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Verdi: Ohne Transfergesellschaft Schlecker-Jobs gefährdet

STUTTGART. Ohne eine Transfergesellschaft werden nach Prognose der Gewerkschaft Verdi bei der Drogeriekette Schlecker noch mehr Stellen als ursprünglich geplant wegfallen. »Denn die 12 000 Frauen, die Ende März ihre Jobs verlieren, werden Kündigungsschutzklagen einreichen mit großer Aussicht auf Erfolg«, erläuterte Verdi-Landeschefin Leni Breymaier im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag in Stuttgart.

Fenster einer Filiale des Drogeriekonzerns Schlecker in Düsseldorf. Foto: Martin Gerten/Archiv
Fenster einer Filiale des Drogeriekonzerns Schlecker in Düsseldorf. Foto: Martin Gerten/Archiv
Fenster einer Filiale des Drogeriekonzerns Schlecker in Düsseldorf. Foto: Martin Gerten/Archiv
»Ein solches Risiko nimmt kein Unternehmer auf sich«, sagte sie mit Blick auf mögliche Investoren. Damit seien auch die Arbeitsplätze der rund 18 000 Mitarbeiterinnen gefährdet, die im Unternehmen und dessen Tochter IhrPlatz bleiben sollen.

Die Gewerkschafterin sieht wie Landeswirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) auch nach der Absage aus dem Bundeswirtschaftsministerium den Bund in der Pflicht, mit einem KfW-Kredit die Transfergesellschaft zu ermöglichen. »Als Plan B müssten die Länder einspringen.« Nach den Worten von Breymaier könnten bundesweit zehn bis zwölf Transfergesellschaften entstehen; darunter auch eine für den Südwesten. Für diese müsste im Ernstfall die landeseigene L-Bank finanziell gerade stehen.

In den Transfergesellschaften werden nach den Worten Breymaiers die Stärken und Schwächen der früheren Schlecker-Mitarbeiterinnen analysiert. Dann werde nach passenden Weiterqualifizierungen und neuen Jobs gefahndet; durch das »Parken« der Mitarbeiterinnen werde auch deren mögliche Rückkehr zu Schlecker erleichtert. Für ein halbes Jahr Transfergesellschaft würden 71 Millionen Euro gebraucht, damit die Frauen einen Gutteil ihres früheren Netto-Gehaltes weiterbeziehen könnten. »Lieber wäre uns allerdings ein Jahr«, sagte die stellvertretende SPD-Landeschefin.

Breymaier kritisierte, dass die Politik eher Männer- als Frauenarbeitsplätze unterstütze. »Eine Woche nach dem Internationalen Frauentag erwarte ich, dass die Politiker sich an ihr Bekenntnis zur Frauengleichstellung erinnern und etwas für den Erhalt dieser Frauenarbeitsplätze tun.« Die Schlecker-Mitarbeiterinnen hätten sich im Laufe der Jahre ordentliche Arbeitsbedingungen erstritten. Für ihre unbefristeten Arbeitsverträge mit meist mehr als 30 Wochenstunden sei auch bei großem Personalbedarf im Einzelhandel nicht so leicht Ersatz zu finden. »Für die meisten Frauen ist das nicht nur ein Zuverdienst, sondern oft die einzige Einkommensquelle.«

Schlecker sei auch der Lackmus-Test dafür, wie viel der öffentlichen Hand Dienstleistungsarbeitsplätze wert seien. »Bei der Abwrackprämie für die männerdominierte Autoindustrie hat man Kreativität und Tempo an den Tag gelegt, die wir auch für Schlecker bräuchten.« Schnelle Lösungen seien gefragt, weil Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ab dem 28. März mit seinem Privatvermögen hafte.

Ein Erhalt der Filialen sei nicht nur für die Frauen und ihre Familien wichtig, sondern auch für die Infrastruktur auf dem Land, sagte die Gewerkschaftschefin. »Oft sind die Schlecker-Läden die einzige Einkaufsmöglichkeit in kleinen Orten und Treffpunkte der Bewohner.« (dpa)