Logo
Aktuell Handel

Viele Details der Übernahme von Reiff noch unklar

Eriks erwirbt traditionsreiche Reutlinger Firmengruppe mit 585 Beschäftigten in vier Ländern.

Die Hauptverwaltung von Reiff Technische Produkte in Reutlingen.
Die Hauptverwaltung von Reiff Technische Produkte in Reutlingen. Foto: Reiff
Die Hauptverwaltung von Reiff Technische Produkte in Reutlingen.
Foto: Reiff

REUTLINGEN. Der Vertrag über die Veräußerung des insolventen Reutlinger Traditionsbetriebs Reiff Technische Produkte an das niederländische Unternehmen Eriks ist unterzeichnet, wie in unserer Freitagausgabe gemeldet. »Viele Einzelheiten der Umsetzung sind aber noch unklar. Das obliegt dem neuen Eigentümer«, sagte der bisherige Reiff-Chef Alec Reiff am Freitag auf Fragen des GEA zu Standorten und Arbeitsplätzen, künftigen Firmierungen und Leitungsfunktionen.

Klar sei jedoch, dass Eriks – vorbehaltlich üblicher aufschiebender Bedingungen, wie beispielsweise die Zustimmung der Kartellbehörden – voraussichtlich bis Mitte Dezember die komplette bisherige Unternehmensgruppe Reiff mit Hauptstandort in Reutlingen übernehmen werde. Es gehe also nicht nur um die beiden insolventen deutschen Firmen Reiff Technische Produkte GmbH (Reutlingen) und deren Tochterfirma Kremer GmbH im hessischen Wächtersbach, sondern auch um Standorte in Luxemburg, Belgien und China.

Von insgesamt 13 Standorten in vier Ländern mit zusammen 585 Beschäftigten ist somit die Rede. An den drei Reutlinger Standorten an der Tübinger Straße (Verwaltung), an der Allmendstraße (Logistikzentrum) und an der Karl-Henschel-Straße (Fertigungszentrum) sind davon nach früheren Angaben 415 Menschen für Reiff tätig. Die Reiff-Gruppe versteht sich als Experte für Antriebs-, Fluid- und Dichtungstechnik sowie für Anwendungen aus Gummi und Kunststoff. 2024 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 148 Millionen Euro.

Ergänzung im Erstausrüstungsgeschäft

Alec Reiff zufolge will Eriks auch das Logistikzentrum übernehmen. Klar sei auch, dass künftig außer Familie Reiff auch das österreichische Unternehmen Haberkorn (Wolfurt/Vorarlberg) nicht mehr Gesellschafter der operativen Reiff-Einheiten sein werde. Haberkorn war zu Jahresbeginn mit 25-Prozent-Anteilen eingestiegen mit dem Ziel, mittel- bis langfristig alle Anteile zu übernehmen. Ende Juli und im September kamen dann die Insolvenzanträge über die Vermögen der Reiff-Firmen.

Positiv ist für Alec Reiff, dass nun für Kunden, Lieferanten und Beschäftigte die Planungssicherheit bestehe, dass es bei dem seit 1910 bestehenden Reutlinger Betrieb prinzipiell weitergehe. Mit Eriks sei unter zahlreichen Bewerbern "eine der internationalen Größen in unserer Branche mit über einer Milliarde Euro Umsatz zum Zuge gekommen. "Wir sind sicherlich eine perfekte Ergänzung im Erstausrüstungsgeschäft für sie", sagte Reiff. Er denke zudem, es habe eine gute Abwägung von kommerziellen Interessen und sozialer Verantwortung gegeben.

Eriks, gegründet 1940 von Arie Eriks, international tätiger Industriespezialist für technische Komponenten und Services, hat über 5.000 Beschäftigte und gehört seit dem vergangenen Jahr der US-Investmentgesellschaft Lone Star. (GEA)