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Aktuell Landschaftsbau

Der Begeisterer für die grüne Branche aus Pliezhausen hört auf

Reiner Bierig, seit knapp 32 Jahren Geschäftsführer des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg, geht in Ruhestand.

Reiner Bierig freut sich darauf, mehr Zeit mit seinen Enkeln verbringen zu dürfen.
Reiner Bierig freut sich darauf, mehr Zeit mit seinen Enkeln verbringen zu dürfen. Foto: Schanz
Reiner Bierig freut sich darauf, mehr Zeit mit seinen Enkeln verbringen zu dürfen.
Foto: Schanz

REUTLINGEN/PLIEZHAUSEN. »Ich hatte eine wunderbare Zeit beim Verband«, sagt Reiner Bierig als Gast des GEA. Seit Anfang März 1994, also seit 31 Jahren und zehn Monaten, wirkt er als Geschäftsführer des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg. Dem leidenschaftlichen Vertreter seiner Branche ist es dabei sehr gut gelungen, andere fachkundig und freundlich für seine Sache zu begeistern. Etwa mit für ihn typischen Sätzen wie: »Gestalten mit Grün hat was mit Lebensqualität zu tun – ein Garten macht glücklich.« Zum Jahresende geht der in Pliezhausen wohnende Diplom-Agraringenieur mit 64 in den Ruhestand.

Der Verband hat 2025 sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. »Das war für mich auch ein guter Anlass für einen Generationswechsel«, sagt Bierig. Marco Riley, 43, gelernter Landschaftsgärtner sowie studierter Landschaftsarchitekt (Nürtingen) und Master Landschaftsbau (Osnabrück), seit zehn Jahren für den Verband tätig, ist seit Anfang dieses Jahres Co-Geschäftsführer – und vom kommenden Jahr an Bierigs Nachfolger an der Spitze im Haus der Landschaftsgärtner in Leinfelden-Echterdingen-Musberg (Landkreis Esslingen).

Der Gala-Bau-Verband im Südwesten hat 21 Beschäftigte, davon 14 in Musberg und 7 im überbetrieblichen Ausbildungszentrum in Heidelberg. Er ist zudem Mehrheitsgesellschafter der Deula gGmbH, einer Bildungseinrichtung für die grüne Branche in Kirchheim/Teck (Landkreis Esslingen) mit 30 Beschäftigten; Deula steht für Deutsche Lehranstalt für Agrartechnik.

In Bad Mergentheim geboren

Der Verband ist Interessenvertreter, macht Öffentlichkeitsarbeit, beteiligt sich an Messen und Gartenschauen und bietet Schulungen für Unternehmer und Mitarbeitende von Betrieben zu kaufmännischen und technischen Themen an. Bierig wird auch die Leitung der Grün-Company GmbH an Riley abgeben. Über diese Tochterfirma des als eingetragenen Vereins geführten Verbands laufen wirtschaftliche Betätigungen (Messen, Gartenschauen und Fortbildungen). »In normalen Jahren macht die Grün-Company etwa 700.000 Euro Umsatz, in Jahren einer Bundesgartenschau können es aber auch über 3 Millionen Euro sein«, erklärt Bierig auf Nachfrage.

Er wurde im Mai 1961 in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) geboren. Als Jugendlicher hat er auf dem elterlichen Bauernhof mitgeholfen. Er wurde früh Vater und Ehemann, fuhr als Student (»fünf Jahre lang und zwei, drei Nächte die Woche«) Taxi in Stuttgart. Nach seinem Studium in Stuttgart-Hohenheim arbeitete er von 1989 bis 1993 als Referent für land- und forstwirtschaftliche Lohnunternehmen beim Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft in Stuttgart. Da ihm das Wohnen auf den Fildern damals zu teuer war, zog er mit seiner Familie Ende 1992 nach Pliezhausen.

Dort, im Hotel Schönbuch, 100 Meter von seiner damaligen Wohnadresse entfernt, war im Dezember 1993 das für sein weiteres Leben entscheidende Vorstellungsgespräch: Mit gerade mal 32 Jahren bestimmten ihn die Vorstandsmitglieder des Gartenbauverbands zum Geschäftsführer.

Zahl der Mitgliedsbetriebe fast verdoppelt

»Der Anfang war schwierig«, erinnert er sich. Denn der Verband, damals Mieter im Haus des Württembergischen Gärtnereiverbands in Stuttgart, sei in einer finanziell schlechten Lage gewesen. Vor Beginn seiner Amtszeit sei beschlossen worden, die frühere Gaststätte »Am Bahnhöfle« in Musberg zu erwerben, umzubauen und dorthin (im Mai 1995) umzuziehen. Kosten: 3,5 Millionen Mark. »Die Finanzierung lief über eine Pflichtumlage. Das hat zu Unmut von Mitgliedsbetrieben, vor allem im Raum Heidelberg/Mannheim, geführt, für den ich nichts konnte«, sagt Bierig. Entsprechend sei die Zahl der Mitgliedsbetriebe zunächst von 466 auf 410 zurückgegangen.

Bierig bewältigte die heikle Startphase, war 2007 am Bau des eigenen Ausbildungszentrums in Heidelberg und seit 2016 an der Mehrheitsübernahme der Deula in Kirchheim/Teck beteiligt. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe hat sich auf nunmehr 803 fast verdoppelt. In Baden-Württemberg gibt es über 2.900 Garten- und Landschaftsbaubetriebe, die 2024 einen Gesamtumsatz von 2,05 Milliarden Euro erzielten und über 15.000 gewerbliche Arbeitnehmer beschäftigten. Nach Bierigs Schätzung stehen die Mitgliedsbetriebe des Verbands für 85 Prozent des Umsatzes und für über 80 Prozent der Beschäftigten.

Bierig arbeitete in den knapp 32 Jahren als Verbandsgeschäftsführer mit den drei Präsidenten Jörg Seidenspinner, Dieter Raisch und Erhard Anger sowie (nach Satzungsänderung) mit den beiden Vorstandsvorsitzenden Thomas Heumann und Martin Joos zusammen. »Ich durfte viele Betriebsinhaber in entscheidenden Momenten begleiten«, beschreibt er sein Coaching bei Neugründungen und Firmenübernahmen. Rund 1,3 Millionen Kilometer im Land sei er für den Verband gefahren, schätzt er. »Es hat mir immer Spaß gemacht zu sehen, was in den Städten durch Gartenschauen entstanden ist«, merkt er, der meist bei der Organisation dieser Veranstaltungen beteiligt war, an. Schön sei auch das große Interesse junger Menschen »für den sinnstiftenden Beruf des Landschaftsgärtners«.

Reise nach Neuseeland

Parks, Dach- und Wandbegrünungen trügen dazu bei, Feinstaub zu verringern, CO2 zu binden und Sauerstoff zu produzieren, bei Starkregen die Kanalisation zu entlasten und bei Sommerhitze für Kühlung in Städten zu sorgen. Grüne und blaue Infrastruktur verbessere damit die Aufenthaltsqualität dort. Ihm sei um die Zukunft der Branche nicht bange, sagt Bierig: »Die Betriebe haben was zu bieten, wenn es darum geht, die Folgen des Klimawandels zu lindern.«

Bei einer Abschiedsfeier hat er vom baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) die Staatsmedaille in Silber erhalten. Als Ruheständler werde er noch ein paar Projekte des Verbands begleiten, zum Beispiel als Aufsichtsrat die Landesgartenschau 2026 in Ellwangen und den Neubau/Umbau der Deula in Kirchheim. Sonst wolle er jedoch »loslassen«, so wie er es auch bei der Übergabe von Betrieben geraten habe.

Er plant mit seiner Frau Silvia Ulbrich-Bierig im neuen Jahr eine mehrwöchige Reise nach Neuseeland. »Ich freue mich darauf, mehr Zeit mit meinen Enkeln verbringen zu dürfen«, sagt er. Bierig hat drei Kinder und sechs Enkel. Einst hat er beim SV Wachbach (Ortsteil von Bad Mergentheim) in der Landesliga Fußball gespielt. Inzwischen spielt er Tennis – er war von 2011 bis 2023 auch Vorsitzender des Tennisclubs Pliezhausen. Doch als Dauerkarteninhaber des VfB Stuttgart verfolgt er das Fußballgeschehen nach wie vor. (GEA)