METZINGEN. Der Vorstand von Hugo Boss in Metzingen sieht 2026 als Übergangsjahr – mit Rückgängen beim Umsatz und Ergebnis für den Modekonzern. Erst für 2027 stellt er eine Rückkehr zu Wachstum in Aussicht. Dies geht aus der am Mittwoch vom Vorstandsvorsitzenden Daniel Grieder, 64, und seinen Vorstandskollegen Yves Müller, 56, und Oliver Timm, 54, vorgestellten Konzernstrategie namens »Claim 5 Touchdown« hervor.
Es ist die Fortschreibung bis ins Jahr 2028 der 2021 nach Grieders Amtsantritt ausgearbeiteten Wachstumsstrategie »Claim 5«. An der Börse kam die Aktualisierung der Strategie vor allem wegen des Ausblicks für 2026 schlecht an. Die Hugo-Boss-Aktie büßte am Vormittag gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag (39,15 Euro) zeitweise um über 11 Prozent ein. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 48,09 Euro, das 52-Wochen-Tief bei 30,86 Euro.
»Nach den Erfolgen der letzten Jahre treten wir nun bewusst einen Schritt zurück, um uns auf das Wachstum von morgen vorzubereiten«, wird Grieder in einer Pressemitteilung zitiert. Der Fokus werde in den kommenden Jahren auf der kontinuierlichen Verbesserung der Marken, des Vertriebs und des Bereichs Operations (etwa bei den Themen Beschaffung, Logistik und generell durch Nutzung künstliche Intelligenz) gelegt, kündigte er an. Dies werde »letztlich langfristig Wert für unsere Aktionärinnen und Aktionäre schaffen«, so Grieder weiter.
Straffung von Prozessen
Dabei werde 2026 »ein Jahr der Anpassung« sein, hieß es. Das Geschäft von Hugo Boss solle durch die Straffung von Prozessen, die Überarbeitung des Sortiments und die Optimierung des Vertriebsnetzwerkes gestärkt werden. Dadurch solle die Effizienz gesteigert und die Voraussetzungen für eine Rückkehr zu Umsatz- und Ergebniswachstum ab 2027 geschaffen werden.
Finanzvorstand Müller nannte 2026 »ein Jahr der Konsolidierung und bewussten Refokussierung«. Daher werde im kommenden Jahr ein währungsbereinigter Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Bereich erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) solle zwischen 300 Millionen und 350 Millionen Euro betragen.
Für 2024 hatte Hugo Boss bei einem Umsatz von 4,307 Milliarden Euro ein Ebit von 361 Millionen Euro und ein Konzernergebnis von 224 Millionen Euro ausgewiesen. Anfang November teilte der Konzern für das laufende Jahr mit, es werde mit einem Umsatz von 4,2 Milliarden Euro und einem Ebit von 380 Millionen Euro gerechnet. Ende September beschäftigte der Konzern weltweit knapp 17.900 Menschen, davon etwa 3.600 in Metzingen.
Ziel: Ebit-Marge von 12 Prozent
»Claim 5 Touchdown« baue auf den bisherigen Erfolgen auf und konzentriere sich auf Effizienzsteigerungen für zukünftiges, nachhaltiges Wachstum, betonte Hugo Boss. Mittel- bis langfristig strebe das Unternehmen an, schneller als der Markt zu wachsen und eine Ebit-Marge von 12 Prozent zu erzielen. Im vergangenen Jahr lag die Ebit-Marge, also Ebit geteilt durch Umsatz, bei 8,4 Prozent. Im laufenden Jahr soll sie sich auf Grundlage der oben genannten Prognosen für Ebit und Umsatz bei 9,0 Prozent errechnen.
Rückblick: Im Jahr 2020 hatte Hugo Boss mit damals knapp 13.800 Beschäftigten bei einem Umsatz von knapp 2 Milliarden Euro einen Verlust von 219 Millionen Euro gemacht. Im August 2021 stellte Grieder, seit Anfang Juni 2021 Vorstandsvorsitzender, seine Wachstumsstrategie »Claim 5« vor. Sie sah bis 2025 unter anderem mit neuen Markenauftritten, erhöhten Marketingausgaben und verstärkter Digitalisierung eine Verdoppelung des Umsatzes auf 4 Milliarden Euro vor. Dieses Umsatzziel wurde bereits 2023 übertroffen.
Das im Jahr 2021 ausgerufene Ziel einer Ebit-Marge von 12 Prozent blieb aber bislang unerreicht. Im Interview mit dem GEA im vergangenen Sommer hatte Grieder berichtet, dass eine neue Strategie aufgestellt und im vierten Quartal veröffentlicht werden und dabei »ein stärkerer Fokus auf Profitabilität« gelegt werden solle. (GEA)

