Lars Feld ist einer der fünf Weisen im Sachverständigenrat der deutschen Wirtschaft und Leiter des renommierten Walter-Eucken-Instituts in Freiburg. Auch wenn er mit der Regierung hart ins Gericht geht, zeichnet er ein durchaus positives Bild der aktuellen Lage: »Wir befinden uns derzeit in einer dynamischen konjunkturellen Phase«. Der Wirtschaftsweise sieht auch Europa – außer Italien und Frankreich – auf einem guten Weg.
Die Eurozone erhole sich trotz einiger Risiken schneller als erwartet und die deutsche Wirtschaft glänze mit durchweg positiven Zahlen: So haben die fünf Wirtschaftsweisen die Steigerung des Bruttoinlandsprodukts für dieses Jahr auf 1,6 Prozent nach oben korrigiert. Auch die Preisstabilität sei gewährleistet und die Arbeitslosenzahlen werden 2014 noch einmal leicht zurückgehen (von 6,9 Prozent 2013 auf 6,8 Prozent 2014). Selbst die Krimkrise sieht Feld nicht als Risikofaktor: »Es wird gewisse Auswirkungen geben, aber ich bin überzeugt, dass sich die Krise kaum auf die Situation Deutschlands auswirken wird.«
Also alles im grünen Bereich? »Keineswegs«, meint der gebürtige Saarbrücker, »denn die Große Koalition dreht die Reformen der Sozialversicherungssysteme mit einer rückwärts gewandten Wirtschaftspolitik zurück«. Er begründet seine düstere Prognose mit den Regierungsplänen, einen Mindestlohn ohne Öffnungsklauseln einzuführen. Das führe zu mehr Arbeitslosigkeit. Zudem kritisiert er die Einführung der Rente mit 63 und sieht durch die geplante Mütterrente »starke Belastungen mit handfesten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt« auf uns zukommen: »Eigentlich wäre eine Erhöhung und nicht eine Herabsetzung des Renteneintrittsalters angesagt«, meint Feld und begründet dies mit der demographischen Entwicklung in Deutschland.
