REUTLINGEN/TÜBINGEN. Das Amtsgericht Tübingen hat am Mittwoch, 10 Uhr, Insolvenzverfahren über das Vermögen der beiden wichtigsten Firmen der traditionsreichen Reutlinger Unternehmensgruppe Reiff eröffnet – wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.
Es handelt sich dabei um die Muttergesellschaft Reiff Holding GmbH & Co. KG (Sitz: Reutlingen, zwei Beschäftigte) und um die wesentlichste am Markt auftretende Einheit Reiff Technische Produkte GmbH (Sitz: Reutlingen, 450 Beschäftigte, davon 415 an drei Standorten in Reutlingen). In beiden Fällen hat das Insolvenzgericht Eigenverwaltung angeordnet und den Stuttgarter Rechtsanwalt Martin Mucha, 55, von der Kanzlei Grub Brugger zum Sachwalter bestellt, wie aus einer Bekanntmachung weiter hervorgeht. Mucha hat die Aufgabe, die Verfahren im Interesse der Gläubiger zu überwachen.
Wie berichtet, hatte die seit dem Jahr 1910 bestehende Reiff-Gruppe Ende Juli bekannt gegeben, dass sie für die beiden Unternehmen Sanierungen in Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung anstrebe. Am Mittwoch teilte Reiff mit, nun würden die bislang vorläufigen Verfahren in die nächste Phase überführt.
Investorenprozess läuft
Der Geschäftsbetrieb der Reiff Technische Produkte GmbH werde auch im eröffneten Verfahren uneingeschränkt fortgesetzt, heißt es im Pressetext von Reiff. Alle im vorläufigen Verfahren getroffenen Vereinbarungen und laufenden Bestellungen behielten auch nach Insolvenzeröffnung ihre Gültigkeit.
Die Eigenverwaltung ermögliche es dem Unternehmen, die erforderlichen Restrukturierungsmaßnahmen innerhalb eines gerichtlichen Rahmens selbstbestimmt umzusetzen. Seit Antragstellung laufe zudem ein Investorenprozess, der sich positiv entwickele. »Ziel ist es, bis Ende 2025 eine tragfähige Lösung zum Erhalt des Geschäftsbetriebs zu erreichen«, teilte die Reiff-Gruppe wörtlich mit.
Die Geschäftsführung von Reiff werde weiterhin durch den promovierten Rechtsanwalt Holger Leichtle, 54, und den promovierten Diplom-Kaufmann und Rechtsanwalt Thomas Rieger, 43, beide Partner der Kanzlei Görg (Stuttgart), beraten, denen Generalvollmacht erteilt worden sei. »Nach der Verfahrenseröffnung können wir die Sanierungsmaßnahmen konsequent vorantreiben. Gleichzeitig arbeiten wir intensiv an einer langfristigen Investorenlösung«, wird Leichtle zitiert »Als Familienunternehmen ist es uns ein besonderes Anliegen, Verantwortung für unsere Mitarbeitenden zu übernehmen und Reiff nachhaltig neu auszurichten«, wird der geschäftsführende Gesellschafter Alec Reiff, 47, wiedergegeben.
Auslandsgesellschaften nicht betroffen
Die Reiff-Gruppe versteht sich als Experte für Antriebs-, Fluid- und Dichtungstechnik sowie für Anwendungen aus Gummi und Kunststoff und zählt sich zu den fünf führenden Firmen der Branche in Deutschland. Sie beschäftigt aktuell nach eigenen Angaben 575 Personen in vier Ländern an 13 Standorten.
Die Insolvenzverfahren betreffen ausschließlich die deutschen Gesellschaften der Gruppe. Neben den beiden Reutlinger Firmen gehört noch die Kremer GmbH mit Sitz im hessischen Wächtersbach mit 43 Beschäftigten dazu, für die, wie berichtet, im September ein Regelinsolvenzverfahren beantragt wurde. Die Gesellschaften in Belgien, China und Luxemburg mit zusammen 80 Beschäftigten seien nicht von Insolvenzverfahren betroffen, so Reiff.
Das Amtsgericht hat die Insolvenzgläubiger aufgefordert, Insolvenzforderungen bis 6. November 2025 bei Sachwalter Mucha schriftlich anzumelden. Es hat zudem für den 11. Dezember 2025 Gläubigerversammlungen in Tübingen angesetzt. (GEA)

