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Volksbanken mit Nähe und Abstand zu Mitgliedern

Volksbanken planen auch in Coronazeiten Präsenzversammlungen, allerdings nicht in Reutlingen

Die Volksbank Reutlingen. FOTO: PIETH
Die Volksbank Reutlingen. FOTO: PIETH
Die Volksbank Reutlingen. FOTO: PIETH

REUTLINGEN. Coronabedingt mussten die im Frühjahr oder Frühsommer vorgesehenen General- oder Vertreterversammlungen der Volksbanken und Raiffeisenbanken abgesagt werden. Von den sechs genossenschaftlichen Finanzinstituten im Landkreis Reutlingen wollen die in Metzingen, Münsingen, Dettingen/Erms und Sondelfingen ihre Eigentümertreffen im Herbst als Präsenzveranstaltungen nachholen, ergab eine GEA-Umfrage. 40 Mitglieder der Raiffeisenbank Mehrstetten kamen bereits am Montagabend zusammen. Bei diesen Geldhäusern geht es um Routinethemen wie Berichte und Entlastungen. Die Volksbank Reutlingen dagegen tanzt trotz ungewöhnlicher Tagesordnung aus der Reihe und setzt aus Gesundheitsgründen weiter auf Abstand.

Wie gemeldet, fällt die für 7. Oktober angesetzte Vertreterversammlung in der Stadthalle Reutlingen aus. Über die Übernahme durch die Vereinigte Volksbank Sindelfingen und damit über das rechtliche Ende der seit 159 Jahren bestehenden Volksbank Reutlingen wird derzeit daher ohne Aussprache in schriftlicher Abstimmung entschieden. »Nur zu gerne hätten Vorstand und Aufsichtsrat der Vereinigte Volksbank Sindelfingen eG beziehungsweise der Volksbank Reutlingen eG ihre Vertreterinnen und Vertreter gerade in diesem Jahr persönlich zur Vertreterversammlung begrüßt, die für das Verschmelzungsvorhaben von so entscheidender Bedeutung ist«, teilte Marketingleiterin Andrea Anstädt mit und ergänzte: »Aber die nach wie vor unsichere Situation der Corona-Pandemie lässt dies schlicht nicht zu.«

Ergebnis am 2. Oktober

In beiden Banken sei die Überzeugung gereift, dass unter den aktuellen Voraussetzungen keine Gewähr bestehe, die für den 7. (in Reutlingen) und 9. Oktober (in Sindelfingen) angesetzten Vertreterversammlungen verantwortlich planen zu können. Deshalb hätten Vorstand und Aufsichtsrat die Entscheidung getroffen, von einer Vertreterversammlung 2020 in Präsenzform abzusehen und stattdessen eine Beschlussfassung im schriftlichen Verfahren durchzuführen. Das Ergebnis der schriftlichen Beschlussfassung werde nach der Stimmauszählung unter notarieller Aufsicht am 2. Oktober veröffentlicht. Weitere Informationen zum Stand des Beschlussverfahrens und des Verschmelzungsprojekts gäben der Vorstandsvorsitzende der Vereinigte Volksbank Sindelfingen, Wolfgang Klotz, und der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Reutlingen, Siegfried Arnold, bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Die Volksbank Reutlingen gehört 28 088 Mitgliedern. 204 von ihnen gewählte Vertreter nehmen ihre Interessen in der Vertreterversammlung wahr. Damit die Verschmelzung mit Sindelfingen zustande kommt, müssen mindestens 75 Prozent der Abstimmenden dafür sein. Die Volksbank Reutlingen ist die Volksbank für Reutlingen, Pfullingen, Engstingen, Eningen, Gomaringen, Lichtenstein, Pliezhausen, Walddorfhäslach und Wannweil.

Die Volksbank Ermstal-Alb (Sitz: Metzingen) hat unterdessen für Montag, 12. Oktober, 19 Uhr, in der Gutenberghalle in Riederich zu einer Vertreterversammlung eingeladen. »Wir nehmen die Entwicklungen rund um das Coronavirus sehr ernst, und die Gesundheit und Sicherheit unserer Gäste hat für uns oberste Priorität. Deshalb müssen wir die Rahmenbedingungen der Vertreterversammlung der aktuellen Situation anpassen«, schreiben die Vorstandmitglieder Martin Schnitzler, Karl Herrmann und Michael Stadelmaier. Sie verweisen auf ein Anmeldeverfahren mit persönlicher Einlasskarte und Sitzplatznummer sowie ein Hinweisblatt mit Hygienehinweisen.

Die Volksbank Ermstal-Alb ist aktuell die größte Genossenschaftsbank im Landkreis Reutlingen. Sie hat 35 124 Mitgliedern, deren Interessen von 538 Vertretern wahrgenommen werden. Ihr Geschäftsgebiet umfasst Metzingen, Bad Urach, Trochtelfingen, Dettingen/Erms, Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten, Hohenstein, Hülben, Lichtenstein, Reutlingen-Mittelstadt, Riederich, St. Johann und Sonnenbühl.

Die Volksbank Münsingen, deren Geschäftsgebiet die meisten Gemeinden im Osten des Landkreises Reutlingen von Zwiefalten im Süden bis Römerstein im Norden umfasst, wird voraussichtlich für Ende November eine Vertreterversammlung einberufen, wie Vorstandsmitglied Christian Bückle mitteilte. Die 10 000 Mitglieder der Bank haben 500 Vertreter gewählt. Bückle rechnet mit 200 Teilnehmern bei der Versammlung.

»Wir planen eine Präsenzveranstaltung am Abend des 14. Oktober in der Schillerhalle«, sagte Gerhard Stooß, Vorstandsmitglied der Dettinger Bank. Ein Hygienekonzept sei erarbeitet. Theoretisch könnten knapp 2 200 Mitglieder zu der Generalversammlung kommen, üblicherweise erscheinen 120 Teilnehmer, diesmal wohl nur etwa 50, erklärte Stooß.

Auge in Auge

Die Raiffeisenbank Sondelfingen hat knapp 1 200 Mitglieder. »Wir haben vor, im vierten Quartal eine Generalversammlung abzuhalten. Details und der Versammlungsort müssen aber noch geklärt werden«, berichtete Vorstandsmitglied Arthur Göllner.

»Es ist einfach geschickt, Auge in Auge miteinander zu sprechen«, erzählte Hubert Knupfer, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Mehrstetten, und zeigte sich froh darüber, dass die Generalversammlung am Montagabend unter Berücksichtigung entsprechender Regeln geklappt habe. 40 der etwas über 1 000 Mitglieder waren gekommen.

Blick in den Kreis Tübingen, wo Thomas Bierfreund, Vorstandsmitglied der VR Bank Tübingen, feststellte: »Nach einer Vorbesprechung besteht bei uns die Tendenz zu einer schriftlichen Abstimmung im Oktober statt einer Präsenzversammlung der Vertreter.« In Anbetracht einer unspektakulären Tagesordnung überwiege in den Überlegungen die Gefährdung für die Mitglieder der Vertreterversammlung. Die VR Bank Tübingen hat 29 347 Mitglieder, von denen über 300 Vertreter sind. Das Geldhaus ist zuständig für Tübingen, Mössingen, Bodelshausen, Dußlingen, Gomaringen, Kirchentellinsfurt, Kusterdingen, Nehren, Ofterdingen und Reutlingen-Bronnweiler. (GEA)