HORB/TÜBINGEN. Die Mitglieder der Volksbank in der Region eG erhalten ihre Dividende für das Geschäftsjahr 2024 am Mittwoch, 4. Juni. Das beschloss die Vertreterversammlung des genossenschaftlichen Instituts mit Sitz in Tübingen in Horb. Ausgeschüttet werden 3,25 Prozent auf die Genossenschaftsanteile, davon 2,5 Prozent als Basisdividende und 0,75 Prozent als Zuschlag für einen »in schwierigem Umfeld« erzielten Erfolg, wie es Co-Vorstandsprecher Thomas Bierfreund formulierte. Im Vorjahr hatte der Zuschlag noch 1,25 Prozent betragen. Da war der Bilanzgewinn mit 6,4 Millionen Euro allerdings auch um über 400.000 Euro höher ausgefallen als 2024.
An die 88.909 Mitglieder werden so als Verzinsung ihrer Geschäftsanteile knapp über 1,9 Millionen Euro ausgeschüttet. Die übrigen im Jahr 2024 erwirtschafteten vier Millionen Euro steckt die Bank, ebenfalls nach einem einstimmigen Beschluss der von der Aufsichtsratsvorsitzenden Ingrid Zech geleiteten Vertreterversammlung in ihre Rücklagen. Damit ist der Gewinn von knapp sechs Millionen Euro bis auf 87.000 Euro, die auf neue Rechnung vorgetragen werden, verteilt.
Auf der Einnahmenseite, räumte Bierfreund ein, habe man sich zunächst mehr erhofft. Zwar wurde mit den zinsabhängigen Geschäften mit einem Überschuss von 80,3 Millionen Euro fast vier Millionen Euro über Plan erwirtschaftet, doch hatte man diesen auch mehr als zehn Millionen Euro unter dem Ergebnis des Vorjahres angesetzt. Das konnte mit einem um 1,8 Millionen auf 35,5 Millionen Euro verbesserten Provisionsüberschuss nicht wettgemacht werden. Auf der anderen Seite stellte der Vorstand fest, dass die Fusion mit der VR-Bank Dornstetten-Horb eG wie jede Fusion Geld gekostet habe, die Verwaltungskosten aber dennoch entgegen den Erwartungen um 1,3 Millionen auf 71,2 Millionen Euro gesenkt wurden. Ebenfalls zu Buche schlugen über zehn Millionen Euro Rückstellungen für das Kreditgeschäft. Dieses Geld ist für die Bank noch nicht verloren, wird aber erst wieder aktiviert, wenn die entsprechenden Darlehen zurückbezahlt sind. In Sachen Kreditvorsorge, so der Vorstand, sei man in den vergangenen zehn Jahren sehr verwöhnt worden, weil es bei ordentlicher bis guter Konjunktur kaum zu Kreditausfällen gekommen sei. Die jetzige Vorsorge müsse aber eher als Normalfall angesehen werden.
Blick auf Kredite und Einlagen
Dass der Zinsüberschuss von vornherein weit geringer eingeplant wurde, als er im Vorjahr ausgefallen war, begründete Co-Vorstandssprecher Jörg Stahl mit der wirtschaftlichen Großwetterlage. Der lahmende Wohnungsbau und die Investitionszurückhaltung der Unternehmen führten beim bilanziellen Kreditgeschäft der Volksbank zu einem Rückgang des Volumens von 0,2 Prozent oder sieben Millionen auf 3,541 Milliarden Euro, der in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres durch den anziehenden Wohnungsmarkt bereits wieder mehr als wettgemacht wurde (plus 18 Millionen auf 3,559 Milliarden Euro).
Bei den Einlagen verzeichnete die Volksbank einen Rückgang von 14 Millionen auf 3,87 Milliarden Euro. Ohne Großanleger, die mit ihren Anlagen schnell mal das Institut wechseln, habe man jedoch um 87 Millionen Euro oder 2,4 Prozent zugelegt, so Bierfreund. Den Rückgang der Bilanzsumme um 63 Millionen auf 4,88 Milliarden Euro im Vergleich zu den addierten Bilanzsummen vom 31. Dezember 2023 der beiden Fusionspartner, wertete als Beleg dafür, dass die zum 1. Januar 2024 wirksam gewordene Fusion der Volksbank mit Dornstetten-Horb sinnvoll sei. Die VR-Bank habe mehr Einlagen als Kredite mitgebracht, was es der Volksbank ermöglicht habe, teure Refinanzierungen für ihr Kreditgeschäft abzulösen.
Carsten Eisele, Prüfungsvorstand des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes berichtete, die Ertragslage der Bank sei zufriedenstellend. Er wies aber auf Beanstandungen bei der Risikoanalyse hin. Auf Nachfrage eines Vertreters erklärte dazu Bierfreund, durch einen Personalwechsel sei die Einschätzung der Bank nicht rechtzeitig vorgenommen geworden und deshalb zum Prüfungszeitpunkt älter als zwölf Monate gewesen. Der Fehler sei behoben.
Verabschiedung von Joos
Die Vertreterversammlung stand auch im Zeichen der Verabschiedung von Vorstand Gottfried Joos. Dieser war als Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Dornstetten-Horb mit der Fusion zum Vorstandsmitglied der Volksbank in der Region bestellt worden – und hatte dem Institut damit den Ruf eingebracht, es habe mit fünf Vorstandsmitgliedern landesweit den größten Vorstand. Der 63-Jährige wird zum 30. Juni ausscheiden. Er gehörte fast 32 Jahre dem Vorstand der Bank an. Stahl würdigte ihn als Kollegen mit klarer Haltung und viel Herzblut. Eisele zeichnete ihn im Namen des Genossenschaftsverbandes mit der Raiffeisen-Schulze-Delitzsch-Medaille aus.
Das Marktgebiet der Volksbank in der Region eG ist durch mehrere Fusionen entstanden. Es umfasst sechs Regionen: Dornstetten-Horb, Herrenberg, Nagold, Rottenburg, Steinlach-Wiesaz-Härten und Tübingen. (GEA)

