REUTLINGEN. Die deutsche Volkswirtschaft ist im vergangenen Jahr um 0,2 Prozent geschrumpft. Die Morgenstern AG mit Hauptsitz in Reutlingen hat jedoch ihren Umsatz gegenüber 2023 um 4,5 Prozent auf 46,1 Millionen Euro gesteigert. Dies teilten im Gespräch mit dem GEA die Vorstandsmitglieder, die Brüder Robin und Thomas Morgenstern sowie Erhard Wezel mit. Das Wachstum des auf Druck- und Dokumentenmanagement in Büros spezialisierten Unternehmens sei maßgeblich durch verstärkte Nachfrage nach digitalen Lösungen entstanden – aber auch durch erfolgreiche Projekte rund um Drucker und Kopierer, wie Vorstandsvorsitzender Robin Morgenstern erläuterte.
»Die Gesamtprozessoptimierung steht in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten bei vielen unserer mittelständischen Kunden stark im Fokus«, sagte Robin Morgenstern, 47, der sich im Ehrenamt als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Reutlingen engagiert. »Wir können Transparenz in den Prozessen bei unseren Kunden herstellen und durch Digitalisierung für sie Mehrwerte schaffen«, fügte er hinzu.
Investitionen zahlen sich aus
Wezel, 63, Vorstandsmitglied für Technischen Service und Materialwirtschaft, berichtete, die Digitalisierungsaufträge seien zu jeweils 50 Prozent von Neu- und von Bestandskunden erteilt worden. »Wir hatten 2024 vor allem ein exzellentes erstes Halbjahr«, sagte er. Beim Neugeschäft hätten über 35 Prozent der Verträge Beratung und Begleitung (mit eigener Schulungsplattform) bei der Digitalisierung betroffen. Morgenstern hat in seinem klassischen Geschäft 43.000 Geräte in der analogen Dokumentenausgabe (drucken, kopieren, scannen) unter Vertrag und bietet seit über zehn Jahren verstärkt digitales Dokumentenmanagement (erfassen, verwalten, organisieren) mit entsprechenden Softwarelösungen an.
Das Unternehmen beschäftigt wie vor einem Jahr 310 Personen, darunter 41 Auszubildende. Von den 310 Beschäftigten sind 200 am Stammsitz in Reutlingen tätig. Die weiteren arbeiten an den Standorten Balingen, Crailsheim, Freiburg, Leonberg, Lörrach, Offenburg, Villingen-Schwenningen und Weingarten (alle Baden-Württemberg) sowie in Neu-Ulm (Bayern) und bei den Tochterfirmen Morgenstern Solutions AG in Basel (Schweiz) und Schäfer GmbH (Hof/Bayern).
Morgenstern habe 2024 seine Position als führendes unabhängiges Dokumentenhaus in Baden-Württemberg gefestigt, hoben die Vorstandsmitglieder hervor. »Unsere Investitionen in innovative Technologien und die kontinuierliche Weiterbildung unserer Belegschaft zahlen sich aus«, erklärte Robin Morgenstern. Sein Bruder, Finanzvorstand Thomas Morgenstern, 52, ergänzte, dass die digitalen Dienstleistungen neue, skalierbare Geschäftsmodelle bedeuteten: »Sie steigern unsere Wertschöpfung und festigen die Kundenbindung über klassische Produktlebenszyklen hinaus.«
Kraftakt Warenwirtschaftssystem
Der Familienbetrieb beziffert seine Ertragslage gegenüber Medien traditionell nicht. Es seien 2024 erneut schwarze Zahlen geschrieben worden, hieß es auf Nachfrage. Im elektronischen Unternehmensregister ist für die Morgenstern AG für das Geschäftsjahr 2023 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 0,9 Millionen Euro ausgewiesen.
Wezel wies darauf hin, dass Morgenstern im vergangenen Jahr in ein neues Warenwirtschaftssystem investiert habe, um interne Prozesse und die Servicequalität zu verbessern. »Das war ein Kraftakt. Jetzt haben wir eine Superbasis für die nächsten Jahre«, stellte Robin Morgenstern fest. Thomas Morgenstern bezifferte die Höhe der Investition auf Nachfrage »einen hohen sechsstelligen Betrag«.
Bernhard Morgenstern, 81, hat das Unternehmen 1971 gegründet. In der Morgenstern Holding GmbH & Co. KG, Reutlingen, sind heute Immobilien und Firmenanteile gebündelt. Deren Gesellschafter sind Bernhard Morgenstern und seine Kinder Thomas, Sabine und Robin. Die Holding hält 100 Prozent der Stammaktien an der Morgenstern AG.
Auch 2025 sei Morgenstern bisher gut unterwegs, berichtete Robin Morgenstern. »Ich habe keine Angst vor diesem Jahr. Wir werden unser Niveau halten«, sagte der Vorstandsvorsitzende. (GEA)

