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Stellenabbau bei Kärcher Municipal in Reutlingen geringer als angekündigt

Kärcher Municipal (ehemals Holder) verlagert den Großteil der Fertigung nach Lettland. Statt 59 Stellen, wie zunächst angekündigt, fallen 30 weg.

Blick auf den Standort der Kärcher Municipal GmbH im Industriegebiet Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt (Mahden).
Blick auf den Standort der Kärcher Municipal GmbH im Industriegebiet Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt (Mahden). Foto: Meyer
Blick auf den Standort der Kärcher Municipal GmbH im Industriegebiet Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt (Mahden).
Foto: Meyer

REUTLINGEN/WINNENDEN.. Beim Spezialfahrzeughersteller Kärcher Municipal GmbH (früher Holder) mit Sitz im Industriegebiet Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt (Mahden) sollen im Zuge der geplanten Verlagerung der Fertigung nach Lettland weniger Stellen wegfallen als bisher geplant: Statt 59 der 240 Arbeitsplätze am Standort, wie Anfang Februar angekündigt, sind nunmehr 30 betroffen. Kündigungen sind zum 31. März 2025 vorgesehen. Dies teilten die Pressestelle des Kärcher-Konzerns in Winnenden (bei Stuttgart) und die IG Metall Reutlingen-Tübingen auf Anfragen des GEA mit. Es sei nach mehreren Verhandlungsrunden zu einer Einigung zwischen den Vertretern des Arbeitgebers und der Arbeitnehmer auf einen Interessenausgleich und Sozialplan gekommen, hieß es.

Demnach wird zwar der Großteil der bisherigen Fertigung in Reutlingen an den lettischen Standort Raubeni von Kärcher verlagert. Eine kleine Geräteträger-Reihe (S-Reihe) verbleibt jedoch in Reutlingen. Zudem ist vorgesehen, dass die bisher an eine Partnerfirma in Karlsruhe ausgelagerte Ersatzteillogistik ins Haus zurückgeholt wird.

Hohe Abfindungen

Nach dem Interessenausgleich sollten 38 Stellen wegfallen, berichtete Ludwig Joos von der IG Metall. Dank erfolgreicher interner Stellenvermittlung habe die Anzahl der betroffenen Mitarbeitenden auf 30 verringert werden können, schrieb Anouk von Hochmeister von der Kärcher-Pressestelle ergänzend.

Für den Verlust ihrer Arbeitsplätze sollen die Betroffenen Abfindungen erhalten. Die Höhe dieser Abfindungen wollten Joos und von Hochmeister nicht beziffern. Nach Recherchen dieser Zeitung sollen diese Abfindungen jedoch deutlich höher sein als die oftmals in solchen Situationen angewandte Formel eines halben Bruttomonatsentgelts je Beschäftigungsjahr. Zum Angebotspaket gehört laut Joos zudem die Möglichkeit, von 1. April 2025 an für bis zu zwölf Monate bei 85 Prozent des letzten Nettoeinkommens in eine Transfergesellschaft zu wechseln und dort für eine neue Aufgabe qualifiziert zu werden.

Dass nun nicht ein Viertel der Stellen bei Kärcher in Reutlingen wegfalle, sondern ein Achtel, ist Joos zufolge auf die Kampfbereitschaft der Arbeitnehmer zurückzuführen. Wie berichtet, kam es Anfang Februar, gleich nach Bekanntwerden der Verlagerungspläne von Kärcher, zu einer Protestaktion auf der Straße vor dem Firmenstandort. In einer umfangreichen Informations- und Verhandlungsphase hätten Betriebsrat und IG Metall ein Alternativkonzept zur Verlagerung erarbeitet. »Darin war auch der Erhalt von Baureihen in Reutlingen und das Insourcing des Ersatzteillagers enthalten«, erklärte der Gewerkschaftssekretär.

Wettbewerbsfähigkeit im Blick

Wichtig sei der IG Metall zudem gewesen, nicht nur den akuten Notfall zu regeln, sondern auch ein Stück weit Vorsorge für die Zukunft zu treffen. Daher sei zum 1. September 2024 auch ein Zukunftstarifvertrag für Kärcher Municipal in Kraft getreten, der eine Standort- und Beschäftigungssicherung bis Ende 2026 sowie gewisse Investitionen vorsehe – ebenso Unterrichtungs- und Beratungsrechte des Betriebsrats.

Kärcher Municipal stellt Traktoren und Zugmaschinen her, die vor allem bei Kommunen zum Kehren, Mähen und im Winterdienst zum Einsatz kommen. 1888 unter der Firmierung Holder gegründet, überstand der Betrieb drei in den Jahren 1986, 2001 und 2008 beantragte Insolvenzverfahren. 2018 zog er von Metzingen ins gemeinsame Industriegebiet von Reutlingen und Kirchentellinsfurt um. 2019 übernahm Kärcher den Traditionsbetrieb und benannte ihn 2020 um. Trotz hoher Investitionen haperte es mit der Wettbewerbsfähigkeit. Dies soll sich mit der Produktionsverlagerung nach Lettland verbessern. Der Reinigungsgerätehersteller Kärcher beschäftigt nach früheren Angaben weltweit 16.000 Personen, 2023 erreichte der Familienkonzern einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro. (GEA)