REUTLINGEN. Die Nachfrage in der Logistikbranche ist ein Gradmesser für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Drei Jahre Wirtschaftskrise haben bei der traditionsreichen internationalen Spedition Hasenauer + Koch in Reutlingen entsprechend zu einem deutlichen Rückgang bei der beförderten Gütermenge geführt. »Wir mussten gegensteuern«, sagt der alleinige Inhaber und Geschäftsführer Alexander Benz, 67, im Gespräch mit dem GEA. Seit Mitte vergangenen Jahres habe das Unternehmen die Zahl der Arbeitsplätze um 40 auf 190 und die Zahl der Lastwagen um 10 auf 75 verringert.
»Es hat keine Kündigungen gegeben. Wir haben Abgänge nicht ersetzt«, erklärt Catharina Benz, 38, Tochter von Alexander Benz sowie Prokuristin und Personalleiterin bei Hasenauer + Koch. Betroffen vom Abbau seien Stellen in der kaufmännischen Verwaltung, im Lager und bei den Fahrern gewesen. »Für die Beladung reichen nun statt drei zwei Schichten«, erläutert Prokurist Hartmut Pommranz, 56, operativer Leiter der Spedition.
Der mittelständische Betrieb, dessen Geschichte im Jahr 1859 als Zusteller für die Bahn mit Pferdefuhrwerken begann, ist breit aufgestellt. »Wir sind Spezialist für Stückgut und Teilladungen und erledigen die Ersatzteilversorgung für einen Automobilhersteller. Zudem kümmern wir uns um Umzüge von Privatleuten und Firmen«, berichtet Alexander Benz. Kerngeschäft sei die Organisation und Abwicklung von Gütertransporten durch Vermittlung fremder und Nutzung eigener Transportmittel. Hasenauer + Koch ist also Spedition und Fuhrunternehmen. Überdies bietet das Unternehmen seinen Kunden – vor allem aus Industrie und Handel – Dienstleistungen wie Etikettieren, Kommissionieren, Verpacken und Lagern an.
Umsatz- und Ertragsentwicklung
Als »eine Art Vollsortimenter unter den Speditionen« haben die Reutlinger »einen guten Blick auf alles«, so Benz. »Mitte 2024 haben wir gemerkt, dass sich die Wirtschaftsleistung dramatisch rückläufig entwickelt. Der Preiswettbewerb hat sich verschärft«, erzählt der Geschäftsführer.
Der Umsatz der Hasenauer + Koch GmbH & Co. KG sei im vergangenen Jahr gegenüber 2023 um 17 Prozent auf knapp 21 Millionen Euro geschrumpft. »2025 erwarten wir einen weiteren Rückgang auf 20 Millionen Euro«, sagt Benz. Auf die Frage nach der Ertragslage antwortet er: »Das Ergebnis 2024 war nicht zufriedenstellend. 2025 haben wir durch unsere Anpassung der Kapazität und der damit verbundenen Kostensenkung die Ertragslage gedreht und rechnen mit einem bescheidenen Gewinn.« Das unternehmerische Handeln habe also Wirkung gezeigt.
Dazu habe auch die Trennung von Subunternehmern gehört – etwa zehn Fahrzeuge im Jahr 2024. Alexander Benz hebt hervor, was der Geschäftsleitung bei allem Sparzwang wichtig gewesen sei: »Wir haben viele langjährige Mitarbeiter. Alle eigenen Fahrzeuge werden von Personen aus der Region Reutlingen-Tübingen gefahren. Wir sehen das als Wettbewerbsvorteil an.«
Kooperationen eingegangen
»Gesundschrumpfen geht nur bis zu einem gewissen Grad. Eine gewisse Größe muss sein«, macht Pommranz auf weitere Punkte der Krisenbewältigung aufmerksam. So sei zum einen durch Kooperationen mit anderen Speditionen die Auslastung der Sammelgutlinien verbessert worden. Eine neue Kooperation sei Hasenauer + Koch im Bereich Langgüter eingegangen – »Sendungen, die länger sind, als ein Lastwagen üblicherweise breit ist« (etwa Rohre, Stangen, Profile und Balken). Zum anderen gibt Pommranz das Ziel vor: »Wir wollen durch den Gewinn neuer Kunden und durch Zusatzaufträge mit Stammkunden wieder wachsen. Dafür sehen wir uns nun gut aufgestellt.«
Catharina Benz zufolge sind von den aktuell 190 Beschäftigten bei Hasenauer + Koch 50 als kaufmännische Angestellte in Verwaltung, Verkauf und Disposition tätig, 15 im Lager/Umschlag, 6 in der eigenen Fahrzeugwerkstatt, 20 in der Umzugssparte – und das Gros sind Fahrer. Catharina Benz leitet auch die Umzugssparte, die, über einen längeren Zeitraum betrachtet, für 10 bis 15 Prozent des Jahresumsatzes von Hasenauer + Koch stehe.
»Wir organisieren pro Jahr etwa 1.200 Umzüge, je etwa zur Hälfte gewerblich und privat«, teilt die Prokuristin mit. Über die Kooperation DMS Deutsche Möbelspedition funktioniere dieses Geschäft deutschlandweit: »So können wir auch bei einem Umzug von Reutlingen nach Hamburg helfen, denn DMS-Partner dort unterstützen uns dabei.« In diesem Geschäft sei im Übrigen nicht nur der Transport wichtig, sondern auch das Können von Schreinern und Elektrikern gefragt, wenn es um die Verpackung und Montage von Möbeln gehe. (GEA)

