REUTLINGEN. Bei der im Handel mit technischen Produkten tätigen traditionsreichen Reutlinger Unternehmensgruppe Reiff sollen 160 der 585 Arbeitsplätze wegfallen, davon 90 in Reutlingen. Dies sieht ein Personalkonzept vor, das bei einer Betriebsversammlung vorgestellt wurde. Den Betroffenen wird der Übertritt in eine Beschäftigungsgesellschaft angeboten, teilten der bisherige Firmenchef Alec Reiff, 47, und der Restrukturierungsexperte Holger Leichtle, 54, dem GEA auf Anfrage weiter mit.
Wie berichtet, will das niederländische Unternehmen Eriks die Reiff-Gruppe voraussichtlich bis Mitte Dezember erwerben – vorbehaltlich üblicher aufschiebender Bedingungen, insbesondere der Zustimmung der Kartellbehörden. Die wesentlichen deutschen Gesellschaften der Reiff-Gruppe hatten Ende Juli und im September Insolvenzverfahren beantragt.
Vereinbarung mit dem Betriebsrat
Leichtle betonte: »Wir sind noch im Closing-Prozess.« Der abschließende Schritt des Verkaufsabschlusses sei also noch nicht vollzogen. Es gebe noch rechtliche Themen zu klären. Erst dann könne die angedachte Lösung mit der Transfergesellschaft umgesetzt werden.
Eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat sehe jedoch vor, dass es keine Kündigungen geben solle. Vielmehr sollen 120 der 160 vom Personalabbau Betroffenen von 1. Dezember an in eine Transfergesellschaft wechseln können, 30 weitere Personen von 1. Januar 2026 an und zehn von 1. März 2026 an. Sie sollen dort bis zu zehn Monate verbleiben können.
Dies werde von der Bundesagentur für Arbeit und vom Betrieb finanziert. Die Betroffenen könnten sich dabei weiterqualifizieren und sich auf eine neue Arbeitsstelle vorbereiten. Leichtle, promovierter Rechtsanwalt und auch als erfahrener Insolvenzverwalter bekannt, merkte an: »Das ist sozialverträglich. Der Betriebsrat hat was für die Betroffenen rausgeholt.«
Standorte werden geschlossen
Reiff berichtete, dass der Personalabbau sich am Erwerberkonzept orientiere und dabei vermieden werden solle, doppelte Strukturen zu unterhalten. Daher würden drei Standorte der bisherigen Reiff Technische Produkte GmbH mit zusammen 70 Beschäftigten geschlossen: in Offenburg, Leipzig und Chemnitz. Zudem erübrigten sich durch den neuen Eigentümer Zentralfunktionen in Reutlingen.
Bislang steht die im Jahr 1910 gegründete Reiff-Gruppe für 13 Standorte in Deutschland, Luxemburg, Belgien und China. 2024 erzielte sie einen Umsatz von 148 Millionen Euro. Sie ist Expertin für Antriebs-, Fluid- und Dichtungstechnik sowie für Anwendungen aus Gummi und Kunststoff. (GEA)

