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Aktuell Wirtschaft

Konsum ist der größte Konkurrent

VON UWE ROGOWSKI

TÜBINGEN. Der börsennotierte Finanzdienstleister MLP mit Sitz in Wiesloch bei Heidelberg befürwortet als Folge der Finanzmarktkrise die politischen Bemühungen um mehr Qualität in der Branche. »Wichtig wird aber sein, dass die Regulierungsschritte und Gesetzesinitiativen an den Kunden ausgerichtet sind«, sagt MLP-Chef Dr. Uwe Schroeder-Wildberg dem GEA anlässlich eines Besuchs in der MLP-Geschäftsstelle in Tübingen. Er kündigt an, dass MLP in den nächsten Tagen einen Vorschlag zum Berufsbild des Finanzberaters in die Diskussion hineingeben werde.

Über Qualität in der Branche werde oft verkürzt gesprochen, so Schroeder-Wildberg: »Qualität entsteht durch verschiedene Aspekte. Sie hängt ab von der Qualität der Berater, deren Aus- und Weiterbildung, dem Produktmanagement, der Technologie und der Unabhängigkeit eines Anbieters, die letztlich den Beratern die Chance gibt, ausschließlich am Kunden ausgerichtet zu sein.« Mit Blick auf das Unternehmen, dem er seit 2004 vorsteht, kommt der promovierte Diplom-Kaufmann zum Schluss: »MLP ist eine Blaupause für einen modernen, unabhängigen, am Kunden ausgerichteten Finanzberater.«

Eicke Marschollek und Manfred Lautenschläger gründeten Marschollek, Lautenschläger & Partner (MLP) 1971. Heute steht der Konzern für 2 000 angestellte Mitarbeiter und 2 400 selbstständige Berater in 247 Geschäftsstellen. Im vergangenen Jahr stand bei Gesamterlösen von 598 Millionen Euro ein Ergebnis von knapp 25 Millionen Euro zu Buche.

Seit 1991 in Tübingen vertreten

In Tübingen ist MLP seit 1991 vertreten und verfügt dort heute über zwei Geschäftsstellen, in denen unter der Leitung von Claudia Martina Hümer 30 Berater tätig sind. Diese betreuen in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen, Zollernalb und Böblingen etwa 6 500 Kunden. Der Umsatz von MLP Tübingen in 2008 belief sich auf 3,3 Millionen Euro.

MLP sieht sich als Finanz- und Vermögensberater für Akademiker und anspruchsvolle Kunden - »und das lebensbegleitend, individuell und unabhängig«, wie Schroeder-Wildberg hinzufügt. Die Berater, zu über 80 Prozent Akademiker, verdienen ihr Geld durch Provisionen. Sie durchlaufen eine zweijährige interne Ausbildung und werden danach fortlaufend in der eigenen Unternehmensuniversität weitergebildet. Dadurch, dass MLP keine eigene Produktion habe, gebe es auch keinen Druck, eigene Produkte zu platzieren, so der Vorstandsvorsitzende. Die Berater könnten ihren Kunden vielmehr aus einem qualitätsgesicherten und überwachten Produktportfolio Angebote unterbreiten.

Diese Geschäftsphilosophie sei aufwändig. Im Hinblick auf die Finanzmarktkrise stellt Schroeder-Wildberg aber fest: »Bei uns haben eben Lehman-Zertifikate keine Rolle gespielt.« Für das breit angelegte, langfristig orientierte Gesamtkonzept spreche auch, dass die Zahl der Beschwerden, die auf seinem Tisch landeten, auch in der Finanzmarktkrise »auf erfreulich niedrigem Niveau« geblieben sei.

Altersvorsorge, Gesundheitsvorsorge, Sachversicherungen, Immobilienkredite und Vermögensverwaltung sind dominierende Alltagsthemen bei MLP. Schroeder-Wildberg, Jahrgang 1965, erinnert daran, dass die staatliche Rente künftig nur noch eine Basisabsicherung sein wird, weil sich das Verhältnis von Berufstätigen und Nicht-Berufstätigen ändert: »Die Generation, die in 20 bis 30 Jahren in den Ruhestand tritt, wird zu einem erheblichen Maße von der getroffenen privaten und betrieblichen Vorsorge abhängig sein. Die muss aufgebaut werden.«

Die Kunden von MLP seien im Durchschnitt 40 Jahre alt und müssten jetzt von der Bedeutung einer zusätzlichen Alters- und Gesundheitsvorsorge überzeugt werden. »Sind wir mal ehrlich: Die Themen übersieht man oft ganz gern oder schiebt sie. Doch irgendwann wird man sich der Lücken bewusst - aber dann kann es schon zu spät sein.« Er weist darauf hin, dass etwa Berufsunfähigkeitsversicherungen und private Krankenversicherungen in jungen Jahren günstiger zu haben seien. In der Altersvorsorge dürfe der Zinseszins nicht unterschätzt werden: »Jedem muss klar sein, welche enormen Vorteile es hat, 5 oder 10 Jahre früher mit der Vorsorge anzufangen. Der Konsum ist dabei unser größter Wettbewerber.«

Schroeder-Wildberg macht darauf aufmerksam, dass durch das Bürgerentlastungsgesetz ab 2010 die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung steuerlich absetzbar werden. Bei einem Brutto-Jahreseinkommen von 50 000 Euro stünden dann netto 1 200 Euro mehr zur Verfügung. Der MLP-Chef rät dazu, diese Mehr-Liquidität für die Altersvorsorge zu nutzen. Je nach Alter sei dann später eine zusätzliche Monatsrente von 500 bis 800 Euro drin. (GEA)