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Aktuell Handwerk

Gesamtumsatz im Reutlinger Kammerbezirk gesunken

Christiane Nowottny, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Reutlingen stellt Daten für das vergangenen Jahr vor. Der Gesamtumsatz und Zahl der Beschäftigten der Betriebe in der Region ist gesunken.

Berichteten dem GEA über die Lage des regionalen Handwerks (von links): Pressesprecherin Sonja Madeja, Hauptgeschäftsführerin Ch
Berichteten dem GEA über die Lage des regionalen Handwerks (von links): Pressesprecherin Sonja Madeja, Hauptgeschäftsführerin Christiane Nowottny und Pressesprecher Udo Steinort von der Handwerkskammer Reutlingen. Foto: Frank Pieth
Berichteten dem GEA über die Lage des regionalen Handwerks (von links): Pressesprecherin Sonja Madeja, Hauptgeschäftsführerin Christiane Nowottny und Pressesprecher Udo Steinort von der Handwerkskammer Reutlingen.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Die schwache gesamtwirtschaftliche Lage war im vergangenen Jahr auch im regionalen Handwerk zu spüren. Der Gesamtumsatz sank gegenüber 2023 um 0,384 Milliarden Euro oder 3,28 Prozent auf 11,328 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten schrumpfte um 2.079 beziehungsweise 2,63 Prozent auf 77.121. Dies geht aus der Broschüre »Zahlen – Daten – Fakten 2024/2025« der Handwerkskammer Reutlingen hervor, die für über 13.800 Betriebe in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb zuständig ist. Christiane Nowottny, Hauptgeschäftsführerin der Kammer, Pressesprecherin Sonja Madeja und Pressesprecher Udo Steinort erläuterten dem GEA wichtige Entwicklungen und stellten dabei zudem den erstmals zusammengestellten Jahresbericht (für 2024) vor.

Neben der konjunkturell bedingten schwächeren Auftragslage gebe es ein strukturelles Problem, deutete Nowottny die Zahlen für Umsatz und Beschäftigung: Seit Jahren sei die Zahl der Betriebe nach Anlage A der Handwerksordnung rückläufig. Diese 53 zulassungspflichtigen Gewerbe vom Augenoptiker bis zum Zweiradmechaniker stünden für das Gros der Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie des Umsatzes im Handwerk. Für sie ist die bestandene Meister-, Techniker- oder Ingenieurprüfung oder eine Ausnahmebewilligung der Handwerkskammer für die Selbstständigkeit erforderlich.

Anlagen A, B1 und B2

Insgesamt blieb die Zahl der Handwerksbetriebe im Reutlinger Kammerbezirk zwischen Ende 2023 und Ende 2024 mit exakt 13.812 konstant. Doch bei den Anlage-A-Betrieben hat es einen Rückgang um 132 oder 1,43 Prozent gegeben – bei 440 Zugängen, aber 572 Abgängen. Dies wurde durch einen Anstieg um 135 oder 4,59 Prozent auf 3.075 bei den Betrieben nach Anlage B1 der Handwerksordnung ausgeglichen – bei 507 Zugängen und 372 Abgängen. Bei den über 40 B1-Berufen vom Bestattungsgewerbe bis zum Zupfinstrumentenmacher ist kein Befähigungsnachweis für eine Selbstständigkeit notwendig; die Ablegung der Meisterprüfung ist aber als Qualitätssiegel möglich. Zudem gibt es über 50 handwerksähnliche Berufe gemäß Anlage B2 der Handwerksordnung vom Änderungsschneider bis zur Theaterkostümnäherin. Die Zahl der B2-Betriebe im Bezirk der Reutlinger Kammer verringerte sich 2024 – bei 199 Zugängen und 202 Abgängen um drei auf 1.645.

Nowottny wies darauf hin, dass jeder zweite Betriebsinhaber im baden-württembergischen Handwerk über 50 Jahre alt sei und sagte: »Wir müssen unsere Betriebe bei der Klärung der Nachfolge-Frage unterstützen.« Im Kammerbezirk stünden rund 20 Prozent der Betriebe vor einer Übergabe, wobei inzwischen nicht mal jeder zweite Betrieb von einem Familienangehörigen fortgeführt werde.

Auch die Fachkräftesicherung bleibe eine zentrale Aufgabe. Daher freute sich die Hauptgeschäftsführerin, dass die Reutlinger Kammer 2024 bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen mit plus 6,72 Prozent den stärksten Zuwachs unter den acht Handwerkskammern in Baden-Württemberg erreichte: »Diese Entwicklung zeigt, dass unsere Bemühungen, junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, Früchte tragen.« Dazu zählten gezielte Beratungsangebote, Ansprache an Schulen und Zusammenarbeit mit den Betrieben.

 

Die beiden Vertreterinnen und der Vertreter der Kammer machten darauf aufmerksam, dass die veröffentlichten Umsätze und Beschäftigtenzahlen wie in den Vorjahren Schätzungen seien, abgeleitet aus Zahlen des Statistischen Landesamts. Dabei veranschlage die Kammer beim Umsatz 9,6 Prozent und bei der Beschäftigung 9,9 Prozent der Landeswerte. Daraus wiederum lassen sich ein durchschnittlicher Umsatz je Betrieb im Kammerbezirk von 820.156 (Vorjahr: 847.958) Euro sowie ein Pro-Kopf-Umsatz von 146.886 (Vorjahr: 147.879) Euro ermitteln – ebenso eine durchschnittliche Betriebsgröße von 5,58 (Vorjahr: 5,73) Beschäftigten.

Mit 1.004 Unternehmen führen die Friseure die Betriebsstatistik der Reutlinger Kammer an, gefolgt von den Kosmetikerinnen (870 Betriebe), den Elektrotechnikern (856), Gebäudereinigern (830) und den Kraftfahrzeugtechnikern (820). Es gibt indes auch einen Innerei-Fleischer (Kuttler)-, zwei Bogenmacher-, drei Seiler- und 14 Wachszieher-Betriebe. (GEA)