REUTLINGEN/TÜBINGEN. Die traditionsreiche Osiandersche Buchhandlung mit Sitz in Tübingen und 63 Filialen in Süddeutschland blickt auf das dritte Jahr in Folge mit erfreulichen Ergebnissen zurück. Dies berichtet Christian Riethmüller, Vorsitzender der Geschäftsführung, im Gespräch mit dem GEA in Reutlingen. »Unsere seit 2021 bestehende Partnerschaft mit Thalia in den Bereichen Informationstechnologie und Webshop, Einkauf und Logistik zahlt sich aus«, hebt der Betriebswirt dabei hervor.
Osiander hat Riethmüller zufolge in dem am 30. September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 117,8 Millionen Euro erreicht – nach 111 Millionen Euro im Geschäftsjahr zuvor. Die Umsatzrendite vor Steuern werde voraussichtlich wie im Vorjahr bei etwa 5 Prozent liegen – die Arbeiten am Jahresabschluss liefen noch. Für das Geschäftsjahr 2023/2024 hat die Osiandersche Buchhandlung GmbH kürzlich einen Jahresüberschuss (Gewinn nach Steuern) von 2,369 (Vorjahr: 1,945) Millionen Euro veröffentlicht.
Osiander beschäftigt aktuell 633 Personen, davon 65 Auszubildende, so Riethmüller. Umgerechnet in Vollzeitstellen seien es 455 Arbeitskräfte. Im GEA-Artikel vom Juli vergangenen Jahres über das Unternehmen war von 576 Beschäftigten, darunter 59 Auszubildenden, beziehungsweise 428 Vollzeitstellen die Rede.
Blick auf die beiden Firmen
Die im Jahr 1596 gegründete Osiandersche Buchhandlung ist der zweitälteste bestehende Betrieb der Branche in Deutschland. Gesellschafter der Osianderschen Buchhandlung GmbH (Tübingen) sind die Osiander Stiftung der Familie Riethmüller (Tübingen, 90 Prozent) und die Riethmüller GmbH & Co. KG (Ravensburg, 10 Prozent), hinter der ebenfalls Mitglieder der Familie Riethmüller stehen. Geschäftsführer der Osianderschen Buchhandlung sind die Cousins Christian Riethmüller, 51, und Martin Riethmüller, 38.
Die seit 2021 bestehende Kooperation von Osiander mit Thalia und das Geschäft mit den Kunden werden über die Osiander Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG (OVG, Tübingen) abgewickelt. An der OVG hält die Thalia Bücher GmbH (Hagen/Nordrhein-Westfalen) 51 Prozent der Anteile, die Osiandersche Buchhandlung 49 Prozent. Geschäftsführer der OVG sind Christian Riethmüller (Vorsitzender), Thomas Reif, 64, Leiter Finanzen bei der Osianderschen Buchhandlung, und Ingo Kretzschmar, 46, Vorsitzender der Geschäftsführung von Thalia Bücher.
»Trotz der politischen und gesamtwirtschaftlichen Krisen schätze ich die Lage von Osiander heute sehr positiv ein«, sagt Riethmüller. Die Zusammenarbeit mit Thalia in den oben genannten Bereichen ermögliche es Osiander, die strategische Ausrichtung auf die Entwicklung der bestehenden Standorte zu legen. »Die leistungsstarke Thalia-Plattform und ein toller Webshop von Thalia haben für mich nach unseren Erfahrungen mit einem Hackerangriff und mit der Corona-Pandemie einen hohen Wert«, erklärt der Geschäftsführer.
Bankschulden zurückgezahlt
»Wir haben unsere wirtschaftliche Stabilität deutlich verbessert«, verweist er bei einer Bilanzsumme von über 22 Millionen Euro auf eine Eigenkapitalquote von über 50 Prozent – und auf die Rückzahlung sämtlicher Bankschulden. Ende des Jahres 2020 hatte die Osiandersche Buchhandlung gemäß damaligem Jahresabschluss noch Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten von knapp 13,8 Millionen Euro.
105,6 (Vorjahr: 100) Millionen Euro Umsatz hat Osiander im abgelaufenen Geschäftsjahr in den Filialen erzielt und 12,2 (Vorjahr: 11) Millionen Euro im digitalen Handel, weiß Riethmüller. Stark zunehmend sei »Click & Collect«, also die Abholung einer Onlinebestellung in einem Ladengeschäft, mit zuletzt rund 7,5 Millionen Euro Jahresumsatz. »Das ist einzigartig, dass Kunden 60 Minuten nach Bestellung vorrätige Bücher im Laden abholen können«, sagt der Geschäftsführer. Inzwischen ermöglichten Osiander und Thalia auch gegenseitiges »Click & Collect«: Kunden, die Bücher bei Thalia.de kauften, könnten diese auch in einer Osiander-Filiale abholen und umgekehrt.
Das jüngste Umsatzplus erkläre sich mit etwa 2 Prozent durch Preissteigerungen. Das Gros sei jedoch durch Erhöhung des Absatzes entstanden. »Wir wachsen vor allem bei Jugendliteratur – wie Mangas, Romance, Fantasy sowie english books – und bei Spielwaren«, stellt Riethmüller fest. Spielwaren (vor allem Gesellschaftsspiele, Kartenspiele und Puzzles) machten knapp 10 Prozent des Umsatzes der stationären Geschäfte aus. Der Non-Book-Anteil insgesamt bei Osiander stehe für etwa 30 Prozent der Ladenumsätze. Dazu gehörten neben Spielwaren auch Kalender, Postkarten, Schreibwaren und Geschenkartikel.
100 Schnellkassen und ein Testkäufer
Im abgelaufenen Geschäftsjahr sei die Zahl der Filialen durch die Neueröffnungen in Rheinfelden und Laufenburg von 61 auf 63 gestiegen. 49 der Geschäfte seien in Baden-Württemberg, 11 in Bayern und 3 in Rheinland-Pfalz. »In Biberach und in Schwäbisch Gmünd sind wir in bessere Lagen umgezogen«, erzählt Riethmüller. Wie in Konstanz betreibe Osiander nun auch eine Filiale in Bad Kreuznach gemeinsam mit Thalia. Sechs Läden seien für Investitionen von insgesamt 3 Millionen Euro komplett umgebaut worden.
In den 63 Geschäften gebe es inzwischen 100 Selbst- und damit Schnellkassen. »16 Prozent des Umsatzes machen wir über diese Sellfscanning-Kassen«, so Riethmüller. »Das ersetzt Personal, das wir nicht finden und entlastet auch unsere Mitarbeitenden an starken Tagen«, fügt er hinzu. Um das Angebot zu verbessern, setze Osiander vor Weihnachten einen Testkäufer in einigen Filialen ein. »Die Filialen erhalten so hilfreiche Rückmeldungen, etwa zur Sauberkeit, Beratung, Ansprache oder zum Kundenservice«, sagt Riethmüller.
Flächenmäßig gibt es in der Reutlinger Wilhelmstraße die größte Osiander-Filiale. »Beim Umsatz hat aber Tübingen Reutlingen zuletzt überholt. Danach folgen Konstanz, Heilbronn und Lörrach«, sagt Riethmüller. Er lobt die konsequente Stadtentwicklung des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer und nennt speziell das Verkehrskonzept und die hohe Aufenthaltsqualität. »Ich hoffe, dass auch in Reutlingen der Einzelhandel gestärkt wird, vielleicht führt ja der neue Edeka-Markt zu einer höheren Frequenz in der Innenstadt.« (GEA)

