichkeiten einzuführen, um den Zahlungsprozess zu erleichtern und Verzögerungen zu vermeiden.
Der Blick in die Zukunft
Beim Blick in die Zukunft zeigt sich Baden-Württemberg traditioneller als andere Regionen, wie Lammert betont. Trotzdem sei der Zukunfts-Trend auch im Südwesten klar erkennbar. So rechnen laut Umfrage 61 Prozent der Betriebe damit, dass weitere Online- und Mobile-Bezahlverfahren kommen werden, bundesweit gehen noch mehr, nämlich 66 Prozent, davon aus. 42 Prozent erwarten derweil den digitalen Euro als künftige Option. Künstliche Intelligenz, etwa zur Betrugserkennung oder automatisierten Zahlungszuordnung, sehen 39 Prozent im Land als möglichen Trend – weniger als im Bundesdurchschnitt.
Die 12. Unternehmerkunden-Studie der Commerzbank lässt kaum Zweifel: Die Verbraucher treiben den digitalen Wandel, und Unternehmen im Südwesten stehen zunehmend unter Modernisierungsdruck. Wer konkurrenzfähig bleiben will, müsse das Thema Bezahlinfrastruktur aktiv angehen, denn »digitale Bezahlverfahren sind kein Zusatzangebot mehr. Sie werden zum Standard«, so Lammert. (GEA)

